Wolfsabschüsse auf Rekordniveau, Tötungskontingente für über 1.000 Biber – WWF: Bund und Länder müssen Prävention und Artenschutz stärken
Scharfe Kritik von Hilfsorganisationen an Gesetzesentwurf zu Spendenabsetzbarkeit
Wien, 13. 1. 2009 – Mit scharfer Kritik reagieren österreichische Hilfsorganisationen auf einen Entwurf zur Absetzbarkeit von Spenden, der am 14. Jänner 2009 in die Begutachtung geschickt werden soll. Die von Finanzminister Pröll vorgeschlagene Regelung würde hohe Verwaltungskosten und damit zusätzliche Belastungen für Spenden werbende Organisationen bringen. Abgelehnt wird weiters die Idee, dass SpenderInnen in Zukunft ihre Sozialversicherungsnummer bekannt geben müssen, um ihre Spende absetzen zu können. Damit werde jede/r SpenderIn pauschal als Steuerbetrüger verdächtigt. Außerdem sei dies datenschutzrechtlich bedenklich, was zu einer weiteren Verunsicherung von SpenderInnen führen würde.
Die in der IÖGV (Interessensvertretung Österreichischer Gemeinnütziger Vereine) vertretenen Hilfsorganisationen fordern weiters die Aufnahme von Umwelt- und Tierschutzorganisationen und die Einführung einer Spendenbestätigung statt der Angabe der Sozialversicherungsnummer.
„Die Einführungskosten – Information der SpenderInnnen, Datenverwaltungskosten und zusätzliche Prüfungskosten – könnten im ersten Jahr insbesondere bei kleineren Organisationen die gesamten zusätzlichen Einnahmen übersteigen. Dazu kommt, dass viele SpenderInnen durch die erzwungene Bekanntgabe der Sozialversicherungsnummer abgeschreckt werden, ihre Spende abzusetzen oder sogar überhaupt zu spenden.“, kritisiert Wolfgang Martinek, Vorstand der IÖGV und stellvertretender Geschäftsführer von CARE Österreich.
Weiters würde im Gesetzesentwurf der Prävention und somit dem Vermeiden zukünftiger Probleme keinerlei Bedeutung zugemessen, und auch der Begriff der Mildtätigkeit sei nicht klar geregelt „Es ist unbegreiflich, warum Forschung und Behandlung, beispielsweise von Krebserkrankungen absetzbar sein sollen, deren Prävention in Form von Aufklärung über Krebsvorsorge jedoch nicht“, erläutert Hildegard Aichberger, Vorstand der IÖGV und Geschäftsführerin des WWF. „Genauso verhält es sich mit der Vorbeugung gegen Umweltprobleme, wie Aufklärungsarbeit zu überlebensnotwendigem Klimaschutz oder der Verhinderung von Atomkraftwerken, deren Folgen alle weiteren Generationen zu tragen haben“, so Aichberger weiter.
„Der Entwurf schließt weiterhin Umwelt- und Tierschutzorganisationen aus. Dies ist ein verfassungsrechtlich unhaltbarer Akt politischer Willkür und nicht, wie von Minister Pröll behauptet, ökonomische Notwendigkeit, da dieser Bereich in Summe nur 8 % des Gesamtspendenvolumens von rund 400 Millionen Euro ausmacht.“ so Helmut Dungler, Gründer und Präsident der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN. „In 25 von 27 Ländern innerhalb der EU sind Spenden auch für Umwelt-, Natur- und Tierschutzorganisationen steuerlich begünstigt. Die österreichische Steuerpolitik stellt damit im EU- Raum ein unrühmliches Schlusslicht dar. Damit zeigt sich auf beschämende Weise, dass die harte Arbeit von tausenden Organisationen, die im gemeinnützigen Bereich in Österreich tätig sind, von unseren Politikern als nicht wichtig genug eingeschätzt wird", so Dungler abschließend.
Die IÖGV vertritt die Interessen ihrer Mitglieder in allen Fragen rund um das Spendenwesen und die Gemeinnützigkeit in Österreich. Die IÖGV setzt sich insbesondere für Sicherheit und Transparenz am Spendenmarkt ein und hat maßgeblich das österreichische Spendengütesiegel mitentwickelt. 30 renommierte österreichische Spendenorganisationen sind Mitglied der IÖGV, ihr Spendenvolumen beträgt pro Jahr insgesamt über 100 Millionen Euro – das ist knapp ein Viertel des österreichischen Spendenvolumens. Etwa 20 Prozent davon entfallen auf Umwelt- und Tierschutzorganisationen (www.iogv.at).
Weitere Informationen:
Elke Mühlbachler, Pressesprecherin WWF, Tel. 01-48817-210, E-Mail: elke.muehlbachler@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zu Wolfsabschuss in Arzl: DNA-Befund weist Goldschakal nach
Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
Good News: Kakapos kehren nach Neuseeland zurück
Die vom Aussterben bedrohte Vogelart erholt sich: 2026 ist der Bestand in Neuseeland so hoch, wie seit bereits 75 Jahren nicht mehr.
WWF: Tiwag will Gefahrenanalysen weiter geheim halten
Energiekonzern bekämpft gerichtlich angeordnete Herausgabe vor Verfassungsgerichtshof – WWF kritisiert Geheimhaltung sicherheitsrelevanter Informationen – Unterlagen auch für Kaunertal-Ausbau relevant
WWF kritisiert zynische Werbung mit Tierleid: Versicherungsanbieter muss Kampagne stoppen
„Reh umgefahren – halb so wild“: Versicherung verharmlost Wildunfälle – WWF fordert Rücknahme des Sujets und verantwortungsvolle Werbung
WWF: Österreich verschwendet täglich rund 140 Lkw-Ladungen Lebensmittel
Mehr als 3.000 Tonnen pro Tag – WWF fordert zum Internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung verbindliche Reduktionsziele und erleichterte Lebensmittelspenden
WWF warnt vor Ausweitung von Kärntens rechtswidriger Abschusspolitik
Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
WWF: Renaturierungsprojekte auf über 67 Kilometern im „Amazonas Europas“
WWF-Bilanz zu fünf Jahren UNESCO-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau: Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von über 67 Kilometern Flussabschnitten und Seitenarmen teils abgeschlossen oder in Umsetzung – Pläne für weitere 270 Flusskilometer liegen vor
Good News: Nachwuchs in Inas ausgewilderter Bison-Herde
Vor 8 Monaten wurden die Tiroler Bison-Kuh Ina und ihre Herde nach Aserbaidschan umgesiedelt. Und das Projekt zeigt Erfolge: Die Herde hat sich gut eingelebt und es wurde sogar bereits das erste Kalb geboren.












