Artenlexikon
Das Leistenkrokodil – ein noch lebender Verwandter der Dinosaurier

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Crocodylus porosus
Icon Unterarten
Familie
Echte Krokodile
Gefährdungsstatus
Nicht gefährdet (IUCN, 1996)

Verbreitung

Asien
Australien
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Leistenkrokodil

Man sollte meinen dass ein dicker Knochenpanzer und enorme Beißkraft Schutz genug sind – doch gegen Lebensraumverlust und die Lust auf Krokohandtaschen kommen die Tiere damit nicht an. Dabei sind sie wichtig: indem sie langsamere, kranke Tiere fressen, halten sie Populationen gesund.

Körperliche Merkmale

Das Leistenkrokodil ist die größte heute lebende Krokodilart. Seinen Namen erhält es von den beiden Leisten, die von den Augen zur Nase hinführen. Wie alle Echten Krokodile haben sie im Oberkiefer eine kleine Einbuchtung für den jeweils vierten Zahn im Unterkiefer – dadurch bleiben die Zähne auch bei geschlossenem Maul sichtbar. Wie für alle Krokodile – nicht nur die echten – charakteristisch, besitzen die Tiere dicke Knochenpanzer. Am Rücken sind die Platten besonders dick und großflächig, eine Querreihe entspricht einem Rückenwirbel. Die Panzer des Leistenkrokodils ist im Erwachsenenalter einheitlich dunkeloliv bis grau, am Bauch ist es heller. Jungtiere sind noch gefleckt. Krokodile im Allgemeinen haben einen hervorragenden Sehsinn. Ihre Augen sind relativ groß und gut an das Sehen bei Dunkelheit angepasst. Auch auf das Leben im Wasser sind sie perfekt eingestellt: Sie haben drei Lider, zwei davon teilweise verknöchert, und die so genannte Nickhaut. Diese dünne, durchsichtige Haut wird beim Abtauchen vom inneren Augenwinkel über das Auge gezogen. Auch Ohren und Nasenlöcher können durch Hautklappen verschlossen werden.
Leistenkrokodile sind die am weitesten verbreiteten Echten Krokodile. Sie haben Salzdrüsen an der Zungenoberfläche, durch die sie überschüssiges Natrium wieder ausscheiden können. So sind sie extrem salzresistent, können weite Strecken im Meer zurücklegen und auch abgelegene Inseln besiedeln. Vermutlich werden Leistenkrokodile über 100 Jahre alt.

Lebensweise und Fortpflanzung

Als wechselwarme Lebewesen regulieren Krokodile ihre Körpertemperatur über die Umgebung – je nach Bedarf wärmen sie sich an sonnigen Plätzen oder kühlen sich im Wasser ab. Die durchschnittliche Körpertemperatur liegt bei 25,5 Grad, bei Kälte sinkt die Aktivität der Tiere. Leistenkrokodile sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber liegen sie in seichtem Wasser, im Uferschlamm oder in Wassernähe. Eine spezielle Strategie für die Trockenzeit haben die Exemplare auf Neu Guinea entwickelt: dort graben sie tunnelartige Gänge durch das Ufer, die untereinander verbunden sind und in eine Erdkammer münden. Manchmal werden solche Gänge auch von Wasserschildkröten genutzt.

Geschlechtsreif werden Weibchen mit zehn bis zwölf Jahren, Männchen mit zwölf. Die Paarungszeit ist abhängig vom Lebensraum und liegt oft kurz nach Ende der jeweiligen Trockenzeit. Beim Balzritual stupst das Männchen das Weibchen mit der Schnauze an, während es darum herumschwimmt. Etwa einen Monat nach der Paarung legen die Weibchen die Eier in einem Bruthügel aus Erde und Pflanzen ab. Die Nester der Leistenkrokodile sind bis zu 90 Zentimeter hoch und erreichen einen Durchmesser von 120 bis 250 Zentimetern und enthalten etwa 20 bis 90 Eier. Bis zum Schlüpfen der Jungen gräbt sich das Weibchen neben dem Nest eine Suhle, die sich mit Sickerwasser füllt und sie gut tarnt. Nach drei Monaten schlüpfen die kleinen Krokodile und machen quäkende Laute – das Signal für die Mutter, das Nest auszugraben. Auch nach dem Schlüpfen bewacht die Mutter die Jungen noch etwa zehn Wochen. Die größten Gefahren für die Kleinen gehen von Raubtieren, Greifvögeln, Waranen, Stelzvögeln, Schlangen, Fischen und größeren Artgenossen, weshalb die meisten Jungtiere nicht überleben. Krokodile pflanzen sich jährlich fort.

Ernährung

Junge Krokodile ernähren sich vorwiegend von Krebsen, Krabben, kleinen Reptilien und Fischen. Erwachsene Tiere können Beutetiere jeder Größe überwältigen, bis hin zu Rindern. Ihr Nahrungsspektrum reicht von Echsen, Schlangen, größere Fische, Wasservögel bis zu Säugetieren.
Krokodile sind Lauerjäger – sie liegen im Wasser und warten auf Beute. Ist diese in Sicht, tauchen sie ab und beschleunigen unter Wasser, um dann mehrere Meter aufs Ufer hinauszuschießen und die Beute zu packen. Ihre enorme Beißkraft macht ein Entkommen meist unmöglich. Das Beutetier wird unter Wasser gezogen und durch schnelle Drehungen um die eigene Achse ertränkt. Größere Tiere, werden auf die gleiche Weise zerrissen, da Krokodile nicht kauen können – ihr Unterkiefer ist mit der Zunge verwachsen.

Lebensraum
Meere
Ernährungsart
Fleischfresser
Besonderheiten
Leistenkrokodile gehören - wie alle heute lebenden Krokodilarten  - in die Unterklasse der Großsaurier, zu der auch die ausgestorbenen Dinosaurier zählten. Das Leistenkrokodil kann somit als „lebendes Fossil“ bezeichnet werden.
Tags
Arten
Artenschutz
Thematisch

Leistenkrokodil und Mensch

Aufgrund ihrer weiten Verbreitung kommen Leistenkrokodile mit vielen unterschiedlichen menschlichen Kulturen in Kontakt, in denen sie unterschiedlich wahrgenommen und auch genutzt werden. Eine große Bedrohung war vor allem in den 50er und 60er Jahren die gezielte Jagd zur Verarbeitung Modeartikeln wie Taschen, Schuhen, Gürteln und vielem mehr. Dadurch brachen die Bestände so stark ein, dass beispielsweise in Sri Lanka viele Populationen komplett ausgelöscht wurden. Seit 1979 sind Leistenkrokodile durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt, was die Bedrohung durch die Jagd stark vermindert hat. Problematisch ist heute vor allem Lebensraumverlust, etwa durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten, oder die Zerstörung von Mangrovenwäldern.

Das Krokodil in der Kulturgeschichte

Krokodile aller Arten haben über Jahrtausende Einzug in die Kulturgeschichte gehalten – wenig verwunderlich, sind die Tiere doch mehr als eindrucksvoll. Sämtliche Mythen über Krokodile zu schildern wäre unmöglich, deshalb hier nur ein paar Beispiele:
Im Alten Ägypten, wo das Nilkrokodil und das mittlerweile ausgestorbene Westafrikanische Krokodil heimisch waren, wurden sie in Gestalt der Gottes Sobek verehrt, der für ewigen Fortbestand steht. Zahlreiche Sobek geweihte Tempelanlagen verfügen über Teiche, in denen die Tiere gehalten wurden – Krokodile, die in Tempeln starben, wurden wie menschen mumifiziert.

Auf Madagaskar glaubte man, Krokodile würden nur Menschen töten, wenn diese zuvor einen Menschen getötet hatten – stand man also unter Mordverdacht, konnte man seine Unschuld beweisen, indem man unversehrt einen Fluss mit Krokodilen überquerte.

In der Kultur der Australischen Ureinwohner spielen Krokodile ebenfalls eine große Rolle: So gilt ein Krokodilvorfahr als Erschaffer des heutigen Liverpool River, indem er bei der Durchquerung des Landes den Boden durchkaute. Die Rillen füllten sich mit Wasser und bildeten den Fluss. Aus Australien stammen auch die ältesten bekannten Darstellung von Krokodilen, die rund 30.000 Jahre alt sind.

Projekte und Engagement des WWF

Wir als WWF engagieren uns stark für die Erhaltung der Krokodil-Lebensräume und ihrer Artenvielfalt, damit ein Überleben der Tiere nachhaltig gesichert werden kann. TRAFFIC (eine Kooperation zwischen WWF und IUCN) kontrolliert zusätzlich den Handel mit Krokodillederprodukten: in der Vergangenheit wurden immer wieder Märkte überprüft, auf denen Krokodilleder angeboten wurde. Außerdem steht die Organisation betroffenen Regierungen beratend zur Seite um nachhaltigen Handel zu ermöglichen.

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