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WWF-Aktionsplan für eine Ernährungswende

10 Maßnahmen für ein klima- und umweltschonendes Ernährungssystem

Was wir essen hat enorme Auswirkungen auf unseren Planeten: Unsere Ernährung ist maßgeblich für die Klimakrise und das Artensterben verantwortlich. Bis zu 37 % aller Treibhausgasemissionen und 70 % des Verlusts von Artenvielfalt sind auf unsere Ernährung zurückzuführen. Eine besonders tragende Rolle spielt der hohe Fleischkonsum, der gerade in Österreich zum Tragen kommt. Jede*r kann mit einem Umstieg auf mehr pflanzliche Ernährung einen Beitrag leisten. Aber trotzdem braucht es Lenkungsmaßnahmen seitens der Politik, die den Menschen diesen Umstieg erleichtern.

Unser Konsum verursacht Waldzerstörung

In Europa werden viele Produkte wie Soja, Kaffee, Kakao oder Palmöl konsumiert, die aber in fernen Ländern angebaut werden. Durch den massenhaften Import dieser Produkte sind die EU-Staaten für 16 % der globalen Regenwald-Abholzung verantwortlich. Ein besonders großes Problem sind die hohen Soja-Importe für Tierfutter aus Südamerika. Das Soja aus dem Regenwald landet in den Futtertrögen jener Hühner, Schweine und Rinder, die der/ die Österreicher*in so gerne und oft verzehrt. In anderen Worten: Gerade durch den großen Hunger auf Fleisch landen Lebensraumzerstörung, Artenverlust und die Auswirkungen der Klimakrise direkt auf unseren Tellern.

Österreichs Ernährung

Die Österreicher*innen ernähren sich leider weder gesund noch klima- und naturverträglich. Mit knapp 61 Kilo pro Kopf und Jahr ist der heimische Fleischkonsum extrem hoch – drei Mal höher als von Fachleuten empfohlen. Damit liegt Österreich im unrühmlichen EU-Spitzenfeld. Darüber hinaus landen in Österreich viel zu viele genießbare Lebensmittel auf dem Müll. Laut aktuellen Schätzungen werden etwa 40 % aller produzierten Lebensmittel nie gegessen.

Diese negativen Trends machen eine öko-soziale Ernährungswende erforderlich. Es ist Zeit für wirksame politische Beschlüsse für eine grundlegende Trendwende. Daher legt der WWF der österreichischen Bundesregierung folgendes 10 Punkte-Maßnahmenpakete vor.

Fakten zum aktuellen Ernährungssystem

  • Bis zu 37 % aller Treibhausgasemissionen entstehen aufgrund unserer Ernährung. Dabei sind nicht nur Lagerung, Transport, Verpackung und Verarbeitung eingerechnet, sondern auch Landwirtschaft und Landnutzung.
  • Unsere Ernährung ist weltweit für 70 % des Verlustes an biologischer Vielfalt, 80 % der Entwaldung und 70 % der globalen Wasserentnahme verantwortlich.
  • 1 kg Rindfleisch setzt ca. 19 kg Treibhausgase frei – 1 kg Äpfel im Gegensatz dazu nur 400 Gramm
  • Die EU Länder sind für 16% der Regenwald Abholzung verantwortlich
  • 40 % aller weltweit produzierten Lebensmittel werden nie gegessen. Das sin 2,5 Milliarden Tonnen verschwendete Lebensmittel pro Jahr.

1. Fleischkonsum reduzieren, pflanzliche Ernährung fördern

Die Bundesregierung sollte noch heuer eine ressortübergreifende Strategie beschließen, damit Österreichs Ernährungssystem klimaschonender wird. Dazu gehören insbesondere konkrete Maßnahmen für mehr pflanzliche Ernährung und einen reduzierten Konsum tierischer Produkte. Darüber hinaus muss die Politik die geltende Ernährungspyramide klima- und umweltgerecht reformieren. Das Gesundheitsministerium und die Österreichische Gesellschaft für Ernährung sollen neue Empfehlungen zu den Konsum-Mengen einzelner Lebensmittel anhand von Umwelt-Kriterien wie die Klimabelastung, der Biodiversitätsverlust, der Wasserverbrauch und die Umweltverschmutzung erarbeiten. 

2. Lebensmittelverschwendung halbieren

In Österreich fallen jährlich mindestens eine Million Tonnen an vermeidbaren Lebensmittelabfällen an. Das ist eine viel zu große  Verschwendung wertvoller Ressourcen. Die österreichische Bundesregierung muss einen für alle Sektoren verpflichtenden Aktionsplan mit konkrete Maßnahmen vorlegen, um vermeidbare Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren. Besonders wichtig sind: Maßnahmen gegen übertriebene optische Vermarktungs- und Handelsnormen für Obst und Gemüse, verpflichtende Maßnahmenpakete für Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette und zudem sollte das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht länger als Stichtag zum Wegwerfen gesehen werden und daher angepasst bzw. besser kommuniziert werden.

3. Regenwald schützen

Durch importierte Waren wie Soja, Kaffee oder Palmöl sind EU Staaten wie Österreich für Waldzerstörung auf der ganzen Welt mitverantwortlich. Die österreichische Bundesregierung muss sich daher für ein starkes EU-weites Lieferkettengesetz einsetzen, das wertvolle Wälder weltweit schützt sowie hohe Sozial- und Umweltstandards in den Handelsbeziehungen verankert und gewährleistet. Das neue Gesetz muss sicherstellen, dass Agrarrohstoffe, wie Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao, Kautschuk Mais und Fleisch, sowie alle Holzprodukte, die am europäischen Markt landen, nicht im Zusammenhang mit Naturzerstörung oder der Verletzung von Menschenrechten stehen.

4. Billigfleisch stoppen, schädliche Rabatte verhindern

WWF-Preisanalysen zeigen, dass Fleisch das ganze Jahr über stark rabattiert wird. Diese Rabatt-Aktionen setzen völlig falsche Anreize und mindern die wahrgenommene Wertigkeit von Fleischprodukten. Der Wettbewerb unter derart niedrigen Preisen erschwert einen klima- und umweltschonenden Betrieb unter angemessener Berücksichtigung des Tierwohls. Der WWF fordert daher einen Verzicht von Rabattaktionen auf Billigfleisch und die Förderung einer klima- und umweltfreundlichen Produktion tierischer Produkte unter Einhaltung des Tierwohls. Auch Sie können unsere Forderungen unterstützen – unterschreiben Sie unsere Petition gegen Billigfleisch.

5. Herkunft und Qualität von Lebensmitteln verpflichtend kennzeichnen

Bei verarbeiteten tierischen Produkten wie Fleisch, Eiern und Milch braucht es eine verpflichtende Herkunfts- und Tierwohl-Kennzeichnung im gesamten Handel und in der Gastronomie. Besonders bei verarbeiteten Produkten bleiben Konsument*innen bisher oft unwissend über die Herkunft und Produktionsstandards. Das begünstigt zum Beispiel den Konsum von importiertem Billigfleisch (sowie von Eiern und Milch), das bei voller Transparenz von vielen Gästen abgelehnt werden würde.

6. Steuern auf Obst und Gemüse senken

Obst und Gemüse sind gesund und besonders klimaschonende Nahrungsmittel. Damit klimafreundliche und ressourcenschonende Ernährung leistbarer wird, fordert der WWF Österreich die Senkung der Mehrwertsteuer auf unverarbeitete Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Die EU-Kommission empfiehlt derartige Maßnahmen aktuell ausdrücklich. Sie sollen dabei helfen, dass steigende Lebensmittelpreise aufgrund der Folgen des Krieges gegen die Ukraine nicht zu Mangel- oder Fehlernährung führen. Darüber hinaus fordert der WWF die Senkung der Steuer auf pflanzliche Milchalternativen von 20 auf 10 %.

7. Biologische Landwirtschaft ausbauen

In Österreich zählt mit 26,5 % Bio-Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche im EU-Vergleich zu den Vorreitern. Das heißt aber auch, dass aktuell immer noch 73,5 % der Agrarfläche konventionell bewirtschaftet wird. Besonders in der Tierhaltung ist der Anteil der biologischen Produktion ausbaufähig: Nur rund 3 % der in Österreich lebenden Schweine werden nach Bio-Standards gehalten. Die Bundesregierung muss daher einen ambitionierten strategischen Ausbauplan für die regionale, biologische Landwirtschaft umsetzen. Dieser Plan sollte die weitere Ausweitung der biologischen Landwirtschaft auf zunächst 40 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche bis 2030 ermöglichen.

8. Fruchtbare Böden erhalten

Österreich geht extrem verschwenderisch mit wertvollen Böden um. Der starke Flächenfraß befeuert nicht nur die Klimakrise und den Naturverlust, sondern beeinträchtigt auch die mittel- und langfristige Ernährungssicherheit, wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Daher muss die Bundesregierung den Bodenverbrauch mit allen verfügbaren Maßnahmen reduzieren und einen Bodenschutz-Vertrag mit Ländern und Gemeinden vereinbaren – inklusive des Erreichens einer verbindlichen Obergrenze für den Flächenverbrauch von maximal einem Hektar pro Tag bis zum Jahr 2030. Ergänzend sollte die Politik zudem ein Maßnahmenpaket umsetzen, um den Humusgehalt der heimischen Ackerflächen zu erhalten und stetig zu steigern.

9. Öffentlichen Beschaffung auf Bio umstellen

Öffentliche Beschaffungsvorgaben haben eine Vorbildwirkung für die Privatwirtschaft und fördern somit die Ernährungswende. Daher sollten Lebensmittel, die in öffentlichen Einrichtungen des Bundes und der Länder angeboten und konsumiert werden, bis 2050 zu 100 % aus biologischer Produktion stammen.

10. Schulfach klimafreundliche Ernährung schaffen

Unser Ernährungsverhalten wird schon in der Kindheit geprägt. Heute ist das Wissen um eine klimafreundliche Ernährung teilweise noch gering: 57 % der Österreicher*innen ist zwar bewusst, dass das Ernährungssystem negative Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima hat – doch 45 % wissen nicht, für welche Lebensmittel sie sich entscheiden sollen, um den Planeten zu schonen. Daher fordert der WWF ein verpflichtendes Schulfach, das grundlegendes Wissen über eine gesunde klimafreundliche Ernährung vermittelt.

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