Naturschutzorganisation analysiert Bodenpolitik der Bundesländer – Salzburg an der Spitze, aber nur „lückenhaft“ – Kärnten und Oberösterreich Schlusslichter – Mehr als die Hälfte der 99 Teilbewertungen im neuen WWF-Bodenreport kritisch oder ungenügend
WWF Report: Mehr Fisch für weniger Menschen?
Wien, 11.01.2017 – Können sich im Jahr 2050 Millionen von Menschen im globalen Süden ihr Grundnahrungsmittel und wichtigste Proteinquelle Fisch nicht mehr leisten? Zu diesem Schluss kommt die neue, vom WWF in Auftrag gegebene Studie "Überfischt und unterversorgt – Wieviel Fisch wir in der Zukunft fangen und wer ihn essen wird".
Wissenschaftler der Universität Kiel gingen der Frage nach, wieviel Fisch den Meeren 2050 auf nachhaltige Weise entnommen werden kann. Die Ergebnisse lassen befürchten, dass von den Entwicklungen vor allem in Armut lebende Menschen betroffen sein werden. "Obwohl Menschen in Entwicklungsländern in hohem Maß von Meeresfisch abhängen, droht, dass er für sie nicht mehr leistbar ist. Der Fisch wird eher exportiert, als am eigenen Teller landen", so Simone Niedermüller, Fischereiexpertin des WWF.
"Die gute Nachricht: bringt die Staatengemeinschaft große Verbesserungen im Fischereimanagement und in der Erhaltung der Meere auf den Weg, könnten die Ozeane in den nächsten Jahrzehnten ausreichend Fisch für die Welt bereithalten", so Niedermüller, und weiter: "Die schlechte Nachricht ist, dass Fisch wahrscheinlich nicht jenen Menschen zur Verfügung stehen wird, deren Lebensgrundlage am stärksten davon abhängt."
Der WWF unterstreicht, dass unser Fischkonsum im globalen Norden in Zukunft noch mehr Einfluss auf die Lebensbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern haben wird. Für die Fisch-Versorgung des Weltmarkts spielen Entwicklungsländer bereits heute eine große Rolle. Rund 61 Prozent des weltweiten Fischexports stammen aus Ländern des globalen Südens. Deren Abhängigkeit von Meeresfisch als Nahrungs- und Proteinquelle ist jedoch ungleich höher als beispielsweise in Europa.
Plus von 37 Millionen Tonnen Fisch nur durch besseres Management möglich
Werden das weltweite Fischerei-Management deutlich verbessert, die Auswirkungen auf die Meeresumwelt verringert und der Schutz mariner Biodiversität und Lebensräume sichergestellt, ist eine Steigerung der heutigen globalen Fangmenge von jährlich 100 auf 137 Millionen Tonnen theoretisch möglich. "Voraussetzung für eine umweltverträgliche Erhöhung der Fangmenge ist ein bedeutend effektiveres Fischerei-Management unter ganzheitlicher Betrachtung des Ökosystems Meer. Gesunde Fischbestände müssen zum Ziel erklärt und die verbesserten Regeln mit Nachdruck durchsetzt werden", fordert Niedermüller.
Mit der Weltbevölkerung wächst auch ihr Bedarf nach Fisch. "Weniger Fisch ist vor allem für jene 800 Millionen Menschen eine Katastrophe, deren Nahrungsgrundlage und wirtschaftliches Standbein davon abhängen", warnt Niedermüller. Die UN-Staatengemeinschaft hat sich bis 2030 zum Ziel gesetzt, den Hunger in der Welt zu beenden. Der WWF fordert die Politik dazu auf, die "Fisch-Frage" in den Aktionsplänen zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele zur Priorität zur erklären. Nur so ist eine faire und gerechte Fisch-Verteilung ist möglich.
An Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich appelliert der WWF, Fisch als Delikatesse, nicht als alltägliches Konsumgut zu betrachten und sich beim Kauf für nachhaltige Produkte nach Empfehlung des WWF Fischratgebers (wwf.at/fischratgeber) zu entscheiden.
Download Studien-Zusammenfassung: http://bit.ly/2igxJWh
Download Studien-Langfassung: http://bit.ly/2iLUEY7
Hintergrund-Information:
- Auch Aquakultur leistet einen Beitrag zur Fischversorgung. Jeder zweite weltweit verzehrte Fisch stammt derzeit aus Zuchtanlagen. Allerdings sind Zuchtfische zu 90 Prozent Süßwasserarten. Für die Ernährungssicherheit der Küstenbevölkerung in Entwicklungsländern spielt Fisch aus Zuchten kaum eine Rolle. Marine Aquakultur ist so teuer und aufwändig, dass sie v.a. für die Märkte der Industriestaaten betrieben wird. Und auch das enorme Wachstum des Aquakultursektors verursacht Umweltschäden, oftmals in Ländern mit schlechter oder fehlender Umweltgesetzgebung. Die zukünftige Rolle der globalen Fischzucht wird der WWF in einer separaten Untersuchung behandeln.
- Beitrag zur Ernährungssicherheit: Mit dem geringsten angenommenen Bevölkerungswachstum würde das weltweite Fischangebot 2050 mit 100-prozentig wirksamem Fischereimanagement rund 81 Prozent des globalen Fischbedarfs abdecken. Mit dem stärksten angenommenen Bevölkerungszuwachs wären es 75 Prozent.
- "Fischabhängigkeit" – Fisch ist nicht nur Nahrungsmittel und oft wichtigste Quelle tierischen Proteins, sein Fang und seine Verarbeitung schaffen Erwerbsmöglichkeiten und damit wirtschaftliche und soziale Stabilität in vielen Küstenregionen weltweit. Der neu ermittelte Fischabhängigkeitsindex weist z.B. Senegal als besonders fischabhängig aus. Generell zeigen westafrikanische Küstenländer und asiatische Inselstaaten die höchste Abhängigkeit von Fisch, die in Europa vergleichsweise niedrig ist.
- Der regionale Fischbedarf kann in Meeresregionen mit vielen Anrainerstaaten (z.B. Mittelmeer oder Ostsee) in 2050 kaum gedeckt werden. Auch vor einem Großteil der afrikanischen, südostasiatischen und australischen Küste wird die Produktivität des Meeres zu gering sein. Dagegen könnten die hochproduktiven Meeresökosysteme im Nordatlantik und im Ostpazifik den regionalen Bedarf besser bedienen.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák, Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
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