„Viele Fischereien plündern und zerstören die Meere. WWF-Berichte zeigen, was auf dem Teller nicht sichtbar ist“, so WWF-Meeresexperte Axel Hein. Verbraucher sollten laut WWF zum Beispiel auf
Seeteufel verzichten, dessen Bestand stark bedroht ist. Beim Fang dieses Tiefseefisches zermalmen tonnenschwere Grundschleppnetze den Lebensraum der Tiefseekorallen. Gleichfalls schlecht schneiden
Jakobsmuscheln ab. Diese werden meist mit Dredgen gefangen, einer Grundschleppnetzart, die sich tief in den Meeresboden hineingräbt und zu großen Schäden führt.
Auch in der Nordsee sind die Nebenwirkungen der Fischerei enorm. „Wer
Scholle oder
Seezunge isst, muss sich klar sein, dass in den Netzen oft ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet“, erläutert Hein. So gehen zum Beispiel pro Kilogramm Seezunge auf dem Teller bis zu sechs Kilogramm Beifang, wie bedrohte Haie und Rochen, wie Müll wieder über Bord. Der stark dezimierte
Kabeljaubestand in der Nordsee leidet ebenfalls unter den seit Jahren zu hohen Fangquoten.
Eine schlechte Öko-Bilanz haben zudem
tropische Shrimps. Für die Zuchtanlagen von Shrimps wurden an der südamerikanischen Pazifikküste und in Südostasien hunderte Kilometer Mangrovenwälder abgeholzt. Der Einsatz von Chemikalien und Antibiotika verseucht darüber hinaus umliegende Gewässer und Böden. Eine Lösung bietet ab 2013 das ASC-Siegel, das eine verantwortungsvolle Aquakultur garantiert. Die umweltfreundlichste Alternative bieten laut dem WWF Shrimps aus Zuchtanlagen mit Bio-Siegel.
Achtung auch beim Kauf von
Kaviar. Die als Luxusgut bekannten Fisch-Eier der Störe sind der Hauptgrund für die beinahe Auslöschung der Störe. Ihr Bestand ist im Kaspischen Meer bereits um alarmierende 95 Prozent zurückgegangen. Als Alternative empfiehlt der WWF Kaviar-Ersatz von Forelle oder Lachs oder Kaviar aus Zucht.
Fischkonsum in ÖsterreichFast acht Kilogramm Fisch genießt durchschnittlich jeder Österreicher pro Jahr. Rund 60.000 Tonnen Fische und Fischprodukte im Wert von 320 Millionen Euro werden pro Jahr nach Österreich importiert. Aus heimischer Produktion stammen hingegen lediglich 3.300 Tonnen Fisch, wobei die heimische Aquakultur noch Ausbaupotential bietet. Typische Importfische sind Lachs, Thunfisch, Tintenfisch, Sardine und Makrele aber auch Krabben, Muscheln und Tintenfisch. Sie stammen beispielsweise aus westafrikanischen Gewässern, wo die Fangflotten der Industriestaaten die Meere auf Kosten der einheimischen Bevölkerung ausbeuten. „Österreich ist auf den Fischimport angewiesen. Wir können uns maximal 20 Tage im Jahr von Fisch aus heimischer Erzeugung ernähren. Um eine weitere Ausbeutung der Meere zu verhindern, ist es wichtig Fisch und Meeresfrüchte bewusst und vor allem als nicht alltägliche Delikatesse zu genießen“, betont Hein.
Überfischung der Meere Eine aktuelle WWF Studie zeigt, dass zwischen 2003 und 2011 alleine im Nordostatlantik sechs Millionen Tonnen Fisch zusätzlich zur von Wissenschaftlern empfohlenen Mengen gefangen wurden.
Dadurch ist fast jeder zweite Fischbestand im Nordostatlantik überfischt. „Wir sind noch weit von einer Lösung der Fischerei- und Umweltkrise in unseren Meeren entfernt“, bilanziert Hein. Als wichtigste Gründe für die Missstände nennt er zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fangmethoden und fehlende Kontrollen sowie Schutzgebiete. Der WWF fordert die EU dazu auf, Langzeitmanagementpläne für jede Fischerei zu implementieren, Rückwürfe und damit die Verschwendung des Beifangs zu stoppen und nur mehr nachhaltige Fangmethoden zu fördern.
WWF Einkaufsratgeber „Fisch und Meeresfrüchte“ zum Gratis-Download auf www.wwf.at/fischfuehrer
Rückfragehinweis und weitere Informationen: Lisa Simon, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel.: +43-1-48817-215, Mobil: +43-676-83488215, E-Mail:
lisa.simon@wwf.at