Artenlexikon
Der europäische Flussaal – Verwandlungskünstler des Wassers

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Anguilla anguilla
Icon Unterarten
Familie
Aale
Gefährdungsstatus
Vom Aussterben bedroht (IUCN, 2018)

Verbreitung

Afrika
Asien
Atlantischer Ozean
Europa
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Europäischer Flussaal

Europäische Flussaale besitzen einen komplexer Lebenszyklus, der viele Merkmale aufweist, die sie für Überfischung sehr anfällig machen: Langlebigkeit, große Körpergröße, späte Geschlechtsreife (zwischen vier und zwanzig Jahren), Laichung zur gleichen Zeit, hohe Sterblichkeitsrate und eine transatlantische Wanderroute.

Körperliche Merkmale

Erwachsene Aale haben einen schlangenartigen Körper, der mit winzigen, länglich-ovalen Schuppen besetzt ist. Rücken-, Schwanz-, und Afterflosse bilden zusammen einen langen Flossensaum, der für die Tiere charakteristisch ist.
Im Laufe ihres Lebens verändert sich die Körperform und Farbe der Aale grundlegend (siehe Lebensweise). Die Lebenserwartung liegt nach Schätzungen bei bis zu 50 Jahren, in Gefangenschaft bei über 80.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die Aale schlüpfen in der Sargassosee in der Nähe der Bahamas. Wegen ihres Aussehens werden sie auch Weidenblattlarven genannt. In dieser Form werden sie etwa drei Jahre lang mit dem Golfstrom durch den Atlantik nach Europa getrieben. Dort entwickeln sie sich zu den etwa sieben Zentimeter großen Glasaalen, durch deren durchscheinende Haut man das rote Herz sehen kann. Von der Küste aus schwimmen sie flussaufwärts und werden stetig dunkler, ihr Rücken färbt sich oliv- bis graubraun und ihr Bauch gelblich, weshalb sie nun auch Gelbaale genannt werden. Zwischen sechs und zwölf Jahren verbringen sie in diesem Stadium, bis sie ihre Geschlechtsreife erreichen. Als erwachsene Silber- oder Blankaale, mit dunkel grau-grünem Rücken, silbern glänzendem Bauch und spitz zulaufendem Kopf legen sie nun Fettreserven für die nächste Reise an. Denn nun schwimmen sie zurück in die Sargassosee an ihren Geburtsort. Während dieser Strecke nehmen sie keine Nahrung mehr auf. Als Anpassung an das Meer werden ihre Augen größer. Angekommen laichen sie nun selbst ab und sterben.

Die Lebenszyklen sind dabei individuell durchaus verschieden – bei den weiter südlich vorkommenden Aalen beispielsweise ist er kürzer. Auch schwimmen nicht alle Europäischen Flussaale ins Süßwasser – viele wachsen auch im Meer heran, in der Ostsee etwa 80 Prozent. Die Geschlechtsreife variiert zwischen vier und 20 Jahren, abhängig von den Breitengraden, ihrem Ökosystem und weiteren Umweltbedingungen. Aale sind sogenannte katadrome Fische – das bedeutet, sie verbringen den Großteil ihres Lebens im Süßwasser und schwimmen nur zur Fortpflanzung ins Meer.

Ernährung

Als Larven fressen die Tiere Plankton, als „Jugendliche“ wiederum Insektenlarven, kleine Muscheln, Schnecken und Würmer. Erwachsene Aale ernähren sich von größeren Tieren wie Krebsen, Fischen und Fröschen.

Lebensraum
Meere
Ernährungsart
Allesfresser
Tags
Arten
Artenschutz
Fische
Thematisch

Flussaal und Mensch

Der Aal ist ein beliebter Speisefisch. Er eignet sich wegen seines fettreichen Fleisches besonders gut zum Räuchern, wird aber auch gebraten oder gekocht. Während in Europa in erster Linie ausgewachsene Aale gegessen werden, gelten Glasaale in Asien als Delikatesse. Die vorrangig von den südeuropäischen Staaten gefangenen Glasaale werden zu über 50 Prozent nach Asien exportiert. Durch den Handel mit Glasaalen ist der Aal heute vom Aussterben bedroht. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) ist die Art auf Anhang II gelistet, somit darf Aal nur noch kontrolliert gehandelt werden.

„Aalzucht“ ist leider auch keine nachhaltige Alternative – denn bisher ist es nicht gelungen, Aale in Gefangenschaft zu paaren. Also müssen wiederum Glasaale gefangen werden, die dann gemästet und aufgezogen werden. Dementsprechend ist die Hauptbedrohung für die Aale die Überfischung. Aber auch Wasserverschmutzung und Lebensraumverlust machen den komplexen Tieren zu schaffen. Wanderrouten werden oft durch Dämme, Wehre oder Turbinen verbaut, in denen die Tiere nicht selten zu Tode kommen.

Aale in der Kulturgeschichte

In der Mythologie Samoas geht die Entstehung der Kokospalme auf einen verliebten Aal zurück. Oder vielmehr einen König in Aalgestalt. Dieser verwandelte sich in den Fisch um die berühmte Schönheit einer jungen Frau zu betrachten. Sie entdeckte ihn und machte ihn zu ihrem Schmusetier. Als alter „Mann“ offenbarte sich ihr der König und wies sie an, seinen Kopf zu vergraben. Daraus wuchs eine Kokospalme.

In der Melanesischen Mythologie lebt Abaia, ein riesiger magischer Aal am Grunde von vielen Süßwasserseen. Er betrachtet alle Lebewesen dieser Gewässer als unter seinem Schutz und rächt sich bitterlich an allen, die ihnen Schaden zufügen.
Auch in europäischen Mythen wie der Midgardschlange, oder sogar dem Loch Ness Monster, werden Aale mitunter als Ursprung vermutet.

Projekte und Engagement des WWF

Ein Herzstück des WWF ist die Nachhaltige Fischerei. Unter nachhaltigem Fischfang versteht man, dass die eingesetzten Fangmethoden und ihre Anwendung die Fischbestände auf einem stabilen Niveau halten und diese nicht in ihrer Fortpflanzungsfähigkeit eingeschränkt werden. Weiterhin zielt nachhaltige Fischerei darauf ab, die Auswirkungen auf die Meeresumwelt sowie unerwünschte Beifänge auf ein Minimum zu minimieren. Dazu gehören natürlich auch Forschung und Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Interessensgruppen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen können dann Fangmengen so festgelegt werden, dass Bestände nicht geschwächt werden – oder bereits geschwächte Bestände sich erholen können. Nur so hat der Aal noch eine Chance, wieder auf ein tragfähiges Niveau zu kommen. Natürlich müssen auch sämtliche anderen Bedrohungen in die Schutzmaßnahmen miteinbezogen werden, z.B. Lebensraumverlust und Durchgängigkeit der Flüsse.

Bei der verantwortungsvollen Wahl des Fischs hilft der WWF mit seinem Einkaufsratgeber für Fisch und Meeresfrüchte. Darin bewerten wir rund 70 gängige Fischarten nach ökologischen Kriterien wie Bestandsentwicklung und Fangmethoden. „Gute Wahl“ bedeutet: Diesen Fisch können Sie guten Gewissens genießen.

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