Artenlexikon
Das Breitmaulnashorn – am Rande des Nichts

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Ceratotherium simum
Icon Unterarten
Familie
Nashörner
Aktueller Bestand
18000
Gefährdungsstatus
Potentiell gefährdet (IUCN, 2020)

Verbreitung

Afrika
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Breitmaulnashorn

Die Geschichte der großen Tiere bleibt leider spannend – denn vor allem die nördliche Unterart besteht nur noch aus zwei Tieren. Wissenschaftliche Bemühungen, die Tiere zu befruchten, sind bisher fehlgeschlagen. Für südliche Unterart der faszinierenden Tiere besteht mehr Hoffnung.

Körperliche Merkmale

Das Breitmaulnashorn ist das drittgrößte Landsäugetier der Erde – nur Afrikanische und Asiatische Elefanten sind größer. Ihre breiten, kantig-verhornten Lippen, die den Tieren ihren Namen eingebracht haben, sind ideal, um Gras jeder Länge abzuzupfen. In ihrer Funktion gleichen sie also Schneidezähnen. Breitmaulnashörner haben ein verlängertes Hinterhaupt, wodurch sie ihren Kopf relativ tief tragen.
Die beiden Hörner auf ihrem Kopf sind hintereinander angeordnet. Jenes auf der Stirn ist meist das kürzere und wird bis zu 55 Zentimeter lang, dasjenige auf der Nase misst meist um die 90 Zentimeter, in seltenen Fällen sogar bis zu 1,5 Metern. Die Hörner wachsen ein Leben lang weiter, etwa fünf bis sechs Zentimeter im Jahr. Der Hornansatz ist bei Breitmaulnashörnern fast quadratisch, nach oben hin werden die Hörner oval. Das Horn wird sowohl als Waffe wie auch als Werkzeug genutzt, etwa um nach Wasser zu scharren, oder durch das Dickicht zu brechen.

Während Gehör und Geruchssinn extrem gut ausgebildet sind, sind die Augen der Dickhäuter nicht besonders gut. Trotz ihrer massigen Gestalt können die Tiere im Galopp bis zu 50 Stundenkilometer erreichen. Die maximale Lebenserwartung beträgt bei Breitmaulnashörnern etwa 50 Jahre.

Lebensweise und Fortpflanzung

Ausgewachsene Breitmaulnashornbullen sind Einzelgänger während Weibchen und jüngere Tiere oft in festen Gruppen von bis zu sechs Tieren zusammenleben. In Lebensräumen mit besonderen Bedingungen wie zum Beispiel reichen Weidegründen schließen sich temporär auch größere Gruppen von Breitmaulnashörnern zusammen. Die soziale Lebensweise ist bei Breitmaulnashörnern stärker ausgeprägt als bei Spitzmaulnashörnern.

Bullen konkurrieren um besonders Vorteilhafte Reviere – also mit guter Lebensqualität und Überschneidung mit möglichst vielen Weibchen. Tatsächlich ist die Paarungsbereitschaft der Weibchen außerdem höher, wenn möglichst viele Männchen in der Umgebung sind. Geschlechtsreif werden die Tiere mit sechs bis sieben Jahren. Nach einer Tragezeit von rund 16 Monaten kommt meist ein einzelnes Kalb zur Welt. Obwohl die Jungtiere rund ein Jahr gesäugt werden, beginnen sie schon in den ersten Wochen, sich an pflanzliche Kost zu gewöhnen. Abhängig von Lebensraum und Nahrungsangebot bringt ein Weibchen im Schnitt alle zwei bis drei Jahre Junge zur Welt.

Ernährung

Breitmaulnashörner fressen ausschließlich Gräser. Um ihren Kalorienbedarf zu decken müssen sie etwa die Hälfte des Tages grasen. Wenn möglich trinken Nashörner täglich, kommen zur Not aber auch ein paar Tage ohne Wasser aus.

Lebensraum
Savannen
Ernährungsart
Pflanzenfresser
Tierstimme
Besonderheiten
Trotz ihrer Masse können Breitmaulnashörner im Galopp bis zu 50 Stundenkilometer erreichen.
Tags
Arten
Artenschutz
Thematisch

Breitmaulnashorn und Mensch

Die Geschichte der beiden Unterarten des Breitmaulnashorns – die nördliche und südliche – bleibt unangenehm spannend: Galt die südliche Unterart im südlichen Afrika bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als ausgestorben, wurde im heutigen Hluhluwe-iMfolozi-Park in Südafrika eine Population von weniger als 100 Südlichen Breitmaulnashörnern entdeckt, die dort überlebt hatte. Dank intensiver Schutzmaßnahmen ist es gelungen, dass sich dieser kleine Restbestand erholen konnte und sich die Südlichen Breitmaulnashörner nach und nach wieder ausgebreitet haben und in geeignete Gebiete umgesiedelt werden konnten.
Das nördliche Breitmaulnashorn hatte weniger Glück – heute gibt es noch zwei Tiere, die aus dem Dvur Kralove Zoo in Tschechien in das Privatschutzgebiet Ol Pejeta in Kenia gebracht wurden.

Das Nashornhorn – sinnlos begehrt

Vorweg muss eines klargestellt werden: das Horn eines Nashorns hat keinerlei nachgewiesene medizinische Wirkung. Es besteht aus Keratin und ist damit genauso heilsam wie der menschliche Fingernagel. Trotzdem hat es sich als Wunderheilmittel vor allem in der Traditionellen Chinesischen Medizin gehalten. Von Kater bis Krebs wird es für eine Vielzahl von Problemen eingesetzt. Im Mittleren Osten wurden die Hörner oft zu Dolchgriffen verarbeitet. Heute ist das Nashornhorn eines der teuersten Wildtierprodukte der Welt – was es ganz abseits von Medizin und Kunst wiederum zum Statussymbol macht. Im 19. Jahrhundert brachen die Nashornbestände in Asien stark, danach verlagerte sich die Jagd auf die Afrikanischen Arten.

Durch die starke Nachfrage hat sich eine hochprofessionelle und gut organisierte Wildtiermafia gebildet. Insgesamt sind vor allem Südafrika, Mosambik, Vietnam und China maßgeblich an der derzeitigen Nashornwildereikrise in Afrika beteiligt. Obwohl alle Länder die Nashornjagd und den Handel mit den Tierprodukten streng verbieten und unter hohe Strafen gestellt haben, dauert der Raubbau an den Tieren an.

Nashörner in der Kulturgeschichte

Besonders in Jäger-und-Sammler-Kulturen der Steinzeit finden sich Darstellungen von Nashörnern. Die ältesten stammen aus dem Jungpaläolithikum und sind mindestens 31.000 Jahre alt. Im Alten Ägypten finden sich Reliefdarstellungen ebenso wie im kambodschanischen Angkor Wat, hier aus dem 12. Jahrhundert. Überlieferungen und Reiseberichte könnten darüber hinaus einer der Ursprünge der Einhornlegende sein.

Projekte und Engagement des WWF

Das Nashorn ist eine der sieben Leitartengruppen des WWF, die anderen sind Wale und Delfine, Tiger, Meeresschildkröten, große Menschenaffen, Elefanten und der Große Panda. Dementsprechend setzen wir und seit der Gründung der Organisation 1961 für den Schutz der Nashörner ein. wischen 1962 und 2001 hatte der WWF bereits über 30 Millionen Euro in den Schutz afrikanischer Nashörner investiert. Bei den Projekten handelt es sich vor allem um Bekämpfung der Wilderei, Ausbildung und Finanzierung von Wildhütern und Anti-Wilderer-Einheiten, Schutz der natürlichen Lebensräume sowie Unterstützung bei der Kontrolle des Handels mit Nashornprodukten.

Gemäß des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES fallen seit 1977 alle fünf Nashornarten unter das internationale Handelsverbot. Alle afrikanischen und asiatischen Staaten mit Nashornpopulationen in freier Wildbahn haben die kommerzielle Jagd auf Nashörner und den Handel mit Nashornprodukten untersagt.

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