Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
Neues WWF-Projekt zu Wolf, Bär und Luchs: Aufklären statt Ängste und Vorurteile schüren
- Start für europaweites LIFE-Projekt von WWF und Partnern: Gemeinsam für ein besseres Miteinander von Menschen und Beutegreifern
- Auftakt-Konferenz mit internationalen Wildtierexperten ab 16. September in Goslar/Deutschland
- Österreich muss Erfahrungen und Best-Practice-Modelle anderer Länder nützen
Wien, am 13. September 2018 – Wenn Lebensräume und Interessen von Menschen und Wildtieren aufeinandertreffen – wie bei der Rückkehr von Wolf, Bär & Co. – sind Konflikte oft vorprogrammiert. Allerdings wird die Gefährlichkeit des Wolfes von manchen Interessensvertretern bewusst übertrieben und soll offenbar von eigenen Versäumnissen ablenken. Denn hauptsächlich geht es darum, Schäden für die Nutztierhalter zu minimieren. Das ist nicht immer einfach, denn Herdenschutzmaßnahmen sind mit teils hohen Investitionen und Mehrarbeit verbunden. Gemeinsam Lösungen im Einklang mit Naturschutz und geltendem Recht zu finden, steht daher im Mittelpunkt einer hochkarätigen Expertentagung von 16. bis 19. September, die der WWF mit deutschen Partnerorganisationen im niedersächsischen Goslar veranstaltet. Diese Konferenz bildet zugleich den Auftakt für das 16 Länder umfassende Projekt „LIFE EuroLargeCarnivores“ zur Verbesserung des Zusammenlebens mit den großen Beutegreifern und unter Leitung des WWF.
Ein Teil der europäischen Bevölkerung zweifelt daran, dass die großen Beutegreifer in unserer Kulturlandschaft noch Platz haben. „Viele Menschen geraten durch teils bewusst geschürte Panikmache in eine Doppelfalle aus Angst und Vorurteil und werden damit oft von der Politik alleine gelassen. Wir wollen Wissen und Expertisen, etwa zu fachgerechtem Herdenschutz, zusammentragen und europaweit nutzbar machen, um das Zusammenleben von Mensch und Tier zu verbessern“, sagt die Wildtierexpertin Silvia Nietlispach als Projektverantwortliche für den WWF Österreich. Der Grundstein für das bis 2022 laufende europäische Projekt ist bereits gelegt: Für Information, Diskurs und Erfahrungsaustausch steht allen Interessierten in Kürze ein digitales Portal in 26 Sprachen unter www.eurolargecarnivores.eu zur Verfügung.
In Österreich wird die Debatte um die großen Beutegreifer vor allem beim Wolf äußerst emotional geführt. Dort, wo in den letzten Jahren Wölfe aufgetaucht sind, wurden rasch Rufe nach wolfsfreien Zonen, Vergrämung oder gar Abschüssen laut. Dabei ist Österreich das letzte Alpenland, das vom Wolf auf natürliche Weise wiederbesiedelt wird und kann somit von den Erfahrungen der Nachbarländer profitieren. WWF-Expertin Nietlispach fordert daher die österreichische Politik dazu auf, die Erfahrungen und Best-Practice-Modelle anderer Länder besser zu nützen: „Wir wissen bereits viel über das Verhalten der Tiere und ihre Wanderbewegungen. Wir müssen beim hochwirksamen Herdenschutz das Rad nicht neu erfinden und wir können Fehler vermeiden, die die anderen gemacht haben. Schafe über Abschüsse zu schützen, das ist nicht nur gesetzeswidrig, sondern es funktioniert schlichtweg in der Praxis nicht!“
Gerade beim Thema Wolf ist eine korrekte und sachliche Darstellung wichtiger denn je. Oberflächliche Information mit missinterpretierten Zahlen und oft reißerischer Aufmachung führt zur Verunsicherung in der Bevölkerung. Die wenigen Unfälle betrafen meist Tiere, die an Tollwut erkrankt waren – eine Krankheit, die in Österreich seit etlichen Jahren ausgerottet ist – oder waren von Menschen selbst verschuldet, wenn sie beispielsweise Wolfswelpen gefüttert hatten. Fakt ist: Trotz wachsender Wolfspopulationen hat sich in Deutschland und der Schweiz in den letzten 20 Jahren kein einziger Unfall mit Menschen ereignet. „Weil Wölfe menschliche Strukturen wie Gebäude nicht als unmittelbare Gefahr wahrnehmen, ist es auch nicht erstaunlich, dass ein Wolf beim Anblick eines Autos nicht flüchtet oder gelegentlich in der Nähe von menschlichen Siedlungen auftauchen kann. Den Menschen selbst versucht der Wolf so gut er kann zu meiden“, erklärt Nietlispach. Wichtig sei, die lokale Bevölkerung über Biologie und Ökologie von Wölfen sachlich zu informieren. Dadurch wird das Wissen um den Wolf, das in vielen europäischen Ländern im Gegensatz zu Österreich nicht verloren gegangen ist, erneuert und ein angstfreies Miteinander gefördert.
Wie naturschutzkonforme Lösungen im Einklang aller Interessen aussehen könnten, darüber wird auf der „Pathways“-Konferenz vom 16. bis 19. September in Goslar, Niedersachsen, beraten. Wissenschaftler, Förster, Schafbauern, Jäger, Naturschützer, Behördenvertreter, Politiker und Interessierte aus ganz Europa kommen dort zusammen, um sich über bestehende und künftige Herausforderungen auszutauschen.
Für den WWF Österreich sind Silvia Nietlispach und Christian Pichler auf der Konferenz vor Ort und stehen für Interviews gerne zur Verfügung.
LIFE EuroLargeCarnivores
Im Rahmen des LIFE-Projektes EuroLargeCarnivores haben sich 16 WWF-Landesbüros sowie vier Partnerorganisationen zum Ziel gesetzt, die Koexistenz mit großen Beutegreifern in Europa durch Kommunikation, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu verbessern.
Weitere Informationen: www.eurolargecarnivores.eu, www.wwf.at/wolf
Rückfragehinweis/ Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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