Wenn die illegale Jagd nach seinen Eiern kein Ende nimmt, wird es eines der ältesten Tiere der Erde wohl bald nicht mehr geben. Die Stör-Bestände im Kaspischen Meer sind bereits um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Ein Lokalaugenschein in österreichischen Geschäften brachte erschreckendes zutage: Auch hierzulande wird illegaler Kaviar verkauft!
Viel Geld - und immer weniger Störe
Bis zu 6.000,– Euro für einen Kilo Kaviar sind eine beachtliche Summe für einen Haufen salziger Fischeier. Doch scheinbar leisten sich immer noch viele Leute das „Schwarze Gold“ - und um diese Nachfrage zu stillen, werden die wenigen Lebensräume des Fisches im wahrsten Sinne des Wortes Stör-frei. Im Kaspischen Meer, dem Hauptproduktionsgebiet für Stör-Kaviar, sind die Bestände bereits um 90 Prozent zurückgegangen. Weltweit wurden die Stör-Populationen in den letzten Jahrzehnten um 70 Prozent gemindert.
Factsheet Kaviar Urtümliche Fische
Dass die Jagd gerade den Stör trifft, ist angesichts der Urtümlichkeit und Langlebigkeit dieser Fische besonders bedauerlich. Schon zu Zeiten der Dinosaurier haben die Tiere mit den langen Nasen unsere Gewässer bevölkert. Erst im Alter zwischen zehn und 25 Jahren werden Störe geschlechtsreif, dafür haben sie – unbejagt – auch eine Lebenserwartung von bis zu 100 Jahren. Nicht selten wurden alte Störe bis zu zwei Tonnen schwer – aufgrund der intensiven Fischerei und der Lebensraumzerstörung ist die natürliche Lebenserwartung jedoch stark gesunken. Immer weniger Störe können sich fortpflanzen, die Bestände werden sich ohne strengen Schutz nie wieder erholen.
Factsheet Stör Stör-Kaviar nur mit CITES-Etikett!
Um eine nachhaltige Nutzung der Störe zu sichern wurde der Handel mit Stör-Kaviar in den letzten Jahren streng reguliert. Es gibt genau festgelegte Export-Quoten, Import und Export dürfen nur mit behördlicher Genehmigung erfolgen. Vor allem aber muss jede Dose mit Stör-Kaviar durch ein CITES-Etikett gekennzeichnet sein. Dieses besteht aus einem Buchstaben-Zahlen-Code und gibt dem Konsumenten u.a. Auskunft, von welcher Stör-Art und aus welchem Land der Kaviar stammt. Und es gibt Händlern und Konsumenten Sicherheit, dass es sich um Kaviar aus legalen Quellen handelt. Dennoch ist auch in Österreich Kaviar in nicht etikettierten Dosen erhältlich, der somit illegal ist. Bei einem Lokalaugenschein in Wien stellte die WWF-Artenschutzexpertin Jutta Jahrl erschüttert fest:
„Auch hier wird illegaler Kaviar verkauft! Leider wissen die wenigsten Menschen über das CITES-Etikett Bescheid – und beteiligen sich unbewusst an der Ausrottung der Störe und am illegalen Handel.“
Bestimmungen zur Kennzeichnung von Kaviar Kaviarhandel in Westeuropa Kaviar aus Zuchtanlagen
Übrigens: Die Etiketten-Pflicht gilt auch für Kaviar aus Fischzuchtanlagen. Immer mehr Störe werden nachgezüchtet, bis sie alt genug sind, um zur Kaviar-Gewinnung getötet zu werden. Noch ist dieses Verfahren extrem mühsam und ineffizient, doch es trägt dazu bei, den Druck auf die Wildbestände einzudämmen.
WWF und Lebensministerium
Für den WWF und das Lebensministerium ist verstärkte Aufklärung über die Bedrohung der Störe und über die gesetzlich vorgeschriebenen Etikettierungsvorschriften ein wichtiger Schritt im Kampf gegen illegalen Kaviar-Handel.

Bei Fragen und für weitere Informationen stehen das
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) als zuständige Behörde unter
01/51 522-1402 sowie der
WWF Österreich unter
01/48817-264 gerne zur Verfügung.