WORKSHOP "Modellprojekt Flussraumbetreuung Obere Traun - Zukunft der Flussraumbetreuung in Österreich"
Wien, am 23. Februar 2010: Das Lebensministerium und der WWF luden zu einem Workshop im BMLFUW um die Rahmenbedingungen und Anforderungen für eine Fortsetzung des Modellprojekts Flussraumbetreuung Obere Traun in anderen Flusseinzugsgebieten zu diskutieren und zu definieren.
Im Workshop wurde eine Fortführung des Modellprojekts in anderen Bundesländern und Flüssen besprochen. Es sollten einerseits das Anforderungsprofil und Aufgabenprofil einer Flussraumbetreuung ergänzt und Prioritäten gesetzt werden. Darüber hinaus wurden die organisatorische Anbindung und Finanzierung sowie Kriterien für den Einsatz bzw. den Bedarf einer Flussraumbetreuung diskutiert.
Nach Erfahrungsberichten vom Modellprojekt Flussraumbetreuung Obere Traun und von anderen großräumigen Flussprojekten, sorgten die 35 TeilnehmerInnen der Bundeswasserbauverwaltung, der Österreichischen Bundesforste, der Wildbach- und Lawinenverbauung, des WWF, der Via Donau, des Umweltbundesamtes und technischer Planungsbüros für einen vielfältigen und konstruktiven Diskussionsprozess. Die Prioritäten im Aufgabenprofil einer Flussraumbetreuung lagen klar bei der Bewusstseinsbildung für ökologischen Hochwasserschutz und damit verbundener Flächensicherung bzw. Raumplanung, beim Initiieren und Vorantreiben der ökologischen und flussbaulichen Maßnahmen und beim Interessensausgleich zwischen allen beteiligten Stakeholdern. Im dafür notwendigen Anforderungsprofil wurde gewässerökologisches Fachwissen als vorrangig bewertet, aber auch Grundkenntnisse im Wasserbau, der Wildbachverbauung, Land- und Forstwirtschaft sowie Kenntnisse in der Öffentlichkeitsarbeit und von rechtlichen Bestimmungen wurden hoch bewertet. Bei den persönlichen Kompetenzen wurde die Ausdrucks- und Kommunikationsfähigkeit sowie Konfliktmanagement und Mediation als besonders wichtig gehalten. Für eine mögliche organisatorische Anbindung wurden unterschiedliche Ansätze diskutiert: Die Verantwortung für die Umsetzung von Flussraumbetreuungen wurde großteils bei der Verwaltung gesehen, auch um eine Kontinuität zu garantieren. Eine externe Assistenz der Behörden wurde als sinnvoller erachtet als die Schaffung einer neuen Verwaltungseinheit. Finanzierungsmöglichkeiten wurden einerseits bei Bund und Land (Bundeswasserbauverwaltung, Wildbach- und Lawinenverbauung) gesehen, aber auch bei der EU (Programme, Förderungen) und bei den NutzerInnen eines Gewässers z. B. durch einen „Wasserschilling“. Auch neuartige Varianten wie Ökosponsoring und Kompensationsfonds wurden vorgeschlagen. Bedarf an einer Flussraumbetreuung wurde dort gesehen, wo hoher Nutzungsdruck und Konflikte gegeben sind, bei großen Maßnahmenumsetzungen oder in großen Einzugsgebieten (grenz-, bundesländer- und dienststellenübergreifend) und an Flüssen mit besonderer ökologischer Bedeutung.
Die Diskussionsbeiträge des Workshops fließen in den Leitfaden für Flussraumbetreuungen ein, der von Lebensministerium, WWF und den KooperationspartnerInnen mit Projektende der Flussraumbetreuung Obere Traun erstellt wird. Der Leitfaden und die Vorschläge zur Finanzierung und Organisation sollen als Basis für weitere Projekte der Flussraumbetreuung in Österreich dienen.
Insgesamt hat dieser Workshop gezeigt, dass von vielen Stellen großes Interesse an der Anwendung der FRBT besteht, und eine Weiterentwicklung dieses Instruments in den nächsten Jahren all sinnvoll erachtet wird.
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