Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit
WWF warnt vor globaler Waldvernichtung bis 2030
WWF Presseaussendung
Wien, 28. April 2015 – Der Erde droht in den nächsten 15 Jahren ein erheblicher Waldverlust: Bis zu 170 Millionen Hektar – die nahezu fünffache Fläche Deutschlands – werden laut WWF bis 2030 verloren gehen, wenn die aktuellen Entwicklungen nicht aufgehalten werden. In einer aktuellen Studie identifizieren die Umweltschützer elf „Entwaldungsfronten“, an denen weltweit mit den größten Verlusten zu rechnen ist. Die überwiegende Zahl dieser Brennpunkte liegt in den Tropen. Zu den wichtigsten zählen der Amazonas, die Mekong-Region sowie Borneo. „Wenn wir nicht handeln, werden die letzten großen intakten Waldgebiete einem gigantischen Raubbau zum Opfer fallen“, sagt Jörg-Andreas Krüger, Experte für Biodiversität beim WWF.
Die Gründe für die Entwaldung variieren laut WWF von Gebiet zu Gebiet. Der mit Abstand wichtigste Faktor sei global gesehen jedoch die industrielle Landwirtschaft. Insbesondere die Viehhaltung und der Anbau von Palmöl und Soja in riesigen Monokulturen verschlingen immer größere Flächen. Hinzu kommen die nicht-nachhaltige Abholzung für die Holz- und Papierproduktion, der Abbau von Bodenschätzen und Infrastrukturprojekte in zuvor unberührten Gegenden, die einer weiteren Zerstörung wiederrum Vorschub leisteten. „Auch wenn die großen Entwaldungsfronten weit entfernt liegen, sind wir ein wichtiger Teil des Problems“, erklärt Jörg-Andreas Krüger vom WWF. „Ob nun Holz, Papier, Palmöl oder Soja – die aus der Entwaldung gewonnenen Produkte landen zu einem großen Teil in Deutschland und Europa.“ Das trifft auch auf Bodenschätze zu.
Die Region mit der größten prognostizierten Vernichtung ist der Amazonas, wo der WWF einen Rückgang des Waldes von bis zu 48 Millionen Hektar veranschlagt. Damit würden fast 30 Prozent des größten Regenwaldgebiets der Erde im Jahr 2030 nicht mehr bewaldet sein. Noch stärker als andere Regionen sieht sich der Amazonas mit einer Vielzahl negativer Entwicklungen zeitgleich konfrontiert. Neben der Expansion von Agrarindustrie und Viehhaltung ist dies auch der Straßen- und Kraftwerksbau. Besonders kritisch schätzen die Umweltschützer die aktuelle politische Lage ein: „Brasilien ist gerade dabei sämtliche Erfolge beim Umweltschutz der letzten Jahrzehnte über Bord zu werfen“, sagt Roberto Maldonado, Südamerika-Referent beim WWF. Würden aktuelle Reformvorhaben verwirklicht, könnten staatliche und indigene Schutzgebiete bald einfach aufgelöst und erschlossen werden, wenn es kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen dient.

Zu den negativen Folgen der Waldzerstörung zählt der WWF das Anheizen des Klimawandels und den Verlust an Artenvielfalt. Allein in den Tropen seien 291 Gigatonnen klimawirksamer Treibhausgase gebunden, das entspricht rund 290 Mal der jährlichen Emissionen Deutschlands. Daneben beherbergen die Wälder auf der Südhalbkugel einen Großteil der weltweiten Artenvielfalt. So findet man auf einem Hektar Fläche im Amazonas in etwa dieselbe Anzahl unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten wie in ganz Deutschland. Voraussetzung für eine Trendumkehr ist nach Ansicht des WWF, die wichtigen Funktionen des Waldes für den Menschen zu erkennen: „Wälder versorgen uns mit sauberem Wasser, schützen uns vor Erosion und Fluten und stabilisieren unser Klima. Setzen wir das aufs Spiel, verlieren wir mehr als ein paar Prozente Wirtschaftswachstum“, so Jörg-Andreas Krüger.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 E-Mail: franko.petri@wwf.at;
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Mehr als 1.300 geschützte Tiere seit 2020 in Österreich getötet
Abschüsse von Bibern, Fischottern, Wölfen und Greifvögeln nehmen deutlich zu – WWF warnt vor „Normalisierung“ der Tötung geschützter Arten – Neue Kampagne gestartet
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität
Grasende Rinder sichern Lebensraum für seltene Arten – Vorzeigemodell: WWF fordert Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich
WWF: Wasserkrise erfordert Schutz der Natur statt rein technischer Reparaturmaßnahmen
Naturschutzorganisation unterstützt ÖVGW-Forderung nach Register für Wasserentnahmen, warnt aber vor zu starkem Fokus auf technische Lösungen – Renaturierung, Bodenschutz und Wassersparen zentral für Versorgungssicherheit
WWF: Landesrechnungshof zeigt massiven Nachholbedarf bei Renaturierung
Naturschutzorganisation fordert mehr Budget, Personal und Tempo bei der Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung – Alle Länder sowie Bundesregierung massiv in der Pflicht
Trockenheit in Österreich: BOKU-Studie zeigt Wirkung natürlicher Schutzmaßnahmen
March-Einzugsgebiet im Weinviertel untersucht: Naturbasierte Lösungen sorgen für mehr Bodenwasser, senken Dürre-Risiken und sichern Erträge der Landwirtschaft – WWF fordert „grünes Sicherheitsnetz“ für Österreich
Dürre spitzt Lage zu: WWF warnt vor Austrocknung der Unteren Lobau
Anhaltende Trockenheit verschärft Wassermangel im Nationalpark und gefährdet Biodiversität – WWF fordert Stadt Wien zum Handeln auf
WWF warnt: Drei Viertel der Fluss-Pegel in Österreich mit Niedrigwasser
Extreme Trockenheit setzt Gewässer und Arten stark unter Druck – Besondere Betroffenheit in der Steiermark, Niederösterreich und Kärnten – WWF fordert Schutzpaket für Flüsse
Good News: Persischer Leopard überwindet Grenzzaun
Spektakuläre Aufnahmen zeigen wie ein Leopard den Grenzzaun zwischen Iran und Aserbaidschan überwindet. Das gibt Hoffnung für die bedrohte Art.












