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WWF-Team bei slowenischen Bären

Lokalaugenschein im Nachbarland

  • Braunbär
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  • Braunbär liegend
  • Braunbären Junge
  • Bärenzählstelle
  • Bärensichtung bei Lokalaugenschein
In Slowenien leben 700 Braunbären auf einer Fläche von der Größe Niederösterreichs. WWF-Experten machten sich ein Bild über das Zusammenleben von Mensch und Bär in unserem südlichen Nachbarland. WWF-Pressesprecherin Claudia Mohl berichtet von ihrer aufregenden Begegnung mit den Bären.
 
Seit 20 Jahren macht sich der WWF in Österreich und im gesamten Alpenraum für ein Comeback des Braunbären stark. Dadurch soll auch das Ziel der EU, wieder einen "günstigen Erhaltungszustand" für die Art, die einst in ganz Europa zu finden war, realisiert werden.

Braunbären Junge
In den Ostalpen ist die Situation der Bären besonders dramatisch: In drei kleinen "Inselvorkommen" im Norden Sloweniens, dem italienischen Trentino und Österreich leben zusammen weniger als 40 Tiere. Nur der Süden von Slowenien – außerhalb der Alpen - gilt als wahres Bärenparadies: Seit eh und je streift Meister Petz durch die Wälder des dinarischen Gebirges und lebt mit den Menschen scheinbar friktionsfrei Seite an Seite.

Wenn Österreich sich entschließt, seinen beiden letzten Bären - dem mittlerweile 20 Jahre alten Djuro und dem 7-jährigen Moritz - endlich Weibchen zur Seite zu stellen, werden die Bärinnen voraussichtlich aus Slowenien kommen. Sie sollen dafür sorgen, dasss der Bär in Österreich nicht zum zweiten Mal ausstirbt.

Braunbär
Im Oktober 2008 wollte ein kleines Team von Experten des WWF Österreich genauer wissen: Warum ist die Akzeptanz für den Bären unter der slowenischen Bevölkerung höher als hierzulande? Können Mensch und Bär in einem Land das so klein ist wie Niederösterreich nebeneinander existieren? "Bei uns war der Braunbär nie ausgestorben", erklärt Janez Kastelic vom slowenischen Umweltministerium. Kastelic hat uns zum fachlichen Austausch in ein Forsthaus am Rande eines großen staatlichen Jagdrevieres im Süden, nahe der Grenze zu Kroatien, eingeladen. Auch der Revierleiter und der Leiter des Wildtiermanagements der slowenischen Staatsforste in Laibach haben sich zum Gespräch mit dem WWF eingefunden.

Braunbär
In Slowenien seien die Menschen es gewohnt, mit dem Bären umzugehen und der Bär mit ihnen, erläutern die Experten. Natürlich gebe es problematische Bereiche des Miteinanders, etwa wenn Schafe dem "Bärenhunger" eines Tieres zum Opfer fallen, oder nicht gesicherte Abfalleimer von einzelnen Bären heimgesucht werden. "Unsere Forstbediensteten bemühen sich um Aufklärung über Präventivmaßnahmen und um ein lückenloses Monitoring", erklärt Kastelic. "An vielen der Zählstellen unserer Reviere werden die Bärenspuren sogar täglich kontrolliert." Richtet ein Bär Schäden an, springt der Staat ein und übernimmt die Kosten.

Die Männer laden uns zu einer Rundfahrt durch das Revier - kein Nationalpark, sondern ein ganz normal bewirtschafteter Wald - ein. Hier leben rund 100 Bären, dazu 6 Wolfsrudel und 9 Luchse auf einem Gebiet von 280 Quadratkilometern. Im strömenden Regen verlassen wir den Jeep und folgen dem Leiter des Jagdrevieres durch einen beeindruckenden Mischwald an eine Bären-Zählstelle: Am Rande einer Wiese steht ein leicht ausgehöhlter Baumstumpf, in den - fast zur Gänze durch einen Felsbrocken verdeckt - Maiskörner gestreut wurden. "Nur ein Bär ist imstande, solch einen Felsen zur Seite zu schieben, und dadurch an den Leckerbissen zu gelangen," erklärt der Jagdleiter. Auch einige andere Köstlichkeiten wie ein  Apfelmaische-Haufen sind zu sehen.

Bärenzählstelle

Als ich erfahre, dass die Bärin Jurka - Mutter des berühmten "Bruno" und Mitbegründerin des Bestandsstützungsprojekts im italienischen Trentino - genau in diesem Teil des Waldes eingefangen wurde, fühle ich mich ergriffen… und als Zeugin der Geschichte des Rettungsprojekts für die Alpenbären.

"Wenn die Tiere unsere Futterstellen besuchen, können wir sie vom Hochstand aus bequem zählen. Außerdem erhalten die Bären dadurch einen Anreiz, im Revier zu bleiben und ihre Nahrung nicht in der Nähe von Dörfern zu suchen", erläutern die slowenischen Experten. Dass dieser Wald, obwohl er uns endlos groß erscheint, nicht menschenleer ist, wird uns bewusst, als wir abends im Jeep wieder Richtung Forsthaus unterwegs sind: Die Lichteransammlungen im Tal gehören eindeutig zu Siedlungen.

Braunbär
Nach einer Fortführung der Gespräche am nächsten Tag winkt abends der Höhepunkt unserer Reise: Um einen noch besseren Einblick in das Bärenmanagement Sloweniens zu bekommen, dürfen wir die Jagdorgane zu einer Beobachtungsstelle begleiten. In der Dämmerung, wenn die tagsüber eher trägen Bären aktiver werden, soll es gute Chancen für eine Sichtung geben. Leider hat das Revier immer wieder mit ausländischen Touristen zu kämpfen, die auf eigene Faust losziehen und sich und andere damit in Gefahr bringen. Auf einen "Bärentourismus" ist man hier nicht eingerichtet. Umso mehr freuen wir uns über die Ausnahme, die für den WWF gemacht wird.

Aufgeregt steigen wir - dick eingemummt in warme Kleidung, denn mit langer Wartezeit sei zu rechnen - zu dritt in einen Jeep und fahren los. Kilometerweit geht es dahin, an Buchen, Tannen, Eichen, Föhren und Lärchen vorbei. Wir dringen immer tiefer in einen herbstbunten Märchenwald ein. Dass sich Braunbären hier wohlfühlen, glauben wir sofort. Nach über einer Stunde Fahrzeit hält der Wagen an einer Wiese, die von den letzten Sonnenstrahlen in ein rötliches Licht getaucht ist.

Braunbär liegend
Wir steigen aus und treffen auf einen Kollegen unseres Fahrers, einen bärtigen Mann mit Gewehr, der uns bedeutet, ganz still zu sein. "Bär hier" flüstert er und deutet auf die Wiese. Wir folgen also dem Jäger auf leisen Sohlen und mit klopfenden Herzen. Erst sehen wir gar nichts, dann, plötzlich - in nicht einmal 40 Metern Entfernung - steht er da: Ein wunderschöner, flauschiger, und unzweifelhaft "ganz echter" Bär. Er hat sich aufgerichtet, wohl um zu sehen, wer ihn da bei seiner Mahlzeit stört und blickt neugierig, aber recht ungerührt in unsere Richtung. Mich hingegen packt die Rührung - oder eher ein Gefühl der Demut, der Ehrfurcht vor diesem Tier, das für den WWF wie kaum ein anderes als Symbol für eine intakte Natur steht.

Obwohl ich keine Angst empfinde - viel zu friedlich wirkt der Bär auf mich - lässt die Unwirklichkeit der Situation meine Hände dennoch ein wenig zittern, und ich bekomme nur ein verwackeltes Foto zustande… Das Bild dieses jungen Bären vor mir werde ich dennoch nie vergessen. Der Jäger hebt nun sein Gewehr an und macht schnalzende Laute, damit der Bär noch stärker auf uns aufmerksam wird. Wir wissen, dass er sich nun bald trollen wird, und recken unsere Hälse. Einmal noch richtet er sich auf und sieht uns an, dann lässt er sich gemütlich auf alle Viere nieder und trottet langsam Richtung Wald davon.

Bärensichtung bei Lokalaugenschein

"Kommt zum Hochstand - der Bär ist in einer halben Stunde zurück", winkt uns unser Begleiter weiter über die Wiese. Wir klettern in den Hochstand und warten. Tatsächlich sehen wir an diesem Abend noch zwei mal Bären - einmal marschiert einer am Forstweg wo unser Jeep parkte, entlang. Und einen anderen können wir, nun schon ordentlich durchgefrohren und windgebeutelt, eine Stunde lang beim Fressen von Mais, der unmittelbar vor unserem Hochstand ausgestreut ist, beobachten, bevor auch er sich in den Wald verzieht. Wir werden abgeholt und fahren ins Forsthaus zurück. Was bleibt, ist dieses friedvolle Bild vom Bären in der Wiese - und die Gewissheit, uns nun noch stärker für die Rettung dieser faszinierenden Tierart einsetzen zu wollen.
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