Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
Kein Erbarmen in Österreichs erstem Fischsupermarkt
Wien, 8. Februar 2008 – Genau drei Monate nach seiner Eröffnung gibt Österreichs erster Fischsupermarkt in der Sagedergasse in Wien-Meidling erneut Anlass zur Sorge: Im Sortiment des „Eurofisch-Gourmet“-Marktes befinden sich noch immer vom Aussterben bedrohte Fischarten wie Haie, Schwertfische und Rochen.
Der WWF rief gemeinsam mit Sharkproject bereits vor Monaten die Betreiber auf, ihr Sortiment zu überdenken. Leider musste bei einem Lokalaugenschein festgestellt werden, dass nach wie vor bedrohte Arten wie Dornhai und Rochen im Eurofisch-Markt angeboten werden. WWF und Sharkproject appellieren erneut an alle KonsumentInnen, den Verkauf gefährdeter Tiere nicht zu unterstützen. Weiters läuft bereits eine Unterschriftenaktion gegen gefährdete Fischarten im Eurofisch-Markt.
Der Eurofisch-Markt bietet auf einer Fläche von 1400m² das größte Fisch- und Meeresfrüchte-Sortiment in unserem Land: Die Tiere werden auf der mit 25 Metern längsten Crush-Eis Theke und im längsten Lebendbecken Europas präsentiert.
Der Betreiber des Fischsupermarktes, der langjährige Fischgroßhändler Lasar Chassidov, gab bereits bei der Eröffnung gegenüber den Medien an, er wolle täglich 15.000 Euro umsetzen. Weiters beteuerte er damals, er werde bedrohte Arten auf lange Sicht auslisten und mache außerdem jeden Käufer darauf aufmerksam, dass diese Tiere gefährdet seien. „Umso bedenklicher, dass im Eurofisch-Supermarkt Monate später trotz unserer Hinweise und Warnungen weiterhin bedrohte Fischarten angeboten werden, die verantwortungsvolle KonsumentInnen keinesfalls kaufen sollten: Hai-, Rochen- und Tunfisch-Arten stehen auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutz-Behörde IUCN“, so Georg Scattolin, WWF-Fischereiexperte.
Die Organisation Sharkproject nimmt sich speziell der Haiproblematik an. „In den Weltmeeren bahnt sich eine Umweltkatastrophe von gigantischem Ausmaß an, und kaum einer nimmt Notiz davon: Die Haie sterben aus“, so Helmut Wipplinger von Sharkproject. „Haie waren schon vor den Dinosauriern da, doch der kommerziellen Befischung in diesem dramatischen Ausmaß sind sie einfach nicht gewachsen.
Das Verschwinden der Haie würde die marinen Nahrungsketten durcheinander bringen und zu extremen Veränderungen der Ozeane führen. Daher haben sich fast alle namhaften Unternehmen im österreichischen Lebensmittelhandel in den letzten Jahren dazu entschlossen, generell auf Haiprodukte zu verzichten. Nicht so jedoch Eurofisch: Hier werden unter anderem „Schillerlocken“ verkauft, die aus dem Bauchlappen des völlig überfischten Dornhais hergestellt werden. Deshalb müssen wir aktiv werden und rufen zu einer Unterschriftaktion gegen den Verkauf von Haiprodukten auf“, so Wipplinger empört. Die Ironie dabei: Ein Hai ziert sogar das Logo des Eurofisch-Marktes. Sharkproject hat seit November bereits über 1500 Unterschriften gesammelt, mit denen besorgte ÖsterreicherInnen das Unternehmen Eurofisch bitten, auf den Verkauf von Haiprodukten zu verzichten.“
Fast 80 Prozent der weltweiten Fischbestände sind bereits überfischt oder bis an ihre Grenzen ausgebeutet. Zu den am stärksten bedrohten Arten zählen beispielsweise Haie, Kabeljau, und Roter Tunfisch. "Wenn die Menschheit so weiter macht, werden die globalen Fischbestände bald komplett zusammenbrechen", so WWF-Fischereiexperte Georg Scattolin.
KonsumentInnen können einen großen Beitrag zu nachhaltigem Fischkonsum leisten, indem sie sich für heimischen Biofisch entscheiden oder beim Einkauf von Meeresfisch auf das blaue MSC-Siegel achten.
Dieses Siegel des "Marine Stewardship Council" (MSC) garantiert, dass der Fisch aus nachhaltiger Fischerei stammt und diese Fischbestände nicht gefährdet sind. Um beim Einkauf sicher gehen zu können, hat der WWF einen handlichen „Fischführer“ entwickelt. Der WWF-Fischführer gibt mittels Ampelfarben Aufschluss darüber, welche Fische bedenkenlos gekauft werden können: zu bestellen bei WWF Österreich oder zum Download unter www.wwf.at in der Konsumententipps-Rubrik „Lebensmittel und Ökosiegel“.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zur Inflation: Fossile Energien sind zentraler Preistreiber
Ein Drittel der Teuerung geht auf höhere Treibstoff- und Heizölpreise zurück – WWF fordert mehr Energieeffizienz, Abbau umweltschädlicher Subventionen und naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien – Spritpreisbremse nahezu wirkungslos
WWF zu EABG-Verhandlungen: Regierung muss ihren Entwurf grundlegend verbessern
Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit
WWF: Mehr als 1.300 geschützte Tiere seit 2020 in Österreich getötet
Abschüsse von Bibern, Fischottern, Wölfen und Greifvögeln nehmen deutlich zu – WWF warnt vor „Normalisierung“ der Tötung geschützter Arten – Neue Kampagne gestartet
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität
Grasende Rinder sichern Lebensraum für seltene Arten – Vorzeigemodell: WWF fordert Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich
WWF: Wasserkrise erfordert Schutz der Natur statt rein technischer Reparaturmaßnahmen
Naturschutzorganisation unterstützt ÖVGW-Forderung nach Register für Wasserentnahmen, warnt aber vor zu starkem Fokus auf technische Lösungen – Renaturierung, Bodenschutz und Wassersparen zentral für Versorgungssicherheit
WWF: Landesrechnungshof zeigt massiven Nachholbedarf bei Renaturierung
Naturschutzorganisation fordert mehr Budget, Personal und Tempo bei der Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung – Alle Länder sowie Bundesregierung massiv in der Pflicht
Trockenheit in Österreich: BOKU-Studie zeigt Wirkung natürlicher Schutzmaßnahmen
March-Einzugsgebiet im Weinviertel untersucht: Naturbasierte Lösungen sorgen für mehr Bodenwasser, senken Dürre-Risiken und sichern Erträge der Landwirtschaft – WWF fordert „grünes Sicherheitsnetz“ für Österreich
Dürre spitzt Lage zu: WWF warnt vor Austrocknung der Unteren Lobau
Anhaltende Trockenheit verschärft Wassermangel im Nationalpark und gefährdet Biodiversität – WWF fordert Stadt Wien zum Handeln auf













