Im August rund 90 Prozent der Pegelmessstellen mit sehr niedriger Wasserführung – Niederösterreich, Burgenland und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert Schutzprogramm und Renaturierung
WWF: Europas Gewässer fallen im Öko-Check durch – Schlechte Noten für Österreich
Wien, Brüssel. Der Großteil von Europas Gewässern ist dringend sanierungsbedürftig, der ökologische Zustand in vielen Fällen katastrophal. Das zeigt der heute, Dienstag, veröffentlichte Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) über den Zustand der europäischen Gewässer und die Sanierungsfortschritte der EU-Mitgliedsstaaten. Auch Österreich schneidet im Umweltzeugnis schlecht ab. „Der Bericht muss ein Weckruf für die Bundesregierung sein. Wir müssen unsere Gewässer stärker schützen und schneller sanieren. Nur 15 Prozent sind noch ökologisch intakt“, warnt WWF-Expertin Bettina Urbanek. Daher fordert der WWF mehr Budget für Gewässerschutz und Renaturierungen von bereits zu stark verbauten Gewässern. Zugleich müssen die letzten intakten Gewässer vor weiteren Eingriffen bewahrt werden. „Funktionierende Ökosysteme und Flussauen sichern die Wasserversorgung, verbessern den Hochwasserschutz und erhalten einzigartige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Das wird auch aufgrund des Klimawandels immer wichtiger“, sagt Urbanek.
Laut dem neuen EEA-Bericht sind fast zwei Drittel der europäischen Flüsse, Seen und Grundwasserkörper in einem schlechten Zustand, nur 40 Prozent der Gewässer erreichen das EU-Mindestziel „guter ökologischer Zustand“. Die Umweltagentur hat dafür Daten zum ökologischen und chemischen Zustand von über 130.000 Wasserkörpern, von Flüssen, Seen, Grundwasserkörpern und Küstengebieten analysiert. Der Bericht deckt auch die Ursachen auf: 40 Prozent der Gewässer sind aufgrund von Verbauungen beeinträchtigt, 38 Prozent leiden unter indirekter Verschmutzungen durch Einträge aus der Landwirtschaft und der Atmosphäre, 7 Prozent sind aufgrund von Wasserentnahmen übernutzt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Zustand nur graduell verbessert, weit weniger als für das Erreichen der EU-Ziele notwendig wäre.
Schlechte Noten für Österreich – Zu viele Kraftwerke
Österreichs Gewässer sind zwar sauberer als im europäischen Durchschnitt, dennoch sind 60 Prozent der Fließgewässer in keinem guten ökologischen Zustand. „Einer der Hauptgründe ist die starke Verbauung wie zum Beispiel durch Wasserkraftwerke und weitere Regulierungen. Mehr als 5.200 Kraftwerke unterbrechen die Gewässer und verwandeln viele Fließgewässer in ökologisch tote Stauseen“, nennt WWF-Vertreterin Urbanek ein Beispiel. Dazu kommt, dass das Bundesbudget für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen zuletzt ausgetrocknet wurde. Die im ursprünglichen Umweltförderungsgesetz geplanten 150 Millionen Euro für Gewässerschutz wurden wieder gestrichen. „Ohne Trendwende wird Österreich die EU-Vorgaben deutlich verfehlen“, sagt Urbanek.
Angesichts der katastrophalen Ergebnisse warnt der WWF davor, die europäische Wasserrahmen-Richtlinie im Zuge des Fitness-Checks der EU-Kommission aufzuweichen. Diese Richtlinie schreibt vor, dass alle Gewässer bis spätestens 2027 einen guten ökologischen Zustand erreichen müssen. „Österreich muss sich auf allen Ebenen für diese Richtlinie einsetzen und Aufweichungen verhindern. Die Bundesregierung sollte ihre Ratspräsidentschaft nützen, um dafür eine Allianz zu schmieden“, fordert Urbanek. „Gerade Österreich darf nicht tatenlos zusehen, wie unsere Flüssen, Seen und Auen nicht den Schutz bekommen, den sie dringend benötigen. Es braucht mehr Geld, mehr Personal und vor allem politischen Willen, um unser Wasser zu schützen.“
Der heute veröffentlichte Report der EU-Umweltagentur „European waters – assessment of status and pressures 2018“. ist auch online abrufbar: https://www.eea.europa.eu/highlights/european-waters-getting-cleaner-but/
Rückfragehinweis:
Bettina Urbanek, Flussexpertin WWF Österreich, Tel.: 01/48817-275, E-Mail: bettina.urbanek@wwf.at
Vincent Sufiyan, WWF-Pressesprecher, Tel.: 0676 83488 308, E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
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