WWF: Junge Seeadler bekommen Ringe

Wagemutiger Einsatz in 25 Meter Höhe: Jungvögel im Horst beringt
  • Seeadlerjunge 2, © by WWf Björn Beckmann
Downloads
Wien/Donau-Auen, 4. Mai 2012 – Gestern beringten WWF-Mitarbeiter in den Tullnerfelder Donau-Auen zwei junge Seeadler. Die Jungen werden den Horst in Kürze verlassen. Mit Hilfe der Ringe können die Naturschützer unter anderem herausfinden, wo die Adler herumstreifen, wo ihre Überwinterungsplätze liegen und mit welchem Alter sie erstmals brüten. All diese Erkenntnisse helfen mehr über das Schicksal jedes einzelnen Adlers herauszufinden und passende Schutzmaßnahmen für den Seeadler zu ergreifen. Damit die seltenen Greifvögel langfristig eine Chance haben, müssen ihre Lebensräume, wie die Auwälder in den Donau-Auen erhalten bleiben. Die Donau-Auen bieten fünf von insgesamt 15 heimischen Seeadlerpaaren einen weitgehend störungsfreien Lebensraum.


Seeadlerberingung Björn Beckmann, © by ©WWF

Die Beringung und Vermessung der Jungadler im Horst ist ein wichtiger Teil  des WWF Seeadlerprojektes . „Auf diese Weise können wir das Verhalten der Seeadler über viele Jahre beobachten, ohne sie zu stören, und so die Entwicklung des sensiblen Bestandes verfolgen“, erklärt Christian Pichler, Leiter des WWF-Seeadlerprojekts. Um zum Adlerhorst in der Baumkrone der Pappel zu gelangen, ist eine waghalsige Kletterpartie am Stamm bis in 25 Meter Höhe erforderlich. Der WWF-Spezialist wird dabei an Seilen gesichert. Er steigt zu den wenige Wochen alten Jungadlern – die bereits etwa hühnergroß sind – in den Horst, vermisst sie, stattet sie mit zwei Ringen an den Fängen aus und seilt sich anschließend wieder ab.

Bei der Kennzeichnung erhalten die Seeadler jeweils zwei Ringe. Ein schwarz-grüner Ring mit weißem Nummerncode kennzeichnet die Angehörigkeit zur pannonischen Population (Österreich, Slowakei, Ungarn und Kroatien). Der zweite – silbergraue - Ring mit schwarzen Ziffern dient zur individuellen Bestimmung von Alter und Geburtsort. Dadurch kann der Vogel punktgenau identifiziert werden, wenn er beobachtet, gefangen oder tot aufgefunden wird. Die Ringe lassen sich aus großer Entfernung ablesen. Weil diese größten heimischen Greifvögel auf Menschen sehr empfindlich reagieren, und Eltern ihr Gelege verlassen könnten, wird die Beringung erst knapp vor dem Flügge werden der Jungvögel durchgeführt. Aus demselben Grund wird auch die genaue Lage der Horste von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Schutzprojekts geheim gehalten.

Seeadlerberingung, © by WWF Andreas Zednicek

Der Seeadler war in Österreich mehr  als 50 Jahre ausgestorben. Erst im Jahr 1999 gab es den ersten Brutversuch und 2001 die erste erfolgreiche Brut in den an die Donau-Auen angrenzenden Marchauen östlich von Wien.  Der WWF begleitet seit damals die natürliche Rückkehr des Seeadlers.

Seeadlerjunge 2, © by WWf Björn Beckmann

Rückfragehinweis:
Lisa Simon, WWF-Pressesprecherin, Tel.: 01-48817-215, Mobil: 0676-83488215, E-Mail: lisa.simon@wwf.at
Christian Pichler, Leiter des WWF Seeadlerprojekts, Tel.: 01-48817-279, Mobil: 0676-8348202, E-Mail: christian.pichler@wwf.at