Der Flussdialog Oberösterreich setzt auf Beteiligung der Bevölkerung: an der Oberen Traun stehen Hochwasser- und Grundwasserschutz, die Öffnung von Altarmen, die naturnahe Ufergestaltung und auch die Wasserkraftnutzung im Fokus der Diskussionen.
„ökologisch wasser wirtschaften“ ist das zentrale Thema des Flussdialogs Oberösterreich. Geht es um Gewässer, dominiert seitens der Bevölkerung der Wunsch nach Qualität und Reinheit. Das übergeordnete Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist es aber auch, den guten ökologischen Zustand heimischer Gewässer zu bewahren bzw. wieder herzustellen: Naturnahe Gestaltung der Flussläufe, ökologisches Wirtschaften und Hochwasserschutz sind essentiell für den nachhaltigen Umgang mit Gewässern. Diese Grundintention ist in der Wahrnehmung der Bevölkerung allerdings noch zu wenig verankert. Der auf Initiative des Landes Oberösterreich und des Lebensministeriums ins Leben gerufene Flussdialog Oberösterreich hat deshalb zum Ziel, für die Aufgaben, Herausforderungen und Chancen im Umgang mit Gewässern das notwendige Bewusstsein zu schaffen. Die Beteiligung der Bevölkerung steht dabei im Zentrum.
Um die regionale Umsetzung von Maßnahmen zu diskutieren, finden bis Ende März 2009 an den Flüssen Obere Traun, Mattig, Große Mühl, Krems und Maltsch Flussdialog-Veranstaltungen statt. Interessensvertretungen im Einzugsgebiet der ausgewählten Flüsse bzw. Flussabschnitte sind aufgerufen, sich gemeinsam mit den planenden Dienststellen aktiv an der Diskussion rund um den Schutz und die Verbesserung des Zustandes der Gewässer und der direkt abhängigen Landökosysteme und Feuchtgebiete zu beteiligen. Es gilt Positionen auszuloten, wie naturnahe Gewässerökologie mit intelligenten Nutzungsweisen vereinbar ist. Wie Hochwasserschutz konkret zu gestalten ist, damit es zur deutlichen Reduktion der Gefahren im gesamten Gewässersystem kommt, wird ebenso beleuchtet.
Der Flussdialog an der Oberen Traun fand reges Interesse: An die 80 VertreterInnen von Bürgerinitiativen, Verwaltung, Landwirtschaft, Fischerei, Wirtschaft, Tourismus, Kraftwerksbetreibern, ansässigen Unternehmen, Schulen und Gemeindepolitik diskutieren die Nutzungsmöglichkeiten sowie Entwicklungschancen der Flussregion. Dabei ging es um ökologisch verträgliche Hochwasserschutzmaßnahmen wie Flussaufweitungen, die Wiederanbindung von Altarmen und die naturnahe Gestaltung der Uferlandschaften. Als wichtig erwähnt wurde auch der Schutz der Wasserqualität in einem sensiblen, weil höchst durchlässigen Karstgebiet. Der Tourismus bringt hier – zum Beispiel durch Abwässer – noch immer einen gewissen Problemdruck mit sich.
Gleichzeitig stellen naturnahe Flussläufe und Uferlandschaften sowie saubere Gewässer einen hohen touristischen und somit auch wirtschaftlichen Anreiz dar. Heiß diskutiert wurde beim Flussdialog auch die Nutzung der Oberen Traun für die Wasserkraft: Einerseits wurden die Widerstände der Bevölkerung gegen das Modernisierungsvorhaben beim Kraftwerk Bad Goiseren artikuliert, andererseits will die Energie AG am Fluss sogar noch weitere Ausbaupotentiale diskutieren.
Ab Frühjahr 2009 kann die gesamte Bevölkerung des Einzugsgebietes ihre Meinung zu den geplanten Maßnahmen und den Lösungsansätzen bei einer Online-Befragung auf
www.flussdialog.at äußern. Alle Ergebnisse werden am 1. Juli 2009 im Rahmen des „Fest der Flüsse“ im Lentos Kunstmuseum in Linz mit Blick auf die Donau präsentiert.