© Catalina Castro

Kakao & Schokolade
Wie der Kakao-Anbau unserer Umwelt schadet

Ob Schokoeis im Sommer, die Ostereiersuche im Frühjahr oder der Schoko-Weihnachtsmann im Winter: Kakao und Schokolade gehört für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. In Österreich und dem restlichen deutschen Sprachraum hat er es sogar in den Sprachgebrauch geschafft, wenn jemand „durch den Kakao gezogen wird”. Doch Kakao hat einen bitteren Beigeschmack: Unser Appetit auf Schokolade fordert einen hohen Preis von Menschen, Tieren und ganzen Ökosystemen. Dabei ist umweltschonender Kakao-Anbau möglich!

Kakao-Anbau: Auswirkungen auf Regenwälder, Arten und Menschen

Wo unser Kakao herkommt, macht einen Unterschied: für bedrohte Arten, Regenwälder und die lokale Bevölkerung. Wenn nicht auf einen umweltschonenden Anbau geachtet wird, treibt er die Entwaldung in rasantem Tempo voran. Rund zwei Drittel der weltweiten Kakao-Ernte stammen aus Westafrika, vor allem von der Elfenbeinküste und aus Ghana. Dort werden vor allem für den Kakao-Anbau große Flächen Regenwald zerstört: In beiden Ländern sind bereits 94% bzw. 80% der ursprünglichen Wälder verschwunden.

Zusätzlich verschärft die Klimakrise die Situation. Dürren, Starkregen und Überschwemmungen zerstören Ernten, während sich neue Pflanzenkrankheiten ausbreiten. Steigende Temperaturen bringen das empfindliche Gleichgewicht der Kakaopflanze aus dem Takt. Die Folgen sind bereits spürbar: Kakao wird knapper und Schokolade teurer.

WWF unterstützt nachhaltigen Kakao-Anbau

Der WWF setzt sich in Projekten dafür ein, dass kein weiterer Wald für den Kakao-Anbau zerstört wird. Denn Schokolade zu genießen ist auch ohne Naturzerstörung möglich. Als Anwalt der Natur leisten wir bei Unternehmen und Politik Überzeugungsarbeit für transparente Lieferketten.

Wo wird Kakao angebaut?

Kakao wird hauptsächlich in den tropischen Regionen rund um den Äquator angebaut, vor allem in Westafrika, Südamerika und Südostasien.

Z

Zahlen & Fakten

  • In der Elfenbeinküste und Ghana ist der Kakaoanbau für mehr als 60% der landwirtschaftlichen Entwaldung verantwortlich.
  • In der Elfenbeinküste wurden bereits 94% der ursprünglichen Wälder zerstört – vor allem durch den Anbau von Kakao.
  • Österreich liegt im beim Schokoladenkonsum mit jährlich rund 8 Kg pro Kopf im europäischen Spitzenfeld.
  • Jede Frucht des Kakaobaums enthält bis zu 50 Samen – die Kakaobohnen. Nach der Ernte werden sie aus dem Fruchtfleisch gelöst, dann fermentiert und anschließend getrocknet.
  • Kakao wird hauptsächlich von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern angebaut. Weltweit sind es mehr als 5 Millionen.

Herausforderungen

Unser Kakaokonsum und seine Auswirkungen

Herausforderung 1: Naturzerstörung durch Kakao-Anbau

Kakao gehört weltweit zu den größten landwirtschaftlichen Entwaldungstreibern: Riesige Flächen an Regenwäldern werden für den Anbau gerodet. Dadurch verlieren Vögel, Fledermäuse, Insekten und Säugetiere wie der Jaguar ihren Lebensraum. Kakao wird zudem größtenteils in Monokultur angebaut. Dort müssen die Pflanzen um Nährstoffe konkurrieren und sind der prallen Sonne ausgesetzt, obwohl sie eigentlich Schatten benötigen. So werden sie geschwächt und sind anfälliger für Krankheiten. Der routinemäßige Einsatz von Pestiziden verringert die Anzahl der natürlichen Feinde von Schädlingen und verschlechtert zusätzlich die Boden- und Wasserqualität – ein Teufelskreis. Wenn in Folge die Erträge abnehmen, ziehen die Kleinbäuerinnen und -bauern weiter. Getrieben durch die ökonomische Situation erschließen sie durch Brandrodungen wieder neue Flächen. Sie haben oft keine Landrechte, weshalb es sich nicht lohnt, in einen nachhaltigeren Anbau zu investieren. So muss immer mehr tropischer Wald für den Kakao-Anbau weichen.

Feuer im Brasilia Nationalpark

Herausforderung 2: Klimakrise erschwert Anbau

Seit Jahren warnen Forscher:innen, dass die Produktion von Kakao in Zukunft einbrechen könnte, wenn die Anbaumethoden nicht grundlegend verändert werden. Die Klimakrise hat einen großen Einfluss auf den weltweiten Kakao-Anbau, denn der Temperaturanstieg bringt die empfindliche Kakaopflanze aus dem Gleichgewicht.

Dadurch wird der Anbau von Kakao immer aufwändiger und risikoreicher. Extremwetterereignisse wie länger anhaltende Dürreperioden, Starkregen oder Überflutungen führen zu geringeren Erträgen, einer schlechteren Qualität und sogar zu vollständig zerstörten Ernten. Außerdem treten neue Pflanzenkrankheiten auf. Somit werden für den Kakao-Anbau immer mehr Ressourcen und Waldflächen benötigt. Die Folgen spüren Verbraucher:innen bereits an der Supermarktkasse: Schokolade wird immer teurer.

Kakaobohnen

Herausforderung 3: Ausbeutung und intransparente Lieferketten

Die Lieferkette des beliebten Rohstoffes Kakao ist komplex, intransparent und von ungleichen Machtverhältnissen geprägt. Einige wenige große Unternehmen kontrollieren einen großen Teil des weltweiten Kakaohandels, was die Position der Bäuerinnen und Bauern schwächt. Von dem Preis, den wir pro Tafel Schokolade zahlen, erhalten diese nur wenige Cent. Oft sind sie darauf angewiesen, dass ihre Kinder auf den Plantagen mithelfen, was zu Kinderarbeit führen kann. Durch den Anbau in Monokultur ist Kakao meist die einzige Einkommensquelle. Sind die Preise besonders tief oder fällt die Ernte schlecht aus, verlieren die Bäuerinnen und Bauern ihre gesamte Lebensgrundlage. Auch die Tatsache, dass die Bohnen zur Weiterverarbeitung größtenteils exportiert werden, führt dazu, dass nur wenig Geld in den Ländern bleibt, in denen der Kakao angebaut wird.

Kakao Sack

Lösungen

So kann Kakao-Anbau zum Naturschutz beitragen

Lösung 1: Agroforstsysteme statt Monokulturen

Doch Kakao-Anbau kann auch naturverträglich funktionieren: Die Lösung liegt in sogenannten Agroforstsystemen. Dabei wächst der kleine Kakaobaum im Schatten von anderen Bäumen – denn so fühlt er sich am wohlsten. Das können etwa Bananenpflanzen, Nussbäume oder Fruchtbäume sein. Auf dem Boden darunter werden zusätzlich Obst, Gemüse oder Heilpflanzen angebaut. Die verschiedenen Pflanzen profitieren so voneinander und es werden weniger Pestizide benötigt. Das Ergebnis ist ein vielfältiges und widerstandsfähiges Ökosystem, in dem sich Arten wie der Jaguar wieder wohlfühlen können. Außerdem werden Ernten stabilisiert und die Lebensgrundlagen von Kleinbäuerinnen und -bauern gesichert, die neben Kakao auch die Ernten der anderen Pflanzen verkaufen können.

Ein Jaguar im Baum im Pantanal/Brasilien

Lösung 2: Stärkung von Kleinbäuerinnen und -bauern

Kakao wird hauptsächlich von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut. Diese müssen durch gesicherte Landrechte, langfristige Verträge und ein existenzsicherndes Einkommen gestärkt werden. Nur so können sie in nachhaltige Anbaumethoden investieren und Kakao-Anbau und Waldschutz in Einklang bringen. Für die Umstellung von Monokulturen auf entwaldungsfreie Agroforstsysteme sollten Kleinbäuerinnen und -bauern finanzielle Unterstützung und Schulungen zu agrarökologischen Praktiken erhalten. Auch traditionelles Wissen von indigenen Gemeinschaften kann einen wichtigen Beitrag für nachhaltigen Kakao-Anbau leisten. In Kolumbien zeigt sich bereits der Erfolg solcher Initiativen. In einigen Regionen hat sich der Kakao-Anbau in Agroforstsystemen bereits zu einer verbreiteten Alternative zum Koka-Anbau für die illegale Kokainproduktion entwickelt. Das verringert den Druck auf die Wälder und trägt dazu bei, dass gerodete Flächen wieder aufgeforstet werden. Bereits 40% des in Kolumbien angebauten Kakaos stammen aus alternativen Anbausystemen, die illegale Anbauflächen ersetzen.

Pflanzenaufzucht

Lösung 3: Nachhaltige Lieferketten und verantwortungsbewusster Konsum

Alle Unternehmen des Kakaosektors müssen sicherstellen, dass ihre Lieferketten nachhaltig sind. Das umfasst auch, dass diese frei von Entwaldung und Zerstörung natürlicher Ökosysteme sowie von Menschenrechtsverletzungen sind. Zudem müssen sie garantieren, dass Kakaobäuerinnen und -bauern auch bei schwankenden Börsenpreisen einen angemessenen Mindestpreis erhalten. Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) schreibt ab Ende 2026 vor, dass gewisse Produkte, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden, entwaldungsfrei sind und bis zur Anbaufläche zurückverfolgt werden können. Das ist auch ein Meilenstein für nachhaltige Kakao-Lieferketten und stärkt den Wandel hin zu mehr Transparenz und Verantwortlichkeit im gesamten Sektor. Als Konsument:in kann man auf den Kauf von Bio-Schokolade in Kombination mit Siegeln für fairen Handel wie Fairtrade achten. Es gibt auch Unternehmen, bei denen der Großteil der Wertschöpfung vor Ort stattfindet: Zum Beispiel Fairafric in Ghana oder Paccari in Ecuador.

Kakaofrucht und Kakaobohnen

Durch bewussten Schokoladen-Genuss können wir alle einen Beitrag zum Schutz der Regenwälder und für faire Arbeitsbedingungen leisten.

Dominik Heizmann

Experte für Nachhaltige Ernährung, WWF Österreich

Projekte

So setzt sich der WWF für nachhaltigen Kakao-Anbau ein

WWF zu Besuch im Projektgebiet in Kolumbien

WWF-Einsatz in Anbauländern

In unseren Projekten setzen wir uns als WWF dafür ein, dass für den Kakao-Anbau kein weiterer Wald zerstört wird. Zurzeit sind wir in den Anbauländern Ecuador, Kolumbien und Kamerun aktiv. Gemeinsam mit lokalen Kooperativen wollen wir vielfältige Agroforstsysteme fördern, die widerstandsfähig sind und den Bäuerinnen und Bauern vielfältige Einkommensmöglichkeiten bieten. Diese erhalten Schulungen und Unterstützung zu guten landwirtschaftlichen und ökologischen Praktiken, wie beispielsweise zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit, Kompostierung, ökologischer Schädlingsbekämpfung und nachhaltigen Bewässerungsmethoden. Wichtige Aspekte sind auch die Sicherung der Kakao-Qualität und der Marktzugang. Wir unterstützen die Bäuerinnen und Bauern daher bei der Verbesserung der Trocknungs- und Verarbeitungsmethoden sowie bei der Vermarktung ihrer Produkte.

Bewusstseinsbildung und Lobbying

Der WWF versteht sich als Anwalt der Natur. Deshalb arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, die daran interessiert sind, ihre Lieferketten nachhaltiger zu gestalten.

Zudem treiben wir die Bewusstseinsbildung voran, damit auch Konsument:innen eine informierte Entscheidung beim Kauf treffen können. 

Schokoladen-Scorecard

Welche Schokoladenhersteller sind vorbildlich und welche sollte man meiden? Wie nachhaltig ist unsere Lieblingsschokolade? Und unter welchen Bedingungen wurde sie produziert?

Die Schokoladen-Scorecard wird – unterstützt vom WWF – von der Organisation Be Slavery Free herausgegeben. Um Licht in das dunkle Geschäft mit der Schokolade zu bringen und Verbraucher:innen bei ihrer Kaufentscheidung zu unterstützen, bewertet die Schokoladen-Scorecard jährlich die größten Schokoladenhersteller unter Gesichtspunkten der Umweltfreundlichkeit und fairen Produktion.

FAQ & Tipps

Häufig gestellte Fragen und Tipps zum nachhaltigen Schokogenuss

Nachhaltigkeitssiegel – die Mischung machts

Siegel und Zertifizierungen können eine Orientierung bieten und einen Beitrag zur Verbesserung von Nachhaltigkeitsaspekten leisten, aber sie können die Einhaltung nicht immer garantieren. Sie sind daher nicht die einzige Lösung für die Probleme des Kakaosektors, sondern nur ein Baustein. Am besten auf den Kauf von Bio-Schokolade in Kombination mit Siegeln für fairen Handel achten.

Das Fairtrade-Siegel garantiert den Bäuer:innen einen Mindestpreis pro Tonne Kakao – also eine Art Absicherung in Zeiten niedriger Weltmarktpreise. Fairhandelsorganisationen wie zum Beispiel GEPA gehen darüber hinaus und zahlen teilweise deutlich höhere Preise als den Fairtrade-Mindestpreis. Rainforest Alliance hat geringere soziale Standards, dafür Kriterien zum Schutz der Wälder.

Wertschöpfung vor Ort fördern

Achten Sie beim Kauf von Schokolade auf Initiativen, bei denen der Großteil der Wertschöpfung vor Ort stattfindet.

Das heißt: die Schokolade wird in den Anbauländern selbst hergestellt, zum Beispiel Fairafric in Ghana oder Paccari in Ecuador.

In den Austausch gehen

Fragen Sie bei Ihrem Lieblingsschokoladenhersteller nach, wo die Kakaobohnen herstammen und ob sie nachhaltig und fair angebaut wurden.

Informieren Sie sich und teilen Sie Ihr Wissen über den nachhaltigen Genuss von Schokolade mit anderen.

Unterstützen Sie den WWF und damit unsere Arbeit

Wir üben Druck aus und unterstützen Unternehmen zugleich dabei, Kakao-Lieferketten transparenter und verantwortungsvoller zu gestalten.

Ihre finanzielle Hilfe stärkt Projekte in den Anbauländern und ermöglicht es, Unternehmen konsequent in die Verantwortung zu nehmen.

Hier geht es zur WWF Regenwald-Patenschaft.

Schützen Sie den Regenwald
mit einer

Regenwald-Patenschaft!

Gemeinsam können wir der Regenwald-Zerstörung etwas entgegensetzen: Schutzgebiete. Ihre Patenschaft macht den Unterschied!