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Gefährliche Goldfische
Goldfische sehen klein, süß und harmlos aus. Viele Menschen denken: „Wenn ich meinen Goldfisch in einen See oder Fluss setze, hat er dort ein schönes, freies Leben.“ Aber das stimmt leider nicht. Für die Natur ist das ein großes Problem.
Die Natur ist ein eingespieltes Team
Oft wissen Besitzer:innen von Aquarien oder Gartenteichen nichts mehr mit ihren Goldfischen oder Wasserschildkröten anzufangen. Manche setzen die Tiere dann einfach in einem Tümpel, Teich oder Fluss aus. Das mag auf den ersten Blick nett erscheinen, ist aber eine sehr schlechte Idee. Die Tiere selbst können zwar manchmal überleben, doch für die Natur ist das ein großes Problem.
In der freien Natur ist alles fein aufeinander abgestimmt. Tiere und Pflanzen, die dort leben, bilden ein eingespieltes Team. Sie „kennen“ einander und haben gelernt, miteinander zurechtzukommen. Frösche wissen beispielsweise, welche Feinde ihnen gefährlich werden können und wie sie sich vor ihnen schützen können . Bei Goldfischen ist das anders. Sie gehören hier nicht dazu. Sie sind so fremd wie „Aliens“. Die heimischen Tiere wissen nicht, wie sie mit ihnen umgehen sollen. Das bringt das natürliche Gleichgewicht durcheinander.
Ein Problem am Tiroler Inn
Ein besonders deutliches Beispiel dafür gibt es in den Auen des Tiroler Inns. Dort fressen ausgesetzte Goldfische den Laich von Erdkröten, Laubfröschen und Grasfröschen. Auch die Kaulquappen, also die Larven dieser Amphibien, stehen auf ihrem Speiseplan. Diese Tiere sind ohnehin schon selten. Werden ihre Eier und Jungtiere gefressen, können sie sich kaum noch vermehren und ihre Bestände gehen weiter zurück.
Gleichzeitig haben die Goldfische dort fast keine natürlichen Feinde. Dadurch vermehren sie sich sehr schnell. Je mehr Goldfische es gibt, desto mehr Nahrung benötigen sie. Das bedeutet, dass noch mehr Eier und Kaulquappen gefressen werden, was zu noch größeren Problemen für die heimischen Amphibien führt. So entsteht ein Kreislauf, der der Natur immer mehr schadet.
Der WWF macht auf diese Gefahr aufmerksam. Er stellt Schilder an Orten auf, an denen häufig Tiere ausgesetzt werden, und versucht, ausgesetzte Fische wieder einzufangen. Das ist jedoch schwierig und gelingt leider nicht immer. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen schon vorher wissen, warum das Aussetzen von Tieren keine gute Lösung ist.
Der WWF hilft mit „INNsieme“
Im Rahmen des Projekts „INNsieme“ arbeitet der WWF am Inn. Dabei setzen sich Österreich, Deutschland und die Schweiz gemeinsam für den Schutz dieses großen Alpenflusses ein. Denn in und an ihm leben viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Gesunde Flüsse und Auen sind äußerst wertvoll: Sie bieten Lebensraum, reinigen das Wasser und dienen vielen Lebewesen als wichtige Rückzugsorte.
Kinder und Schulklassen machen mit
Auch Kinder und Schulklassen sind bei INNsieme dabei. Es gibt Flusserlebnistage und Ausstellungen, bei denen auf spielerische Weise vermittelt wird, wie wichtig der Schutz unserer Gewässer ist. Im Alpenzoo Innsbruck wurde beispielsweise die Ausstellung „Aliens in der Au” gezeigt. Dort ging es darum, warum fremde Arten der Natur schaden können und welche Lösungen der WWF vorschlägt.
Auch kreative Aktionen gehören dazu. Beim Innsbruck Nature Festival bastelten Schüler:innen aus selbst gesammeltem Müll „Rocko, den Mülldrachen“. Im Sommer 2021 wurden Kinder außerdem eingeladen, Flüsse zu zeichnen. Dabei sind über hundert Bilder entstanden, die zeigen, wie wichtig und schön unsere Flüsse für junge Menschen sind.
All das zeigt: Die Natur ist kein Ort, um Haustiere „loszuwerden”. Goldfische und Wasserschildkröten gehören in verantwortungsvolle Hände und nicht in die freie Wildbahn. Wer sein Tier nicht mehr behalten kann, sollte Hilfe suchen, statt es auszusetzen. So schützen wir sowohl die Tiere als auch die vielen kleinen und großen Lebewesen, die unsere Flüsse und Auen zu ihrem Zuhause gemacht haben.
Hilf mit, die Natur zu schützen, und erzähle es weiter: Goldfische gehören nicht in unsere Seen und Flüsse!



