Artenlexikon
Bienen – geflügelte Vielfalt

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Apiformes
Icon Unterarten

Verbreitung

Weltweit
ARTENLEXIKON: Bienen – geflügelte Vielfalt         Die Fakten Bilder und MedienWeiterführende InfosNews

Biene

Wir brauchen Bienen, um zu überleben – denn sie sichern den Fortbestand unzähliger Pflanzenarten. Als Bestäuber sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Darüber hinaus sind die Bienen eine faszinierende und vielfältige Insektengruppe, die in all ihren Ausprägungen ins Rampenlicht gehört.

Körperliche Merkmale

Bei der Biene denken die meisten von uns an die Westliche Honigbiene (Apis mellifera), mit ihrer gelblich braunen Grundfarbe, ihren großen Bienenstaaten und sozialer Lebensweise – eigentlich ist sie damit aber die Ausnahme (siehe Lebensweise).
Was alle Bienen gemeinsam haben ist ihr dreigeteilter Körper mit vier Flügeln und die schmale Taille. Bei den meisten Arten haben die Weibchen auch einen Stachel. Typisch sind außerdem die Haare an den Beinen oder an der Unterseite des Hinterleibs. In diesen feinen, verzweigten Härchen bleiben die Pollen hängen, sie werden also zum Pollentransport genutzt. Die Antennen haben fast immer zwölf (bei den Weibchen) oder 13 (bei den Männchen) Glieder, die Mundwerkzeuge sind zu einem Rüssel geformt, die Oberkiefer allerdings sind Beißwerkzeuge.

Lebensweise und Fortpflanzung

Unser Bild von der Biene als soziales, staatenbildendes Insekt ist von der Honigbiene geprägt. Ihr Verhalten ist jedoch die Ausnahme. Eigentlich bilden nur zehn Prozent der Arten solche hoch sozialen Gemeinschaften. Rund drei Viertel der Bienen sind sogenannte Solitärbienen, also Einzelgänger. Sie legen ihre Eier gemeinsam mit einem Nahrungsvorrat ab und verschließen den Ablageplatz. Die restlichen 15 Prozent sind Kuckucksbienen, die ihre Eier in die Brutzellen anderer Bienenarten legen – dort töten sie die Larven und „übernehmen“ deren Nahrungsvorrat.
Das Sozialverhalten von Bienen ist sehr unterschiedlich und zwischen reinen Einzelgängern und Staaten gibt es ein breites Spektrum an Verhaltensweisen. Gemeinsames Verteidigungsverhalten von „Nachbarn“, Nist- und Überwinterungsgemeinschaften sind nur einige davon.
Entsprechend unterschiedlich ist auch das Paarungsverhalten – am bekanntesten ist sicherlich der Drohnenflug der Honigbienen. Dabei fliegen junge Bienenköniginnen zu Hochzeitsflügen aus und paaren sich in der Luft mit bis zu 20 Drohnen – das Männchen stirbt bei der Paarung, die befruchtete Königin fliegt zum Stock zurück. Wird der Platz im Stock zu klein, teilen sich die Völker und gründen mit einer neuen Königin einen neuen Staat.
Bei Wildbienen sieht das ein bisschen anders aus. Sie sind schon ab dem Schlüpfen geschlechtsreif – die Paarung erfolgt entweder an sogenannten Rendezvous-Plätzen, wo sie mit den Männchen zusammentreffen, oder auch direkt nach dem Schlüpfen. Dabei warten die Männchen am Eingang der Nistplätze oder graben sich bis zu den verborgenen Nestern und damit zu den Weibchen vor.

Ernährung

Bienen ernähren sich rein pflanzlich. Hauptnahrung sind süße Pflanzensäfte und Nektar, als Eiweißquelle brauchen die Insekten Pollen. Je nach Art ist das Nahrungsspektrum weit gefächert oder besteht auch nur aus einer einzigen Pflanze, auf die die Tiere spezialisiert sind. Staatenbildende Arten leben zudem Nahrungsvorräte – wie Honig – an, um über nahrungsfreie Zeiten zu kommen. In unseren Breiten ist das der Winter, in den Tropen beispielsweise die Regenzeit.

Lebensraum
Gebirge
Savannen
Tundra
Ernährungsart
Pflanzenfresser
Tags
Arten
Artenschutz
Thematisch

Biene und Mensch

Bienen sind wichtige Bestäuber. Ohne sie gäbe es viele unserer Lebensmittel nicht, denn viele Obst- und Gemüsepflanzen sind auf Bienen als Bestäuber angewiesen. Das macht Bienen für uns Menschen überlebenswichtig und zu einem wichtigen Faktor für die Wirtschaft. Greenpeace schätzte den finanziellen Gegenwert der jährlichen Bestäubungsleistung der Bienen weltweit auf 265 Milliarden Dollar.
Alles was die Bienen gefährdet, ist also auch eine Bedrohung für den Menschen. Ironischerweise sind diese Bedrohungen zumeist menschengemacht, allen voran Pestizide und Lebensraumverlust, vor allem durch Flächen für Viehzucht. Klimawandel und internationaler Transport führen auch dazu, dass Bienen mit neuen Parasiten und Krankheiten in Kontakt kommen, was für die Tiere tödlich enden kann.

Die Biene in der Kulturgeschichte

Honig ist eines der ältesten bekannten Lebensmittel – schon in der Steinzeit sammelte der Mensch das süße Gold von wilden Bienenvölkern. Imkerei ist seit dem 7. Jahrtausend vor Christus belegt. Im alten Ägypten wurde Honig als „Speise der Götter“ angesehen und in Pharaonengräbern wurde Honig als Grabbeigabe gefunden. In vielen Kulturen wurde und wird Honig auch medizinisch eingesetzt, da er leicht antiseptisch und entzündungshemmend wirkt und die Wundheilung begünstigt. Auch, dass Honig wegen der gelösten Zucker darin hervorragend für die Herstellung alkoholischer Getränke genutzt werden kann, weiß man seit Jahrtausenden. Das bekannteste Getränk ist wohl der klassische Honigwein Met.
Die bekannteste Biene der Popkultur ist wohl die Biene Maja, die ursprünglich aus den Romanen des deutschen Schriftstellers Waldemar Bonsels stammt und in zahlreichen Adaptionen in Film und Fernsehen verarbeitet wurde.

Projekte und Engagement des WWF

Der WWF setzt sich für einen bundesweiten „Masterplan Insektenschutz“ ein, in dem umfassende Maßnahmen und konkrete Ziele festgehalten sind. Diese 4 Maßnahmen liegen schon auf der Hand und müssten nur mehr umgesetzt werden:

1. Schützen

Wir brauchen mehr Schutzgebiete als Hotspots der nachhaltigen Entwicklung, ideal dafür eignet sich das Natura 2000 Netzwerk der EU. Dieses Netzwerk soll bereits seit über 20 Jahren eingerichtet werden und weist in Österreich dennoch immer noch dramatische Lücken auf. Österreich muss hier dringend aufholen.
Dieser Schritt wäre nicht nur rasch umsetzbar, sondern würde auch noch zu weiteren Förderungen seitens EU führen, und somit auch neue Arbeitsplätze ermöglichen. Österreich verspielt im Moment eine große Chance und riskiert Strafzahlungen in mehrstelliger Millionenhöhe auf Kosten der Steuerzahler. Dieses Geld könnte man sicherlich in Österreich besser einsetzen.

2. Extensivieren

Auf den land- und forstwirtschaftlichen Flächen, auf denen es möglich ist, muss Extensivierung stattfinden. Dies beinhaltet unter anderem biologische Schädlingsbekämpfung statt dem Einsatz von Gift (derzeit sind in Österreich ~1.300 verschiedene Pflanzenschutzmittel zugelassen). Außerdem weniger Düngen (v.a. kein Kunstdünger), und mehr Strukturen für Arten schaffen.

3. Renaturieren

Bereits zerstörte Lebensräume durch Renaturierung wieder stabilisieren und somit die Systeme, und unser Naturkapital wieder stabilisieren.

4. Lobbyieren

Der WWF Österreich setzt sich auf politischer Ebene für eine weitere Ökologisierung der Gemeinsame Agrarpolitik der EU ein, sowie für den weiteren Ausbau des nationalen Biolandbaus ein.
All das und noch mehr sollte in einem Masterplan Insektenschutz unter Beteiligung aller Betroffenen erarbeitet werden.

Der Schutz von Insekten und damit auch Bienen gehört zu den Anliegen, zu denen aber auch jeder von uns individuell, einfach und kostengünstig beitragen kann. In jedem Garten, auf jedem Balkon und auf jeder Fensterbank können Bienen-freundliche Blumen, Kräuter, Obst oder Gemüse gepflanzt werden wo sich die Bienen dann ihren Nektar holen können. Wenn das alle Menschen machen würden hätten wir wieder sehr viel Platz für Insekten. Außerdem sollte man beim Einkauf darauf achten, zu Bioprodukten zu greifen, die auf gefährliche Pestizide verzichten. Für verantwortungsbewusste Konsumenten haben wir als WWF in diesem Video einige Tipps zusammengestellt.

i

News

Aktuelle Beiträge zum Thema

WWF-Umfrage: 93 Prozent für mehr Naturschutz am Inn

WWF-Umfrage: 93 Prozent für mehr Naturschutz am Inn

Hohe Wertschätzung für Inn als Natur- und Erholungsraum – Verschmutzung, Verbauung und Flächenverbrauch als größte Gefahren wahrgenommen – Bevölkerung für Schutz und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume – Mehrheit sieht Länder und Gemeinden in der Verantwortung – Hohe Bereitschaft, persönlich am Schutz mitzuwirken

mehr lesen