Artenlexikon
Rote Korallen – Edle Schönheiten

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Paracorallium, Corallium
Icon Unterarten
Familie
Coralliidae
Gefährdungsstatus
Mittelmeer
Stark gefährdet (IUCN, 2014)

Verbreitung

Atlantischer Ozean
Indischer Ozean
Mittelmeer
Pazifischer Ozean
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Rote Koralle

Sie sind als Unterwasserlandschaften nicht nur prächtig, sondern stellen Lebensraum und Nahrung unzähliger Meeresbewohner dar. Die Gewächse, die eigentlich Tierkolonien sind, brauchen besondere Bedingungen, die nun durch Klimawandel, Fischerei, Industrie – kurz: den Menschen – aus dem Gleichgewicht geraten.

Körperliche Merkmale

Rote Korallen gehören zu den Weichkorallen. Eigentlich sind sie Tierkolonien, die aus winzigen Polypen bestehen. Die wirbellosen Tiere haben einen becherförmigen Körper, die obere Körperöffnung ist von acht Tentakeln gesäumt. Mit dem unteren Körperende heften sie sich an den Untergrund. Zusätzlich zu den Tentakeln besitzen die Polypen im Körperinneren fadenförmige Verteigungsorgane, die sie ausstrecken können, um Feinde abzuwehren. Da Weichkorallen kein Kalkskelett wie die Steinkorallen haben, werden sie durch den Wasserdruck und kleine Kalknadeln im Inneren ihres Körpers aufrecht gehalten.

Die Polypen selbst sind farblos, die typische Unterwasser-Farbenpracht entsteht über eingelagerte Algen, die als „Untermieter“ in den Korallen eingelagert sind. Die Kolonien sind weiß, pink, rot oder orange gefärbt und wachsen in fächer- oder buschartigen Verzweigungen. Die Kolonien der Gattung Corallium und Paracorallium können bis über einen Meter hoch werden. Allerdings geht das Wachstum sehr langsam voran. Die Arten wachsen weniger als einen Zentimeter pro Jahr und können 75 bis 100 Jahre alt werden. Korallenkolonien bieten mit ihrer stark verzweigten Struktur vielen anderen Arten einen Lebensraum. Festsitzenden Wirbellosen geben sie Schutz vor der Meeresströmung und Fressfeinden. Viele andere Arten nutzen die Kolonien als Nahrungs- und Laichgebiet sowie als Rückzugsmöglichkeit.

Lebensweise und Fortpflanzung

Rote Korallen werden etwa im Alter von sieben bis zwölf Jahren geschlechtsreif. Die Polypen sind meist zweigeschlechtlich und können sich sowohl geschlechtlich wie auch ungeschlechtlich fortpflanzen. Bei der Fortpflanzung mit Artgenossen werden Spermien und Eier ins Wasser abgesondert – das geschieht meist einmal im Jahr und dann bei allen Korallen eines Riffs gleichzeitig – so wird die Chance auf Befruchtung erhöht. Aus befruchteten Eiern entwickeln sich Larven, die auf der Suche nach einem passenden Untergrund mehrere Tage bis Wochen im Wasser überleben können. Die „Kindersterblichkeit“ unter den Korallen allerdings ist hoch: 95 der Larven schaffen es erst gar nicht, sich an einen passenden Untergrund zu heften. Und auch mehr als 70 Prozent der Korallen sterben in den ersten vier Lebensjahren.
Einzelkolonien wachsen vor allem durch ungeschlechtliche Fortpflanzung – dabei „verdoppelt“ sich ein erwachsener Polyp, indem er einen neuen ausbildet, der dann auf dem elterlichen Gewebe aufsitzt.

Ernährung

Die Polypen der Korallen fangen mit ihren klebrigen Tentakeln Plankton. Mit den Tentakeln führen sie die Beute dann zur Mundöffnung und ins Körperinnere. Mitunter fangen Rote Korallen auch Zooplankton, wie beispielsweise Krebstiere. Unverdauliche Rückstände werden ebenfalls über die Mundöffnung wieder ausgeschieden.

Lebensraum
Meere
Ernährungsart
Plankton
Tags
Arten
Artenschutz
Thematisch

Korallen und Mensch

Die Hauptbedrohung für die roten Korallen sind Schäden durch zerstörerische Fischereimethoden, wie die Verwendung von Grundschleppnetzen. Diese schaben den Meeresboden regelrecht ab und lassen oft eine öde Fläche ohne Leben zurück. Weiters tragen Meeres-Verschmutzung, Sedimenteintrag und das gezielte Sammeln roter Korallen für heiß begehrten Schmuck zur Reduktion der Bestände bei. Darüber hinaus bedrohen Schäden durch Bootsanker, die Verbauung der Küsten sowie invasive Arten diese Schönheiten. Auch der vom Menschen gemachte Klimawandel schadet den faszinierenden Meeresbewohnern.
Zerstörte Korallenriffe erholen sich nur langsam. Die Regeneration dauert oft mehrere hundert Jahre. Ein Problem für die Korallenkolonien ist dabei auch, dass sich kaum noch ältere geschlechtsreife Individuen entwickeln können. Corallium und Paracorallium Arten werden erst im Alter von 7 bis 10 Jahren geschlechtsreif. Durch die rücksichtslose Ausbeutung bestehen die Bestände heutzutage vor allem aus kleinen, nicht fortpflanzungsfähigen Kolonien.

Korallen in der Kulturgeschichte

Korallen und Korallenäste, insbesondere roter Korallen, wurden schon in der Antike für Amulette verwendet. Sie galten als Schutz gegen Krankheiten, Blitzschlag und Missbildungen. Im alten Ägypten wurden sie mit Isis und in Rom mit Venus assoziiert. Rosenkränze aus Korallen („Paternosterkrallen“) waren im Nachmittelalter sehr beliebt. Im italienischen Volksglauben schützen Korallen Kinder gegen Unheil. Das Jesuskind wird oft mit Korallenkette und Halsband mit Korallenast dargestellt. Im Mittelalter wurden die Kalkskelette zu Pulver zermahlen und als Arzneimittel angewendet.

Projekte und Engagement des WWF

Wir als WWF arbeiten an Korallenriffen auf der ganzen Welt und auch an spezifischen Initiativen. Erst 2020 wurde nach jahrelanger Lobbyarbeit der neue mehrjährigen Managementplan für Rote Korallen im Mittelmeer verabschiedet. Das ist ein großer Erfolg für den Meeresschutz. Der Managementplan beinhaltet unter anderem auch Maßnahmen zu Verhinderung des illegalen Abbaus und Handels mit Roten Korallen.
Darüber hinaus arbeiten wir auch am Schutz von tropischen Riffen. Wissenschaftliche Analysen haben ergeben, dass nicht alle Korallen gleich anfällig auf den Klimawandel sind. Gleichzeitig sind viele Korallenriffe durch Meeresströmungen verbunden. Wenn man es also schaffte, das Klima zu stabilisieren und den Druck auf die Riffe zu verringern, könnte man solche widerstandsfähigen Korallenkolonien als „Brutkasten“ für die Wiederausbreitung der Korallen nutzen.

Auf diesem Gedanken basiert die Coral Reef Rescue Initiative, eine Partnerschaft zwischen dem WWF und anderen führenden Organisationen zum Schutz und zur Entwicklung von Korallenriffen. Die Initiative ermittelt die widerstandsfähigsten Korallenriffe („Regenerations“-Riffe) und abhängigen Gemeinschaften. Wenn diese erfolgreich vor den Bedrohungen geschützt werden können, erhöhen sich die Chancen, dass die von ihnen produzierten Larven den nahe gelegenen Riffen zugute kommen und ihre Erholung fördern. Die Initiative konzentríert sich auf sieben Hauptländer: Fidschi, Salomon-Inseln, Indonesien, Philippinen, Madagaskar, Tansania und Kuba. Diese machen 70 Prozent der regenerativen Kapazität der Korallenriffe weltweit aus.

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