Artenlexikon
Der Schweinswal – kleine Fressmaschine

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Phocoena phocoena
Icon Unterarten
Familie
Schweinswale
Gefährdungsstatus
Nicht gefährdet (IUCN, 2020)

Verbreitung

Atlantischer Ozean
Europa
Nordamerika
Pazifischer Ozean
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Gewöhnlicher Schweinswal / kleiner Tümmler

Der gewöhnliche Schweinswal ist in Europa eine der am häufigsten vorkommende Walarten. Und obwohl er (noch) nicht als gefährdet gilt, machen Umweltgifte, Schiffslärm und Fischernetze den Meeressäugern das Leben schwer. Zusätzlich ist sein Futterbedarf hoch – weshalb er sehr sensibel auf Veränderungen im Ökosystem reagiert.

Körperliche Merkmale

Schweinswale sind die kleinsten Wale in offenen Gewässern. Sie gehören – wie die Gründelwale und die Delphine selbst – zu den Delphinartigen, weshalb sie den Delphinen optisch stark ähneln. Schweinswale sind Zahnwale. Von den Delfinen unterscheiden sie sich unter anderem durch das fehlende schnabelförmige Maul und ihre spatelförmigen Zähne. Bei Delfinen sind sie kegelförmig. Schweinswale atmen durch ein Blasloch, das (vom Wal aus gesehen) nach links versetzt oben auf dem Schädel sitzt. In ihren großen Lungen können sie genug Luft sammeln, um sechs Minuten lang unter Wasser zu bleiben und dabei bis zu 80 Meter tief zu tauchen. Unter Wasser orientieren sie sich kaum mit ihren Augen, sondern weitgehend über ihr sehr gutes Gehör. Sie besitzen die Fähigkeit zur Echoortung. Dabei stoßen sie Laute im hochfrequenten Bereich aus, die von Hindernissen als Schallwellen zurückgeworfen werden. Schall hat im Wasser eine weitaus höhere Reichweite als Licht. Die so genannte Melone auf der Stirn der Schweinswale, eine Wölbung aus fettreichem Gewebe, bündelt die reflektierten Schallwellen zum kaum sichtbaren Ohr.
Sie haben einen dunkelgrau gefärbten Körper mit heller Bauchseite. Eine auffällige graue Linie verläuft von direkt unter dem Auge bis zum hinteren Ende der Brustflosse. Zahnuntersuchungen zeigen, dass Schweinswale bis zu 25 Jahre alt werden können, jedoch ist die Lebenserwartung nord- und mitteleuropäischer Schweinswale, aufgrund ihrer sich negativ veränderten Umwelt wie beispielsweise Lebensraumverschmutzung, stark gesunken und beträgt nur noch etwa 8 Jahre.

Lebensweise und Fortpflanzung

Schweinswale sieht man meist in kleinen Gruppen von weniger als zehn Tieren, am häufigsten in Zweiergruppen oder alleine. In guten Nahrungsgründen oder während der Wanderung sind manchmal auch größere Gruppen anzutreffen. Sie sind erheblich scheuer und weniger spielerisch als andere Wale, sie springen nicht aus dem Wasser und sind schreckhaft. Auch der Blas – die durch das Blasloch ausgeatmete Luft – ist im Gegensatz zu anderen Walen kaum sichtbar. Die Tiere werden zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr geschlechtsreif. Sie paaren sich im Sommer und die Weibchen tragen die Kälber etwa ein Jahr lang aus. Die fünf Kilo schweren Neugeborenen kommen mit der Schwanzflosse zuerst zur Welt. Die Geburtszeit liegt meist zwischen Mai und Juli. Vor der norwegischen Küste wurden auch Geburten bereits im März beobachtet. Die Kälber werden für etwa acht Monate gesäugt. Die Weibchen bekommen alle ein bis zwei Jahre ein Kalb.

Ernährung

Schweinswale fressen hauptsächlich kleine Schwarmfische wie Hering, Makrele, Sandaal, Sardine, Lodde und Plattfische wie die Flunder. Sie jagen außerdem Weichtiere wie Tintenfische und kleine Kraken oder auch Krebstiere. Die täglich aufgenommene Menge entspricht etwa zehn Prozent ihres Körpergewichts, denn der Stoffwechsel der Tiere ist enorm schnell.

Lebensraum
Meere
Ernährungsart
Fischfresser
Besonderheiten
Schweinswale gehören zu den besten Jägern unter Wasser - sie fangen bis zu 550 Fische pro Stunde.
Tags
Arten
Artenschutz
Thematisch
Wal

Schweinswal und Mensch

Menschliche Aktivitäten verändern ihren Lebensraum und gefährden die Schweinswale. Wurden sie früher gezielt gejagt, vor allem wegen ihrer Speckschicht, aus der Tran gewonnen wurde, verenden die Tiere heute oft unbeabsichtigt als Beifang in Fischernetzen – sie verfangen sich und ertrinken. Dadurch wurde beispielsweise der Vaquita – oder auch Kalifornische Schweinswal – an den Rand des Aussterbens gebracht und heute dürften nur mehr ca. 30 Individuen leben. Sein Überleben steht damit auf Messers Schneide. Weites erschwert Bootslärm, aber auch der Lärm von Bohrinseln und Industrieanlagen den Tieren die Orientierung, die sich hauptsächlich über Echolot, also über ihr Gehör abspielt. Auch durch Gifte sind die Tiere bedroht: man nimmt an, dass Umweltgifte im Meer – wie Kohlenwasserstoff-Verbindungen, Insektizide wie polychlorierte Biphenyle (PCBs), Dioxine und Schwermetalle – negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit und das Immunsystem der Meeressäuger hat.

Der Schweinswal in der Kulturgeschichte

In der Kultur der Haida, ein indigenes Volk im heutigen Kanada, existiert die Legende der „Porpoise People“ (Porpoise, engl. = Schweinswal). Diese delfinartigen Wesen lebten in Unterwasser-Siedlungen und kontrollierten einen Großteil der Nahrungsversorgung der Menschen. Auch das Volk der Quinault, das im heutigen Washington beheimatet ist, kennt die mythischen Wesen – der Legende nach hätten zwei Brüder einst eins der Wesen mit einem Speer durchbohrt, worauf es sie mit sich in ein mystisches Dorf hinabgezogen hätte. Dort hätten die Brüder über die verschiedenen Fischarten und Nahrungsquellen gelernt.

Projekte und Engagement des WWF

Wir als WWF fördern weltweit Projekte zum Schutz von Walen, Delfinen und Tümmlern. Wichtig ist dabei natürlich die Forschung zum besseren Verständnis und zum Erarbeiten von Lösungsstrategien. Auch Training und Ausbildung von Naturschützer*innen gehören zu unseren Schwerpunkten.
Auch die internationale Gesetzeslage muss angepasst werden – wir arbeiten dementsprechend an nationalen und internationalen Konventionen und Vereinbarungen zum besseren Schutz der Wale. Außerdem setzt sich der WWF dafür ein, dass die Gefährdung der Wale durch Beifang der modernen Fischereiindustrie reduziert wird. Wichtigste Themenfelder sind:
Reduktion des Beifangs oder das Verfangen von Walen in verlorengegangenen Fischernetzen (sogenannter Geisternetze)
Reduktion von Schiffskollissionen
Klimaveränderungen und die Auswirkungen auf Wale
Unterstützung von Walbeobachtungen
Stoppen des kommerziellen Walfangs und jegliche Formen des Subsistenz-Walfangs indigener Völker unter einer strengen Kontrolle der Internationalen Walfangkommission (IWC) Förderung von
Walschutzgebieten
Projekte zum Schutz bedrohter Arten und Populationen

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