Artenlexikon
Der Blauwal – Superlativ der Meere

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Balaenoptera musculus
Icon Unterarten
Familie
Furchenwale
Aktueller Bestand
10000 - 25000
Gefährdungsstatus
Stark gefährdet (IUCN, 2018)

Verbreitung

Atlantischer Ozean
Indischer Ozean
Mittelmeer
Pazifischer Ozean
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Blauwal

Er ist das größte Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat – doch gegen den Menschen scheint er nicht anzukommen: Lebensraumverlust, Lärmbelastung und Meeresverschmutzung bedrohen die faszinierenden Riesen. Als Flaggschiffart des WWF ist der Schutz der Blauwale ein vorrangiges Anliegen für uns.

Körperliche Merkmale

Er ist das größte Tier, das jemals die Erde bewohnte – um das zu veranschaulichen, überschlagen sich Beschreibungen gerne in eindrucksvollen Vergleichen: doppelt so lang wie ein Bus, ein Herz so groß wie ein PKW, eine Zunge schwerer als ein Elefant. 2.000 Luftballons würde ein Atemzug füllen und sein Ruf ist lauter als ein Düsenjet. Man ist sich einig: Blauwal – wow!
Die eindrucksvollen Meeressäuger haben eine blaugraue Farbe, die zu Bauch und Flossenunterseiten hin heller bis weiß wird. Ihr Rücken ist oft marmoriert, der Kopf einheitlich gefärbt. Oft haben Blauwale ein charakteristisches, blasses Streifenmuster auf der Unterseite der Schwanzflosse, das zur Individualerkennung genutzt werden kann. Während der Sommermonate, die die Tiere in kalten, nahrungsreichen Gewässern verbringen, sind sie häufig von einem dünnen, gelb-grünen bis braunen Film aus für sie harmlosen Kieselalgen überzogen, die den so „bewachsenen“ Walen den Spitznamen „Schwefelbäuche“ eingetragen hat. Die Schwanzflosse der Wale wird Fluke genannt. Sie ist bei dieser Art dreieckig, in der Mitte eingekerbt und bis zu 4,50 Meter breit. Wie bei allen Bartenwalen liegen die Blaslöcher leicht erhoben auf der Kopfoberseite und sind von einem Fleischwulst umgeben. Die feuchte Atemluft, die der Wal als Fontäne ausstößt, wird Blas genannt und kann beim Blauwal bis zu zwölf Meter hoch werden.
Ihre Nahrung filtern Wale durch Barten, fransige Hornplatten im Oberkiefer. Die 570 bis 790, vergleichsweise dünnen Barten werden zwischen 50 und 100 Zentimeter lang. Der Unterkiefer eines ausgewachsenen Blauwals ist der größte Knochen im Tierreich. Wie alt genau Blauwale werden können, ist schwer zu bestimmen – diejenigen, die untersucht werden können, sind keines natürlichen Todes gestorben. Man geht jedoch von einer Lebenserwartung von mindestens 80-100 Jahren aus, möglicherweise sogar älter.

Lebensweise und Fortpflanzung

Über das Sozialverhalten der Blauwale ist wenig bekannt. Meist leben sie einzeln oder in Mutter Kind Gruppen – zu größeren Ansammlungen kommt es nur bei einem übermäßigen Nahrungsangebot. Die Kommunikation erfolgt wie bei allen Walen über Akustik. Die Gesänge der Blauwale sind oft über Jahrzehnte konstant. Blauwale aus dem pazifischen Nordwesten klängen jedoch anders als Populationen, die im westlichen Pazifischen Ozean leben. Die Blauwale würden auch anders klingen als ihre Artgenossen aus der Antarktis oder Gewässern bei Chile. Die Wale nutzen dabei unterschiedliche Kombinationen von Pulsen, Tönen und Tonhöhen. Die Tauchgänge der Blauwale dauern meist zwischen zwölf und 15 Minuten und gehen etwa 150 Meter tief, sie sind aber in der Lage, deutlich tiefer zu tauchen.
Auch das Wissen über die Fortpflanzung der Wale ist – gelinde gesagt – lückenhaft. Die Tiere werden mit acht bis zehn Jahren geschlechtsreif, danach bekommen Weibchen etwa alle zwei Jahre ein einzelnes Junges. Paarungen und Geburten finden meist im Winter statt, die Tragezeit beträgt zehn bis zwölf Monate. Da die Jahreszeiten der Nord- und Südhalbkugel sechs Monate verschoben sind, sind Paarungen zwischen Nördlichen und Südlichen Blauwalen sehr unwahrscheinlich. Wo genau die Kälber zur Welt kommen, ist nicht bekannt, vermutlich im offenen Meer. Jungtiere werden rund sechs Monate mit sehr fett- und proteinreicher Milch gesäugt und können täglich bis zu 91 Kilogramm zulegen. Entwöhnt werden die Kälber nach der Wanderung in kältere, nahrungsreichere Gewässer.
Im Laufe eines Jahres unternehmen Blauwale weite Wanderungen – die Sommermonate verbringen sie in den Polarmeeren und wandern im Winter Richtung Äquator, wo sie auch in der kalten Jahreszeit Nahrung finden können.

Ernährung

Die Hauptnahrung des Blauwals ist Krill, kleine Krebstiere, die zum Zooplankton gehören und weltweit vorkommen. Krill bildet riesige Schwärme und wird als Plankton von der Meeresströmung fortbewegt. Wahrscheinlich zufällig fressen Blauwale gelegentlich auch andere Lebewesen im Plankton mit. Je nach Lebensraum variieren die Krill-Arten, die die Wale verzehren. Die Verbreitung des Krill hat auch einen großen Einfluss auf die Lebensweise der Tiere. Während Krill im Winterhalbjahr im hohen Norden und tiefen Süden weit verbreitet ist und die Blauwale deshalb offensichtlich relativ gleichmäßig in den Gewässern verteilt vorkommen, können die Wale im Sommer nur an bestimmten Orten Krill finden und halten sich somit punktuell dort auf, wo es Nahrung gibt. Auch die Tauchtiefe variiert, je nachdem, wo sich der Krill gerade befindet.
Bei der Nahrungsaufnahme schwimmen die Wale mit weit geöffnetem Maul, das sich währenddessen bis auf das Vierfache ausdehnen kann. Ist das Maul voll, schließen sie es und pressen das Wasser durch die Barten wieder heraus – die Kleintiere bleiben hängen. Diese Art des Fressen ist sehr anstrengend für die Wale – es lohnt sich also nur dann, wenn entsprechend viel Plankton im Wasser ist. Pro Tag vertilgt ein Blauwal bis zu 7 Tonnen Krill.

Lebensraum
Meere
Ernährungsart
Plankton
Besonderheiten
Die Rufe des Blauwals können bis zu 188 Dezibel laut werden - damit sind sie nicht nur einer der lautesten im Tierreich, sie sind damit sogar lauter als ein Düsenjet (140 Dezibel).
Tags
Arten
Artenschutz
Thematisch
Wal

Blauwal und Mensch

Wegen ihrer Größe, Kraft und Geschwindigkeit – bei Gefahr können Blauwale bis zu 30 Kilometer pro Stunde erreichen – waren die Tiere bis ins 19. Jahrhundert kaum zu erlegen. Das änderte sich mit der Erfindung der Harpunenkanone und der Konstruktion von schnelleren Schiffen. Der Walfang lieferte vor allem Fleisch, Öl, „Fisch“mehl und Lösungsmittel. Bis zu zehntausende Blauwale wurden ab dann jedes Jahr erbeutet. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts sank diese Zahl – auch wegen der schwindenden Populationen – auf einige hundert. Obwohl es seit den 1930 Jahren erste Schutzbemühungen gab, wurde erst 1967 von der Internationalen Walfangkommission IWC (International Whaling Commission) ein Jagdverbot erlassen, das zu einem effektiven Schutz der Tiere führte. 1982 wurde dann das internationale Walfangmoratorium verabschiedet und die kommerzielle Jagd auf alle Großwalarten verboten. Das Moratorium gilt bis heute, obgleich es von Ländern wie Japan, Island und Norwegen fortwährend gebrochen wird. Seit 1978 wurde jedoch kein absichtlicher Fang eines Blauwals mehr registriert.

Trotzdem birgt der Ozean zahlreiche menschengemachte Gefahren für das Überleben der Blauwale. Schiffsverkehr ist einerseits wegen möglicher Zusammenstöße ein Problem, zum anderen stört die zunehmende Lärmbelastung die Kommunikation der Tiere. Der Klimawandel wirkt sich vor allem auf den Krill und damit auf die Nahrungsversorgung der Wale aus – so könnten die Wanderung und die Fortpflanzung beeinträchtigt werden. Jedes Jahr landen zwischen 4,8 – 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Meeren und bilden teilweise gigantische Müllstrudel im Wasser. Dazu kommen Pestizide, Industriechemikalien, Abwässer und Öl, die unsere Meere zur Sondermülldeponie machen.

Der Wal in der Kulturgeschichte

Die Wahrnehmung des Wals hat sich in der Kulturgeschichte auf bemerkenswerte Weise gedreht: vom Meeresungeheuer und Feind zum friedlichen Riesen, der zum Symbolbild der menschlichen Zerstörungskraft gegenüber der Natur wird.
Schon in der Steinzeit waren Wale den Menschen bekannt, das zeigen etwa Felsmalereien, die in Norwegen gefunden wurden, genauso wie Werkzeuge, die aus Walknochen gefertigt wurden. Homer, Aristoteles und Plinius beschrieben die Tiere in der römischen und griechischen Antike, es besteht auch die Vermutung, dass das Meeresungeheuer, dem man Andromeda opfern wollte – bevor sie von Perseus gerettet wurde – ein Wal sein könnte. In moderner filmischer Interpretation (etwa in „Kampf der Titanen“ 2010) ist das Biest zum monströs überzeichneten Kraken geworden – wahrscheinlich ebenfalls aufgrund des Imagewandels des Wals.
Der Leviathan, ein Seeungeheuer der Bibel, ist so übermächtig, dass nur Gott es bezwingen kann – in den Darstellungen trägt es Züge von Drache, Schlange, Krokodil und Wal. Von einem Wal verschluckt wird außerdem der Prophet Jona, der im Bauch des Tieres drei Tage und Nächte um Erlösung betet und schließlich ausgespien wird.

Die berühmteste literarische Darstellung vom Wal als Widersacher ist wahrscheinlich Moby Dick, wenn auch das Tier sich in erster Linie in Ahabs Kopf als Antagonist etabliert hat und nicht in der Realität der Handlung. In Melvilles Roman wird der Wal zum Sinnbild sinnloser Rachebesessenheit und fanatischer Jagd, die nur im Verderben enden kann.

Im 20. Jahrhundert ist der Wal als „sanfter Riese“ mit seinen ätherischen Gesängen das Sinnbild des Schadens, den der Mensch in der Natur anrichtet. In Walt Disneys „Free Willy“ ist der Wal durch Gefangenschaft gebrochen und wird schließlich durch ein Kind in die Freiheit entlassen, dass den Kreis durchbricht. Und nicht zuletzt: In „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ ist das Gesang der Buckelwale die letzte Hoffnung der Menschheit auf Rettung. Ironischerweise wurden sie aber im 21. Jahrhundert ausgerottet, so dass die Crew aus dem 23. Jahrhundert zurückreisen muss, um den Planeten zu retten.

Projekte und Engagement des WWF

Seit unserer Gründung in den 60er Jahren ist der Walschutz eines der Hauptanliegen des WWF. Der Blauwal ist eine unserer Flaggschiffarten – neben Tiger, Elefant und Großem Panda. Der WWF ist weltweit in zahlreichen Projekten zum Schutz der Wale aktiv und hat bereits viel erreicht. Frühzeitig forderten wir das Ende des Walfangs. 1994 waren wir an der Errichtung des Walschutzgebietes in den Gewässern rund um die Antarktis maßgeblich beteiligt – dabei wurden 50 Millionen Quadratkilometer als Schutzgebiet für Wale, darunter Antarktische Blauwale, ausgewiesen. Im Sommer 2003 wurde das Schutzgebiet um weitere Flächen ergänzt.
Seit 2006 unterstützen wir außerdem Bemühungen in der Chiloé-Corcovado Meeresregion in Südchile. Drei Jahre zuvor hatten Forscher dort erstmals seit 100 Jahren Blauwale beobachtet. In den Sommer- und Herbstmonaten suchen dort etwa 230 Blauwale nach Nahrung und ziehen ihre Jungen auf.

Obwohl die Natur der Region weitgehend intakt ist, wird sie durch Fischzucht und -fang sowie den ansteigenden Schiffsverkehr bedroht. Lärm und Verschmutzung entziehen den Blauwalen die Lebensgrundlage und den Lebensraum. Der WWF unterstützt die Forschung des Schutzprojekts. Die Blauwale werden über Fotos identifiziert und teilweise mit Sendern ausgestattet. So können ihre Bewegungen nachverfolgt werden und bevorzugte Aufenthaltsgebiete identifiziert werden. Das so erworbene Wissen nützen wir für Lobbyarbeit bei der chilenischen Regierung. Mit Erfolg: Im Dialog mit großen Fischzuchtunternehmen werden die Standards in der Lachszucht verbessert und nachhaltige Bedingungen geschaffen. Im Jahre 2014 wurden durch den chilenischen Präsidenten die ersten beiden Meeresschutzgebiete im Golf ausgewiesen. Des Weiteren arbeitet der WWF aktiv in den Gremien der nationalen und internationalen Konventionen und Vereinbarungen zum besseren Schutz der Wale mit.

Wichtige Faktoren in unserer Arbeit zum Schutz der Wale sind:
– Analyse und Entwicklung von Maßnahmen, um den Beifang von Walen zu vermindern
– Reduzierung von Schiffszusammenstößen
– Klimaveränderungen und die Auswirkungen auf Wale
– Unterstützung von Walbeobachtung und-forschung
– Walfang unter einer strengen Kontrolle der Internationalen Walfangkommission (IWC)
– Projekte zum Schutz bedrohter Arten und Populationen
– Förderung von Walschutzgebieten

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