Nach jahrelangem Ringen trat im Herbst 2008 endlich das Verbot des giftigen Schiffanstrichs TBT in Kraft. Tributylzinn, eine farblose, metallorganische Zinnverbindung, wurde über Jahrzehnte für
den Anstrich von Schiffen verwendet, damit sich Algen
und Muscheln nicht am Schiffskörper anheften konnten. Die Auswirkungen des jahrzentelangen TBT-Einsatzes sind dramatisch.
Da sich die Substanz im Salzwasser löste und langsam auf den Meeresboden sickerte,
vergiftete TBT unzählige Tiere und mit ihnen ganze Meeresabschnitte. Der massive Rückgang der Muschelvorkommen im Atlantik wird ebenso auf TBT zurückgeführt wie der rätselhafte Geschlechtswechsel von Meeresschnecken. Das Gift gelangte auch in die Nahrungskette und konnte in
Fischen, Seevögeln und Walen nachgewiesen werden.

Antibewuchs-Anstriche schützen den Rumpf eines Schiffes vor dem Befall mit Algen, Muscheln, Seepocken und anderen Organismen. Lange Zeit galt TBT als wirksamstes Mittel gegen unliebsame Gäste an der Schiffswand. Doch das hochgiftige Biozid gelangt auch in die Meeresumwelt und in die Nahrungskette.
Die Öffentlichkeit wurde erstmals Anfang der 1980er Jahre aufgeschreckt, als die zunehmende TBT-Vergiftung an der französischen Küste in großem Maße
Austern deformierte und ihren Verkauf unmöglich machte. Die fatalen Wirkungen eines der
schädlichsten Umweltgifte, mit dem der Mensch die Meere verseucht, traten immer deutlicher zu Tage. So wurde bei 180 Schneckenarten Schäden bis zur Unfruchtbarkeit und zum
Aussterben einzelner Arten bekannt. Selbst in Gewebeproben von Walen oder Albatrossen, die fernab der Schifffahrtsrouten leben, kann das Gift nachgewiesen werden.

Frankreich und später die EU verboten in den 1980er Jahren biozidhaltige Farben für Freizeit- und kleinere Küstenschiffe. Doch dann stockte der Kampf gegen das Gift, bis Umweltorganisationen sowie Nord- und Ostseestaaten die UN-Schifffahrtsorganisation IMO zum Handeln aufforderten. Ende der 1990er Jahre entwickelte der WWF gemeinsam mit Reedereien, Farbenherstellern und Behörden
TBT-freie Schiffsanstriche.
Erst 2001 kam der Durchbruch, die IMO verabschiedete die AFS-Konvention. Damit war das
Ende von giftigen Anstrichen für alle Schiffstypen besiegelt. Doch erst vor Jahresfrist kam mit der Ratifizierung Panamas die zum Inkrafttreten der Konvention erforderliche Staatenzahl zusammen. Zwischenzeitlich hatte die EU ihr TBT-Verbot zum 1. Januar 2008 auf alle Schiffstypen ihrer Mitgliedsländer ausgeweitet. Im Herbst 2008 trat schließlich die AFS-Konvention in Kraft, mit der sich
34 Staaten verpflichtet haben, auf TBT zu verzichten.
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