© Alexander Raths

Ernährung und Klimaschutz
Wie wir mit unserer Ernährung unseren Planeten retten können

Die Art und Weise, wie unser Ernährungssystem funktioniert, hat erhebliche Auswirkungen auf unseren Planeten, unser Klima und die Biodiversität. Die Produktion und die Verarbeitung unserer Lebensmittel verbrauchen neben Wasser und Energie vor allem viel Land. Deswegen trägt unser aktuelles Ernährungssystem dazu bei, dass einzigartige Lebensräume in Ackerland umgewandelt werden.

Hunger auf Land

Für den Konsum von tierischen Produkten wie Eier, Milch und Fleisch wird besonders viel Land verbraucht. Tierische Produkte machen ca. 75 % unseres ernährungsbedingten Flächenverbrauchs in Österreich aus, wobei Fleisch und Milchprodukte etwa gleich viel zu diesem Anteil besteuern. Aufgrund des hohen Konsums tierischer Produkte reicht in Industriestaaten die eigene Landfläche nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion. So wird der Landverbrauch ausgelagert. Mittlerweile hinterlässt unser Ernährungsstil Spuren auf der ganzen Welt – auch in besonders artenreichen Ländern wie Brasilien oder Indonesien.

Regenwald-Zerstörung für unseren Genuss

Dass wertvolle Lebensräume in Ackerland umgewandelt werden, liegt einerseits an unserem hohen Fleischkonsum in Österreich, der im wahrsten Sinne des Wortes schwere Kost für Mutter Erde ist. Andererseits haben viele Rohstoffe unserer Nahrung – wie etwa Soja und Palmöl – ihren Ursprung in den Biodiversitätshotspots unserer Erde, wie etwa dem Amazonas-Regenwald. Ohne klare Kriterien und Standards laufen diese einzigartigen Lebensräume Gefahr, unserem steigenden Ressourcenhunger zum Opfer zu fallen. So kann unsere Ernährung zur Rodung wertvoller Urwälder oder Savannen führen.

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Zahlen & Fakten

  • Unsere Ernährung ist weltweit für 70 % des Verlustes an biologischer Vielfalt und 80 Prozent der Entwaldung verantwortlich.
  • Globale gesehen sind 21 bis 37 % der gesamten Treibhausgasemissionen auf unser Ernährungssystem zurückzuführen.
  • Fleisch- und Milchprodukte machen 23 % des Konsumvolumens an Nahrungsmitteln aus, generieren jedoch 67 % der nahrungsmittelbedingten Treibhausgas-Emissionen in Österreich.
  • Fleisch ist hier eindeutig der größte Faktor: unser Fleischkonsum ist für fast die Hälfte aller ernährungsbedingten Treibhausgase verantwortlich.
  • Die Produktion tierischer Lebensmittel verbraucht auch viel Fläche. Die Produktion von 1 kg Hülsenfrüchten beansprucht durchschnittlich 3,6 m2 Land, 1 kg Rindfleisch 46 m2 Land – das entspricht etwa dem 13-fachen der Fläche.

Herausforderungen

Wie sich unsere Ernährung sich auf die Gesundheit unseres Planeten auswirkt

Herausforderung 1: Hoher Konsum tierischer Produkte

Die österreichische Ernährung zeichnet sich durch einen hohen Anteil tierischer Produkte aus, insbesondere von Schweinefleisch, Milchprodukten und tierischen Fetten. Im Vergleich zur durchschnittlichen Ernährung in der EU konsumieren Österreicher 43 % mehr alkoholische Getränke, 29 % mehr Fleischprodukte, 27 % mehr Zucker und 80 % mehr tierische Fette. Gesunde Nahrungsmittel, wie Gemüse, Erdäpfel und Getreide, werden in geringen Mengen konsumiert.

Das macht sich nicht nur bei unserer eigenen Gesundheit, sondern auch bei der Gesundheit unseres Planeten bemerkbar. Auf globaler Ebene ist die Nahrungsmittelproduktion für knapp 30 % der jährlich von den Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich und heizt folglich die Klimakrise stark an. Reiche Industriestaaten wie Österreich spielen hier eine große Rolle und sind das schnelle Ansteigen der Temperaturen verantwortlich. Diese Länder tendieren dazu, zu viel zu konsumieren und einen Großteil wertvoller Lebensmittel wegzuwerfen.

 

Fleisch an der Theke

Herausforderung 2: Landverbrauch

Die Produktion von Lebensmitteln benötigt Fläche – eine begrenzte Ressource, von der wir immer mehr brauchen. Hierzulande sind ca. 3,1 Millionen Hektar im In- und Ausland an Fläche nötig, um unseren Hunger zu stillen. Das entspricht ungefähr einem Drittel der Fläche von Österreich. Besonders tierische Lebensmittel wie Fleisch, Milch oder Käse haben einen hohen Land-Fußabdruck, da die Herstellung und die Produktion von Futtermitteln für die Tiere sehr viel Fläche in Anspruch nehmen. Österreichs Appetit auf tierische Lebensmittel ist zu etwa 75 % für unseren ernährungsbedingten Land-Fußabdruck verantwortlich. Der Konsum von Getreide, Gemüse oder Obst macht dagegen nur 18 % aus.

Wir verbrauchen aber nicht nur Flächen in Österreich, sondern auch in Ländern wie Brasilien oder Indonesien. Wir importieren Kaffee, Kakao, Früchte oder pflanzliche Öle – oft von sehr weit her. Insgesamt liegen etwa 40 % des österreichischen Land-Fußabdrucks im Ausland. Unsere Essgewohnheiten haben also direkten Einfluss auf die landwirtschaftlichen Flächen in aller Welt.

Ein unkontrollierter Waldbrand bei Feldern in Brasilien

Herausforderung 3: Unser Schnitzel und der Regenwald

Was hat unsere Schnitzel mit den Bränden im Amazonas zu tun? Leider sehr viel. Weltweit werden 70 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche für die Tierhaltung beansprucht. Für den Anbau von Futtermitteln wie Soja werden in Brasilien oder Argentinien jährlich riesige Gebiete an wertvollen Regenwäldern oder waldreichen Savannen gerodet. Graslandschaften werden zu Äckern, Wälder werden für den Anbau von Futterpflanzen gerodet.

In Südamerika gehen so jährlich riesige Flächen von einzigartigen Regenwäldern für immer verloren. Dadurch wird die Klimakrise vorangetrieben, der regionale Wasserhaushalt zerstört und zusätzlich einer der artenreichsten Lebensräume der Welt geschädigt. Die Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft und unser Konsumverhalten treibt die Waldzerstörung an: Mehr als 21 Hektar an Wald werden weltweit pro Minute vernichtet!

Luftaufnahme eines Waldes mit einer Hälfte gesund und einer Hälfte brennend in Brasilien

Lösungen

Nachhaltige Ernährung für unsere und die Gesundheit unseres Planeten

Lösung 1: Das können wir als Konsument*innen tun!

Die gute Nachricht: Durch eine Umstellung unserer Essgewohnheiten auf eine gesunde Ernährung können wir unseren Land-Fußabdruck drastisch reduzieren und gleichzeitig unsere Gesundheit verbessern. Das heißt: Mehr Gemüse und Getreide essen, dafür weniger Fleisch und Milch.

Es lohnt sich auch ein kritischer Blick in unseren Einkaufskorb. Aktuell kaufen wir entgegen den Empfehlungen des Gesundheitsministeriums dreimal zu viel Fleisch, zu viele Fertigprodukte und zu viele Softdrinks. Diese drei sind nicht nur ungesund, sondern auch sehr hochpreisig. Eine WWF-Studie hat gezeigt, dass durch eine Veränderung in unserem Einkaufsverhalten – hin zu einem gesunden Warenkorb – sich um den gleichen Preis mehr Obst und Gemüse ausgeht. Und dieser neue Warenkorb besteht sogar zu 70% aus Bioprodukten. Gleichzeitig können so die Treibhausgasemissionen um fast 40% reduziert werden.

Mittagstisch mit gesundem Essen

Lösung 2: Das kann die Politik tun!

Die Politik muss eine Vorbildrolle einnehmen und ist mehr denn je gefordert, klare Positionen im Bereich der nachhaltigen Ernährung zu beziehen. Die Bundesregierung ist aufgerufen, eine langfristige Strategie zum Thema nachhaltige Ernährung in Österreich zu verankern. Gleichzeitig gilt es das Wissen um die ökologischen Auswirkungen unserer Ernährung zu fördern. Daher fordert der WWF eine Informationskampagne zu Lebensmittelverschwendung, Lebensmittelwertigkeit und gesunder, nachhaltiger Ernährung.

Auch die öffentliche Beschaffung sowie Kantinen können als Vorzeigebeispiele für eine nachhaltige Beschaffung und Ernährung dienen. Die Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette sollte im Fokus sein – vom Ursprung der Produkte über die Verarbeitung und das Angebot bis hin zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Österreich hat im internationalen Vergleich bereits einen relativ hohen Anteil an Bio-Anbau. Diese Vorreiterrolle sollte durch Förderprogramme weiter verstärkt und ausgebaut werden.

frisches Gemüse in Box

Lösung 3: Das können Unternehmen tun!

Unternehmen haben viele Möglichkeiten, sich für eine nachhaltige Ernährung einzusetzen. Sie können erstens die Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren. Das geht zum Beispiel damit, Portionsgrößen zu überdenken, bei der Lockerung von Handelsklassen und Normen mitzuwirken, Reste an karitative Organisationen weiterzugeben oder sich gemeinsam mit der Branche gegen Lebensmittelverschwendung einzusetzen. Zweitens können sie sich im Bereich der nachhaltigen Beschaffung/Angebot engagieren. Mögliche Maßnahmen sind etwa Zertifizierungen, die Erhöhung des Anteils an Bioprodukten, die Arbeit an der Lieferkette oder die Förderung pflanzlicher Speisen. Außerdem können Unternehmen ihre Kommunikationskanäle nutzen, um Konsument*innen über Themen wie Lebensmittelverschwendung und eine gesunde, nachhaltige Ernährung zu informieren.

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frisches Gemüse

Was auf unseren Tellern landet, beeinflusst das Ökosystem weltweit. Wir können uns jedoch tagtäglich für eine nachhaltige Ernährung entscheiden, die gesund ist und unseren Planeten schont.

Hannah-Heidi Schindler

Programmleitung Nachhaltige Ernährung, WWF Österreich

Projekte

So setzt sich der WWF für nachhaltige Ernährung ein

Eat4Change

Das EU-Projekt „Eat4Change“, welches im Mai 2020 gestartet ist, befasst sich nicht nur mit den ökologischen Auswirkungen unserer aktuellen Ernährung, sondern auch mit der Frage, wie nachhaltige Lebensmittelsysteme innerhalb planetarer Grenzen aussehen können.

In den nächsten vier Jahren arbeitet der WWF Österreich gemeinsam mit 12 Ländern daran, europäische Bürger*innen und Jugendliche für nachhaltige Ernährung zu motivieren. Globale Zusammenhänge werden hervorgehoben und aufgezeigt, wie die eigene Ernährung dazu beitragen kann, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und die SDGs erreicht werden können. Die Bestärkung junger Menschen, sich aktiv für einen nachhaltigen Ernährungswandel einzusetzen, ist ein zentraler Punkt des Projekts. Die Kampagne umfasst neben Jugendarbeit auch die Zusammenarbeit mit Politik und der Wirtschaft. Darüber hinaus werden spannende Studien, die sich mit dem Thema der nachhaltigen Ernährung beschäftigen, im Rahmen des Projekts veröffentlicht.

Eat4Change (Projektwebsite von Projektlead WWF Finnland)
Eat4Change (Projektwebsite von WWF Österreich)

Einsatz für entwaldungsfreie Lieferketten

Unser Konsumverhalten in Europa wirkt wie ein Brandbeschleuniger! Die steigende Nachfrage nach Produkten aus nicht nachhaltiger Landwirtschaft ist für 80% der weltweiten Entwaldung verantwortlich – und die EU importiert zu viele dieser Produkte, zum Beispiel in Form von Soja oder Palmöl. Der größte Teil davon landet auf unseren Tellern. Durch mangelnde Transparenz bei der Verarbeitung ist oft schwer nachvollziehbar, dass unser Essen die Brandrodungen und Abholzungen in den Wäldern weiter befeuert.

Aufgrund der extremen Regenwaldzerstörung fordert der WWF Österreich daher als ersten Schritt ein starkes EU-Lieferkettengesetz zum Schutz wertvoller Naturräume. Produkte, die am europäischen Markt landen, dürfen nicht länger auf Kosten der Natur und der Menschenrechte produziert werden.

Zusammenarbeit mit Unternehmen und der Wissenschaft

Die Arbeit des WWF mit Unternehmen im Bereich Nachhaltige Ernährung behandelt drei Punkte: Wir setzen uns sowohl für eine nachweislich umweltverträgliche Herkunft von Rohstoffen und für einen Wandel unserer Ernährungsgewohnheiten sowie dem schonenden Umgang mit dem zur Verfügung gestellten Angebots ein.

Gleichzeitig arbeiten wir eng mit der Wissenschaft zusammen und veröffentlichen in regelmäßigen Abständen einschlägige Studien zu interessanten Themen im Bereich der nachhaltigen Ernährung. Interessiert? Hier kannst du dich über unsere Studie zum Thema Klima und Ernährung informieren, oder über unsere Warenkorb-Studie nachlesen. Diese thematisiert das Thema, wie und ob biologisch produzierte Lebensmittel leistbar sind. Unser Fleischratgeber zeigt auf, welches Fleisch welche ökologischen Auswirkungen hat. Unsere Studie zu Lebensmittelverschwendung thematisiert die weggeworfenen Lebensmittel in Haushalten.

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Häufig gestellte Fragen zu Nachhaltiger Ernährung

Wie viel Fläche brauchen wir weltweit für die Produktion unserer Lebensmittel?

Fünf Milliarden Hektar – so viel Fläche nimmt die Landwirtschaft weltweit in Beschlag. Das entspricht etwa einem Drittel der vorhandenen globalen Landfläche und übersteigt bereits die Gesamtfläche Asiens (4,5 Milliarden Hektar).

Wie viel Lebensmittel werden jährlich weggeworfen?

Ein Drittel aller produzierte Lebensmittel geht vom Feld auf den Teller verloren, schätzt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Das ist ein klares soziales und ökonomisches Problem, doch damit nicht genug: Für das Klima bedeutet jedes Kilogramm entsorgtes Essen eine enorme Belastung!

In Österreich entsteht etwa die Hälfte der vermeidbaren Lebensmittelabfälle direkt zu Hause. Jährlich landen dadurch bis zu 521.000 Tonnen an genießbaren Lebensmitteln und bis zu 800 Euro pro Haushalt im Mist.

Insgesamt werden in Österreich bis zu 1 Million Tonnen noch genießbarer Lebensmittel jährlich weggeschmissen.

 

Wie viel kg Soja braucht es, um eine Portion Rindfleisch zu produzieren?

Soja landet als billiges Futtermittel in den Trögen unserer Tiere. Das ist jedoch sehr ineffizient, denn aus jener Menge pflanzlicher Eiweißlieferanten, die nötig ist, um eine Portion Rindfleisch zu erzeugen, könnten aus Soja mindestens 14 Portionen Tofu hergestellt werden!

Laut dem Verein Soja aus Österreich braucht es 9 kg pflanzliche Eiweißlieferanten um 5 Portionen Rindfleisch à 200 Gramm zu produzieren. Bei der gleichen Menge könnte man 68 Portionen Tofu à 200 Gramm produzieren.

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