Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
WWF-Regenwald-Report: Fünffache Fläche Österreichs vernichtet
An 24 weltweiten Entwaldungsfronten ist eine tropische Regenwald-Fläche von 43 Millionen Hektar zerstört worden – WWF fordert Wald- und Ernährungswende samt EU-Lieferkettengesetz
Wien, 13.01.2021 – Allein in 24 von Entwaldung besonders stark betroffenen Gebieten ist seit 2004 eine Fläche von mehr als 43 Millionen Hektar tropischen Regenwalds zerstört worden, wie ein neuer WWF-Report zu globalen „Entwaldungsfronten“ zeigt. Ein Großteil davon geht auf das Konto der industriellen Landwirtschaft, die immer neue Weide- und Ackerflächen erschließt. Dazu kommt der Flächenfraß für neue Infrastruktur- und Bergbauprojekte. Umgerechnet entspricht die zerstörte Fläche mehr als dem Fünffachen Österreichs. Der WWF fordert deshalb eine ökologische Wald- und Ernährungswende, die an den Wurzeln der Probleme ansetzt. „Regenwälder sind eine Gesundheitsvorsorge für Mensch und Natur. Sie speichern Kohlenstoff, bieten wichtigen Lebensraum und sind ein Bollwerk gegen Pandemien. Daher müssen wir die Entwaldung stoppen, sonst stoppt das Leben, wie wir es kennen“, sagt Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich.
Die Naturschutzorganisation pocht auf mehr Unterstützung für die Länder des globalen Südens sowie ein EU-Lieferkettengesetz, das starke Sozial- und Umweltstandards in den Handelsbeziehungen verankert. „Europa trägt eine Mitverantwortung, wenn immer mehr Regenwald für Futtermittelsoja, Kakao und Rindfleisch vernichtet wird. Rund ein Sechstel aller in der EU gehandelten Lebensmittel tragen zur Entwaldung in den Tropen bei“, erklärt Scattolin.
Der WWF-Bericht basiert auf Satellitendaten aus dem Zeitraum von 2004 bis 2017 und identifiziert 24 tropische und subtropische Hotspots, in denen die Entwaldung extrem voranschreitet. Den größten Verlust verzeichnet der Amazonas (Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien, Venezuela und Guyana) mit 18,3 Millionen Hektar zerstörtem Wald. Dahinter liegen die Wälder auf Borneo (Indonesien / Malaysia: 5,8 Millionen Hektar zerstörter Regenwald) und der Gran Chaco (Paraguay und Argentinien: 5,2 Millionen Hektar). Weitere Entwaldungsfronten liegen im brasilianischen Cerrado (drei Millionen Hektar Verlust) sowie auf Madagaskar und Sumatra. Fast die Hälfte der bestehenden Wälder in den untersuchten Gebieten ist schon stark fragmentiert, also zum Beispiel durch Straßen, Minen oder Ackerflächen zerstückelt. „Das macht den Wald nicht nur anfälliger für Trockenheit und Feuer, sondern vertreibt auch dort lebende Tierarten“, sagt Georg Scattolin.
Naturzerstörung befeuert Klimakrise und Pandemien
Laut dem WWF-Report wird die Waldzerstörung in den untersuchten Gebieten noch weiter zunehmen, wenn keine rasche Trendwende gelingt. Das würde nicht nur die Klimakrise weiter anheizen, sondern auch die menschliche Gesundheit gefährden. „Wir müssen die Regenwälder besser schützen, sonst ist COVID-19 nur ein Vorgeschmack auf künftige Krisen. Denn durch den Raubbau an der Natur entstehen auch immer mehr gefährliche Schnittstellen, an denen Viren von Tieren auf Menschen überspringen können“, warnt WWF-Experte Georg Scattolin. Er fordert daher, dass beim UN-Biodiversitätsgipfel im Mai 2021 ein umfassender Naturschutzpakt auf den Weg gebracht wird: „Wälder sind Schatzkammern der Artenvielfalt. Sie beherbergen 80 Prozent aller bekannten Tier- und Pflanzenarten außerhalb der Ozeane. Wenn wir diese Vielfalt nicht verbindlich schützen, sägt die Menschheit am eigenen Ast.“
Interaktive Karte der weltweiten Regenwald-Zerstörung: https://cutt.ly/ljvHe59
Download der Summary des WWF-Reports ’Deforestation Fronts. Drivers and Responses in a Changing World’: https://cutt.ly/xjvLtx4
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
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