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Praxis-Test : Wie funktioniert Collective Action?
Aktive Einbindung sichert Wertschöpfungsketten
Durch den Anbau von Beeren, insbesondere Erdbeeren, gerät eines der wertvollsten Feuchtgebiete Europas immer stärker unter Druck. Die Region rund um den Nationalpark Coto de Doñana im Süden Spaniens ist ein Beispiel dafür, wie intensive Landwirtschaft, Erderhitzung und Biodiversitätsverlust sensible Naturgebiete zerstören. Gleichzeitig zeigt ein Projekt des WWF und weiteren Partnerorganisationen in der Region jedoch auch, wie gemeinsame Lösungen einen Weg für die Zukunft öffnen.
Lieferketten reichen nach Österreich.
Spanien gilt weltweit als einer der größten Exporteure von frischen Erdbeeren. Knapp die Hälfte, der nach Österreich importierten Erdbeeren, stammt aus dem ökologisch sensiblen Gebiet. Dadurch müssen auch zahlreiche österreichische Händler, die Auswirkungen ihrer Lieferkette dort minimieren. Nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht.
Wirtschaftliche Einbußen durch fehlende Ökosystemleistungen.
Ein zentrales Problem ist die intensive Wasserentnahme für den Beerenanbau. Große Mengen Grundwasser werden zur Bewässerung der Plantagen genutzt, wodurch sich der Wasserstress in der gesamten Region verschärft. In einigen Fällen erfolgt die Nutzung von Land und Wasser auch außerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen – etwa durch illegale Brunnen oder nicht genehmigte Anbauflächen. Diese Entwicklungen setzen die empfindlichen Ökosysteme rund um den Nationalpark zunehmend unter Druck. Lagunen trocknen aus, Lebensräume und die Biodiversität schrumpfen.
Der Wasserstress wirkt sich auch finanziell auf die Produzenten und damit verbundene Lieferketten aus. Verstärkt durch häufigere Dürreperioden aufgrund der Klimakrise, können sich Ernteerträge stark reduzieren. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben zur Wasserentnahme und Reputationsrisiken, die allen voran durch die illegale Land- und Wassernutzung vorangetrieben werden.
Für Unternehmen, die in dieser Region produzieren oder ihre Lieferketten betreiben, ist es daher essenziell, die lokalen Auswirkungen ihres Handelns genau zu verstehen, um mit wirksamen Maßnahmen gegenzusteuern.
Fakten
Collective Action
Ist eine unverzichtbare Komponente im unternehmerischen Biodiversitätsschutz. Durch die aktive Einbindung von Partnern können Risiken in der Lieferkette gemeinsam minimiert und Wettbewerbsfähigkeit langfristig durch Zusammenarbeit gesichert werden.
Collective Action als Schlüssel für systemische Herausforderungen
Gerade bei komplexen Herausforderungen wie Wasserstress stoßen einzelne Unternehmen schnell an ihre Grenzen. Hier setzt der Ansatz der Collective Action an: Unternehmen, Produzent:innen, NGOs, Behörden und weitere Akteur:innen arbeiten gemeinsam daran, systemische Probleme in der Lieferkette in einer Region bzw. Landschaft zu adressieren.
In der Doñana-Region hat der WWF gemeinsam mit Partnerorganisationen ein solches länderübergreifendes Projekt im Wassereinzugsgebiet initiiert. Ziel ist es, Produzent:innen, europäische Retailer, Lieferanten sowie lokale Organisationen an einen Tisch zu bringen und zusammen Lösungen für zentrale Herausforderungen wie Wasserknappheit, Biodiversitätsrisiken und in der Doñana allen voran auch die illegale Nutzung von Land- und Wasserressourcen zu entwickeln.
Es zeigt sich bereits jetzt: Direkte Vernetzung und der intensive Austausch ermöglichen es, effizient ein fundiertes Verständnis der regionalen Gegebenheiten aufzubauen. Auf Basis dieses gemeinsamem Verständnis können weitere abgestimmte Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Gleichzeitig stärkt der Dialog Vertrauen zwischen den Beteiligten und schafft mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette.
Supplier Engagement ist unverzichtbar.
Als zentrales Learning des WWF-Projekt in Südspanien zeigt sich, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele nur erreichen können, wenn sie aktiv mit Lieferant:innen zusammenarbeiten, Risiken entlang der Lieferkette identifizieren und gemeinsam Lösungen entwickeln. Dazu gehört auch, die Perspektiven verschiedener Stakeholder einzubeziehen – von lokalen Behörden über Produzent:innen bis zu NGOs – um Maßnahmen auf die tatsächlichen ökologischen und sozialen Bedürfnisse abzustimmen.
Rund um die Doñana in der Region Huelva zeigt sich eindeutig: Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss über den eigenen Betrieb hinausblicken.
Kräfte bündeln und profitieren.
Bei komplexen ökologischen Herausforderungen sind koordinierte, kollektive Ansätze oft deutlich wirksamer als isolierte Maßnahmen einzelner Unternehmen.
Durch Collective Action entstehen Plattformen für Wissenstransfer, Transparenz und gemeinsame Verantwortung. Unternehmen bündeln ihre Kräfte, arbeiten enger mit ihren Lieferant:innen zusammen und können so nachhaltige Praktiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette schneller voranbringen – zum Schutz sensibler Ökosysteme und zur langfristigen Sicherung ihrer Lieferketten – genau das treibt der WWF Österreich gemeinsam mit seinen Partner:innen voran.
Wir unterstützen Sie auch entlang Ihrer Lieferkette.
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