Neuer Rekord in Österreich: 123 territoriale Seeadler-Paare konnten gezählt werden. Ihr Lieblingsplatz ist das Waldviertel.
Europa fischt sich leer: EU setzt Kollapspolitik fort
Hamburg/Wien, 13. Juli 2011 – Wie schlimm steht es wirklich um die Fischerei und die Meere Europas? Werden die Einschnitte durch die kommende EU-Fischereireform Arbeitsplätze in der Fischereiindustrie vernichten? Zahlt der Steuerzahler trotz akuter Überfischung weiter für eine Aufrüstung der Fischereiflotte? Der heute veröffentlichte WWF Report “Mythen und Fakten über die GFP” gibt Antworten auf drängende Fragen zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik in Europa und betont die Notwendigkeit eines kräftigen Kurswechsels. Heute Mittwoch stellt die EU-Kommission in Brüssel ihren Entwurf für weitere zehn Jahre EU-Fischereipolitik vor. “Es ist ein Mythos, dass sich die Situation der Fische bessert. Aber es ist ein Fakt, dass es ohne Fisch keine Zukunft für Europas Fischer geben wird”, sagt WWF-Meeresexperte Georg Scattolin. “Diese Reform muss der Überfischung und skandalösen Fischverschwendung jetzt ein Ende setzen.”
Derzeit sind drei von vier der untersuchten Fischbestände in Europa überfischt. Die Fischfangflotte ist zwei bis drei Mal größer, als für eine nachhaltige Fischerei verträglich wäre. Kein Wunder, dass zwischen 1998 und 2008 die in den europäischen Häfen angelandeten Fänge um 30 Prozent zurückgegangen sind. Die Verschwendung von Fisch ist im derzeitigen System vorprogrammiert: Die Politik vereinbart Höchstfangmengen, kontrolliert aber nicht auf See, was dem Meer entnommen wird, sondern erst das, was die Fischer im Hafen als Fang anlanden. Bis zu 60 Prozent der Fänge werden jedoch unregistriert wie “Müll” ins Meer zurückgeworfen. Der WWF fordert daher wissenschaftsbasierte Fangquoten und deren Kontrolle bereits an Bord durch Kameras oder Beobachter. Auch selektivere Fangtechniken und ein Aussetzen der Fischerei in bestimmten Gebieten etwa zu Laichzeiten müssen nach Einschätzung der Umweltstiftung in der anstehenden Reform festgeschrieben werden.
Die Zukunft der Fischerei in Europa sieht düster aus, wenn die Fischbestände schwinden, die wirtschaftliche Lage prekär bleibt und die hohe Abhängigkeit von Subventionszahlungen nicht beendet werden kann. Zwischen 1998 und 2007 ging ein Drittel der Arbeitsplätze in Europas Fangsektor verloren – damals haben die Fischereiminister die wissenschaftlichen Empfehlungen gründlich missachtet und viel höhere Fangmengen erlaubt als die Fischbestände ertrugen. Im Schnitt der letzten fünf Jahre lagen die politisch festgesetzten Quoten noch um 45 Prozent über den Empfehlungen der Wissenschaftler. “Wer systematisch Ressourcen verschwendet, ruiniert die Geschäftsgrundlage – und hat dazu noch die Umweltfolgen geplünderter Meere zu verantworten”, warnt Scattolin.
Laut WWF-Report halten versteckte Subventionen im System das Problem der Flottenüberkapazität und damit die Überfischung am Leben. Seit 2004 werden zwar keine öffentlichen Gelder mehr für den Neubau von Fangschiffen eingesetzt. Dennoch gibt es Subventionen für die Verbesserung der Energieeffizienz und anderer Modernisierungen an Bord. So schrumpfte die EU-Flotte zwischen 2007 und 2009 um sieben Prozent, die technologische Aufrüstung konnte damit aber gerade ausgeglichen werden. Energieeffizientere Schiffe bedeuten quasi eine Erhöhung der Fangkapazität, denn sie können weiter und länger fahren und damit mehr fischen. “Flottenabbau und Subventionsstopp gab es nur auf dem Papier”, sagt Scattolin vom WWF. “Der Druck auf die Fischbestände wird durch die Leistungssteigerung der Schiffe und die Treibstoffsubventionen unverändert aufrechterhalten. Es ist die Fortführung des Kollapsprogramms mit bürokratischen Mitteln.”
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder Email: franko.petri@wwf.at. WWF-Report zum Download auf www.wwf.at/presse.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zu CloudHQ: Großrechenzentren brauchen verpflichtenden Umweltcheck
Umweltschutzorganisation begrüßt UVP für 6,7-Hektar-Projekt in Leopoldsdorf – WWF fordert einheitliche Bundesregeln statt Fleckerlteppich
Neuer Seeadler-Rekord in Österreich: WWF-Zählung erfasst so viele Paare wie noch nie
Konsequenter Schutz zeigt Wirkung: 123 territoriale Seeadler-Paare in Österreich – Hotspot im Waldviertel – Illegale Verfolgung bleibt große Bedrohung
WWF zu Klimaneutralität 2040: Fossile Abhängigkeit ist die wahre Standort-Hypothek
Umweltschutzorganisation weist IV- und WKO-Kritik zurück – Verbindliches Klimaziel schafft Planungssicherheit, senkt Energieabhängigkeit und stärkt Innovation – WWF fordert wirksame Maßnahmen für die Umsetzung
WWF zu Wolfsabschuss im Pitztal: Verdacht auf Straftat rasch aufklären
Mutmaßlicher Fall von Wildtierkriminalität – Naturschutzorganisation fordert konsequente Ermittlungen
WWF warnt vor Artenverlust in der Unteren Lobau
Aktueller WWF-Artencheck: Langjähriger Wassermangel bedroht Bitterling, Donau-Kammmolch, Sumpfschildkröte und Flussmuscheln – Anhaltende Dürre verschärft die Lage und bedroht lokale Vorkommen
WWF-Ausblick: Österreichs Flüsse gehen stark geschwächt in den Herbst
Im August rund 90 Prozent der Pegelmessstellen mit sehr niedriger Wasserführung – Niederösterreich, Burgenland und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert Schutzprogramm und Renaturierung
Ende der Begutachtung – WWF fordert Rücknahme der Vorarlberger Biber-Verordnung
Naturschutzorganisation legt Stellungnahme vor – Entwurf sieht jährliche Tötungskontingente von bis zu 32 Tieren vor – WWF fordert Vorrang für Prävention
Biokunststoffe auf dem Prüfstand: Neue Studie untersucht tatsächliche Abbaubarkeit in der Natur
Neue Forschungsinitiative testet Zersetzbarkeit von Biokunststoffen in über 20 natürlichen Lebensräumen – Kooperation des WWF Österreich und der Technischen Universität Bratislava













