Ein Etappensieg für Meerestiere und Großkatzen: Bei der CITES-Konferenz wurde beschlossen, dass viele Arten endlich besser geschützt werden. Doch es gab auch Enttäuschungen, etwa beim Schutz von Aalen und Singvögeln.
Orang-Utan als Haustier gefällig?
Wien, am 17. April 2009 – Während jüngst ein Forscherteam auf der Insel Borneo den sensationellen Fund einer bislang unbekannten Orang-Utan-Population vermelden konnte, sieht es für den roten Menschenaffen auf Sumatra weiterhin düster aus. Gemäß eines aktuellen WWF-Reports hat Indonesien zwar strenge Gesetze gegen den illegalen Handel der Menschenaffen und verbietet auch die private Haltung der Tiere, doch die Besitzer werden nicht zur Rechenschaft gezogen. "Angebliche Affenliebhaber geben illegal gekaufte und gehaltene Orang-Utans, die ihnen als Haustiere zu groß geworden sind, in Auffangstationen ab, ohne dafür belangt zu werden“, beklagt Jutta Jahrl, WWF-Artenschutzexpertin. „Beschlagnahmen ohne Strafverfolgung sind sinnlos!"
In bestimmten gesellschaftlichen Kreisen gilt es nach wie vor als Statussymbol, einen Affen als Haustier zu besitzen. Neben Orang-Utans landen oft auch Gibbons in den Haushalten wohlhabender Indonesier. Außerdem werden Menschenaffen immer wieder als Schauobjekte in Hotels und Vergnügungsetablissements gehalten. „Um an ein Affenbaby zu gelangen, schrecken die Wilderer vor gar nichts zurück: Die Mütter werden grausam getötet und einfach im Wald zurückgelassen“, erklärt Jahrl.
In den vergangenen dreißig Jahren wurden in Indonesien rund 2.000 Orang-Utans konfisziert oder in speziell eingerichteten Auffangstationen abgegeben. Besorgniserregend ist der enorme Anstieg an abgegebenen Tieren in den vergangenen Jahren. So wurden zwischen 2002 und 2008 in der neu eröffneten Sibolangit-Auffangstation über 140 Orang-Utans abgegeben, während es in der Vorgänger-Station, dem Bohorok-Zentrum, zwischen 1995 und 2001 nur 30 waren. Dieser Anstieg ist ein Indikator dafür, dass die illegale Haltung von Orang-Utans wieder zunehmend in Mode kommt.
Der WWF verlangt ein härteres Vorgehen der Behörden gegen Wilderei und die verbotene Haltung der geschützten Menschenaffen. Die Besitzer sollten zur Rechenschaft gezogen und Gesetze angewendet werden. "2007 hat die indonesische Regierung einen Aktionsplan zur Rettung des Orang-Utans verabschiedet. Geändert hat sich dadurch wenig", kritisiert Jahrl. "Für die Regierung in Jakarta scheint das Überleben des Orang-Utans von untergeordneter Bedeutung zu sein."
Gerade einmal 7.300 der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen sind auf der indonesischen Insel Sumatra noch zu finden. Neben der Wilderei macht den Orang-Utans der Verlust und die Zerschneidung ihrer Wälder für die Anlage von Plantagen und die Holzgewinnung zunehmend den Garaus.
Studie von WWF Orang Report zum Download:
WWF Orang Report 2009
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250
Jutta Jahrl, WWF-Artenschutzexpertin, Tel. 01/488 17 264
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