Artenlexikon
Das Java Nashorn – die letzten Einhörner?

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Rhinoceros sondaicus
Icon Unterarten
Familie
Nashörner
Aktueller Bestand
18 (IUCN 2019)
Gefährdungsstatus
Vom Aussterben bedroht (IUCN, 2019)

Verbreitung

Asien
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Java Nashorn

Marco Polo glaubte, auf seinen Reisen durch Asien ein Einhorn entdeckt zu haben – vermutlich war es ein Java Nashorn. Wenn Wilderei und Lebensraumverlust nicht bald ein Ende haben, könnte es in naher Zukunft genauso viele Java Nashörner wie Einhörner geben.

Körperliche Merkmale

Der deutlichste Unterschied zwischen dem Java Nashorn und seinen afrikanischen Verwandten und dem asiatischen Sumatra Nashorn ist, dass es nur ein Horn hat – auf der Nase. Wie bei allen Nashörnern besteht das Horn aus Keratin – demselben Stoff, aus dem unsere Haare und Fingernägel sind – und wächst deshalb ein Leben lang weiter. Durch die Verwendung zur Nahrungssuche und Reiben an Bäumen wetzt es sich ständig ab und wird beim Java Nashorn deshalb nicht länger als maximal 25 Zentimeter. Die Weibchen sind oft sogar hornlos.
Jungtiere haben eine etwas stärkere Behaarung, von denen im Erwachsenenalter manchmal ein kleiner Flaum am Rücken zurückbleibt. Hasse finden sich sonst nur an den Ohren, den Augenlidern und dem Ende des Schwanzes. Wie alle asiatischen Nashornarten und das Spitzmaulnashorn ist die Oberlippe der Tiere sehr beweglich – das erleichtert das abrupfen auch kurzer Gräser.

Lebensweise und Fortpflanzung

Java Nashörner sind Einzelgänger, nachtaktiv und territorial. Ihre Reviere können bis zu 20 Quadratkilometer groß werden. Der Bevorzugte Lebensraum der großen Säugetiere sind dichte, feuchte immergrüne Wälder durchsetzt von offenen Bereichen. Wichtig sind wir allem Bäche und sumpfige Stellen, in denen sich die Tiere ausgiebig suhlen können.
Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa vier Jahren und bringen meist mit fünf oder sechs Jahren – nach einer Tragezeit von 16 Monaten – erstmals ein Junges zur Welt. Die Männchen werden erst mit sieben bis acht Jahren geschlechtsreif, pflanzen sich aber erst fort, wenn sie ein eigenes Revier behaupten können. Die Kommunikation der Tiere läuft in erster Linie über Sekrete ab, weshalb das Java Nashorn auch als das „schweigsamste“ Familienmitglied der Nashörner gilt. Unter natürlichen Verhältnissen können Java-Nashörner vermutlich 35 bis 40 Jahre alt werden.

Ernährung

Der Speisezettel der Java Nashörner umfasst hunderte Arten von Pflanzen, deren Blätter, Zweige, Triebe und Früchte die Tiere mit der Oberlippe abzupfen. Bevorzugt werden Brennnesselgewächse, Hülsenfrüchtler und Feigen.

Ernährungsart
Pflanzenfresser
Besonderheiten
Das Java Nashorn gilt als das „schweigsamste“ unter den Nashörnern - es kommuniziert in erster Linie über Duft.
Tags
Arten
Artenschutz
Thematisch

Nashorn und Mensch

Anders als sein Name vermuten lässt, war das Java Nashorn ursprünglich über weite Teile Südostasiens verbreitet – heute zählt das Java Nashorn zu den seltensten Großsäugern der Welt, denn die Art lebt nur noch im Ujung Kulon-Nationalpark an der Westspitze Javas. Auf Java leben nur mehr 18 Tiere.

Das Nashornhorn – sinnlos begehrt

Vorweg muss eines klargestellt werden: das Horn eines Nashorns hat keinerlei nachgewiesene medizinische Wirkung. Es besteht aus Keratin und ist damit genauso heilsam wie der menschliche Fingernagel. Trotzdem hat es sich als Wunderheilmittel vor allem in der Traditionellen Chinesischen Medizin gehalten. Von Kater bis Krebs wird es für eine Vielzahl von Problemen eingesetzt. Im Mittleren Osten wurden die Hörner oft zu Dolchgriffen verarbeitet. Heute ist das Nashornhorn eines der teuersten Wildtierprodukte der Welt – was es ganz abseits von Medizin und Kunst wiederum zum Statussymbol macht. Im 19. Jahrhundert brachen die Nashornbestände in Asien stark, danach verlagerte sich die Jagd auf die Afrikanischen Arten.

Durch die starke Nachfrage hat sich eine hochprofessionelle und gut organisierte Wildtiermafia gebildet. Insgesamt sind vor allem Südafrika, Mosambik, Vietnam und China maßgeblich an der derzeitigen Nashornwildereikrise in Afrika beteiligt. Obwohl alle Länder die Nashornjagd und den Handel mit den Tierprodukten streng verbieten und unter hohe Strafen gestellt haben, dauert der Raubbau an den Tieren an.

Nashörner in der Kulturgeschichte

Besonders in Jäger-und-Sammler-Kulturen der Steinzeit finden sich Darstellungen von Nashörnern. Die ältesten stammen aus dem Jungpaläolithikum und sind mindestens 31.000 Jahre alt. Im Alten Ägypten finden sich Reliefdarstellungen ebenso wie im kambodschanischen Angkor Wat, hier aus dem 12. Jahrhundert. Überlieferungen und Reiseberichte könnten darüber hinaus einer der Ursprünge der Einhornlegende sein.

Projekte und Engagement des WWF

Das Nashorn ist eine der sieben Leitartengruppen des WWF, die anderen sind Wale und Delfine, Tiger, Meeresschildkröten, große Menschenaffen, Elefanten und der Große Panda. Dementsprechend setzen wir und seit der Gründung der Organisation 1961 für den Schutz der Nashörner ein. In Java umfasst das vor allem die Bekämpfung der Wilderei, Ausbildung und Finanzierung von Wildhütern und Anti-Wilderer-Einheiten, Schutz der natürlichen Lebensräume sowie Unterstützung bei der Kontrolle des Handels mit Nashornprodukten.
Gemäß des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES fallen seit 1977 alle fünf Nashornarten unter das internationale Handelsverbot. Alle afrikanischen und asiatischen Staaten mit Nashornpopulationen in freier Wildbahn haben die kommerzielle Jagd auf Nashörner und den Handel mit Nashornprodukten untersagt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Schutzmaßnahmen für das Java Nashorn nicht zu spät kommen.

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