Instagram und Whatsapp im Wald

Was die Bäume sagen

Bäume kommunizieren miteinander. Sie unterstützen sich gegenseitig und haben sogar ein Gedächtnis! Und sie verwenden ein Netz das ähnlich funktioniert wie die sozialen Netzwerke, auf denen wir Menschen uns austauschen.

Dass Pflanzen über Duftstoffe kommunizieren, weiß man schon seit langer Zeit: Blüten locken Insekten mit wohlriechenden Düften und Farben an, um bestäubt zu werden.

Auch zur Abwehr senden Pflanzen Stoffe aus: Manche Bäume lassen gezielt übelriechende Substanzen an jenen Stellen an Rinde, Blatt oder Zweig austreten, an denen ein Tier knabbert, das dort nicht knabbern sollte. Zum Beispiel eine Giraffe an einer Akazie. Das Tier hört dadurch sofort auf, Akazienblätter zu fressen, die es nicht vertragen würde.

Noch nicht so lange bekannt ist, dass Bäume auch über ein Netzwerk im Boden miteinander kommunizieren – über Pilze, sogenannte Mykorrhiza.

Der Waldboden ist von einem riesigen, feingesponnenen Netzwerk aus Wurzeln und Pilzfäden durchzogen, welches die Bäume unterirdisch miteinander verbindet. Über dieses „Wood Wide Web“ werden nicht nur Wasser und andere Nährstoffe übertragen, sondern auch Informationen hin und her geschickt – von Baum zu Baum, aber auch direkt ans ganze Netzwerk.

Das steht in den Nachrichten der Bäume

Ähnlich häufig wie in unseren Textnachrichten, geht es auch im Wald um Gefühle und um die Gesundheit. Wird ein Baum zum Beispiel von einem Borkenkäfer angegriffen, versucht er nicht nur, sich selbst zu wehren, sondern er gibt die Botschaft auch an andere weiter: „Aufpassen, Nachbarn!“, könnte die Warnung lauten: „Produziert schnellstens Abwehrstoffe! Ich habe Borkenkäfer, die kommen bestimmt auch zu euch.“

Nicht nur Nachrichten, auch Substanzen werden ausgetauscht. Geht es einem Baum zum Beispiel gerade nicht so gut, ruft er über das „Wurzeltelefon“ um Hilfe. Die anderen Bäume schicken ihm dann über die Pilzfäden Wasser und Mineralstoffe zum Aufpäppeln.

Dieses soziale Netzwerk der Bäume verbindet auch die Generationen: Ältere, schwache Bäume werden oft von den Jungen über deren Pilze und Wurzeln am Leben erhalten. Umgekehrt, werden Jungbäume von den Mutterbäumen beschützt.

Warum der Pilz den Bäumen hilft

Keine Arbeit ohne Belohnung! Der „netzwerkende“ Pilz handelt nicht uneigennützig. Er ist selbst völlig auf die Bäume, oder besser gesagt auf deren Zucker, angewiesen.

Pflanzen haben einen einmaligen Stoff – das Chlorophyll. Das macht nicht nur die Blätter grün, sondern verwandelt mit Hilfe von Sonnenlicht Kohlendioxid und Regenwasser in Sauerstoff und Zucker.

 

Den Sauerstoff gibt die Pflanze wieder ab, den Zucker speichert sie. Dieser ist dem Pilz so wichtig, dass er sich auf den Deal einlässt.

Eine große und Tausende kleine Wurzeln

Wenn die Bäume miteinander sprechen können, haben sie dann auch ein Gehirn? Ein Gedächtnis haben sie jedenfalls! Es sitzt an den Wurzelspitzen: dort, wo alle Informationen zusammenlaufen.

Bäume haben nämlich nicht nur eine große Wurzel. Sie besitzen viele, viele kleine Wurzeln, die aus der großen herauswachsen, sich verzweigen, aufteilen und weiter verästeln.

So bilden sich Milliarden von haarfeinen Spitzen, die ständig in Bewegung sind. Die Wurzelspitzen schieben sich mit einer Geschwindigkeit von ungefähr einem Millimeter pro Stunde durch das Erdreich – immer in Richtung Salze und Wasser. Selbst kleinste Mengen davon werden gefunden.

Wie unser Gehirn über die Nervenbahnen, nehmen Bäume über ihre Wurzelspitzen kontinuierlich Informationen auf und handeln dann entsprechend. Sie speichern “Daten“ wie Temperatur, Feuchtigkeit und die Verfügbarkeit von Nährstoffen. So können sie sich auf Veränderungen einstellen und rechtzeitig reagieren, zum Beispiel, wenn starke Temperaturschwankungen drohen.

Karin Enzenhofer, Waldexpertin beim WWF Österreich, sagt:

„Dieses geniale soziale Netzwerk der Bäume funktioniert aber nur in Urwäldern und in sehr naturnahen Wäldern. In Plantagen oder Fichtenmonokulturen ist die Mykorrhiza beschädigt. Statt einer funktionierenden Kommunikation heißt es dort leider meist: Kurzschluss“

Willst du mehr erfahren? Karin empfiehlt dir das Buch „Ein Baum kommt selten allein“ das im Leykam-Verlag erschienen ist. Die Autorinnen Elisabeth Etz und Nini Spagl nehmen dich mit auf eine spannende Entdeckungsreise in den Wald!

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