Geheimtipp: Schau in die Au!

Dschungel vor den Toren Wiens: Das WWF-Auenreservat Marchegg

Der Storch und viele andere gefährdete Arten brauchen große, ursprüngliche Augebiete. Leider sind solche Landschaften durch Flussverbauungen und die moderne Landwirtschaft extrem selten geworden. Die meisten Feuchtgebiete sind mittlerweile zerstört und in Äcker und Siedlungen umgewandelt. Im 11 km2 großen WWF-Reservat Marchauen wird möglichst wenig in die Natur eingegriffen. Es ist das Herzstück der March-Thaya-Auen, in denen rund 500 gefährdete Tier- und Pflanzenarten zuhause sind.

Eröffnung 1970, © by WWF
Eröffnung 1970 © WWF

Im Juni 2020 feierten wir das 50-jährige Bestehen des Schutzgebiets! Der WWF betreibt hier eine ökologisch verträgliche Land- und Forstwirtschaft und führt verschiedene Artenschutzprojekte durch. Mehr

In den letzten Jahren wurde außerdem die March an mehreren Stellen „repariert“ – das heißt, die Flussregulierung entfernt -, sodass sie wieder mehr Wasser in die Au lassen kann. Regelmäßig überschwemmte Wiesen machen das Gebiet zu einem Paradies für Vögel, Biber, Frösche & Co – und zu einem echten Geheimtipp für Wochenend-Forscherinnen -und Forscher auf zwei Beinen!

Habt ihr Lust auf einen Abstecher in den „Dschungel“? Das geht, auch ohne ein Flugzeug zu besteigen! Was ihr in den March-Auen entdecken könnt:

Rundwanderwege und Beobachtungsplätze

Drei unterschiedlich lange Rundwanderwege führen durch das Naturreservat. Ausgangspunkt ist jeweils das Storchenhaus im Schlosspark. (Lageplan). Unser Besucherzentrum ist von März bis Oktober täglich außer Montag geöffnet. Parken kann man am besten am Hauptplatz gegenüber. Öffentlich erreicht ihr die Bahnstation Marchegg vom Wiener Hauptbahnhof aus in 44 Minuten. Von dort fährt (unregelmäßig) ein Bus ins Ortszentrum.

Holt euch im Storchenhaus Infos und eine gratis Gebietskarte. Dort bekommt ihr auch die Unterlagen für unsere spannende Auen-Rätselrallye! Rechts am Schloss (das derzeit Baustelle ist) vorbei auf den Damm hinauf, und danach links entlang der Mauer, gelangt ihr zur Holzbrücke. Direkt nach der Brücke steht der Wegweiser.

Storchenweg (2 km) , Unkenweg (4 km) , Biberweg (7 km), © by WWF/Mohl
Storchenweg (2 km) , Unkenweg (4 km) , Biberweg (7 km) © WWF

Rechts gehts zur Storchenkolonie, und geradeaus durch das Gatter direkt in die Au. Ab jetzt bitte Hunde an die Leine, auf den Wegen bleiben und: Augen und Ohren auf! Einige Stellen sind mit QR-Codes versehen. 

Welche Tiere ihr sehen könnt

Weißstörche – besucht Familie Adebar!

Storchenhorst , © by K.Kracher
Storchenhorst  © K. Kracher

Der Aussichtsturm links hinter dem Schloss ist perfekt, um Störche beim Brüten zu beobachten. Ein Elternteil sitzt bei den Küken im Nest, während der andere mit Futter angeflogen kommt. Zur Begrüßung wird der Kopf nach hinten geworfen und laut mit dem Schnabel geklappert! Die Störche könnt ihr zwischen März und August sehen.

Sehr elegant: der Graureiher

Ein Graureiher, © by rzierik_pixabay
Ein Graureiher © rzierik_pixabay

In den hohen Pappeln rechts hinter dem Schloss (am Damm nach rechts gehen) wohnen die Graureiher. Auch Milane, Kormoran und der scheue Schwarzstorch, lassen sich blicken. Mit etwas Glück entdeckst du dort oder anderswo im Reservat einen riesigen Greifvogel mit brettartigen Flügeln – ein Seeadler!

Sanfte „Rasenmäher“: unsere Koniks

Pferdeweide, © by M.Schickhofer/WWF
Pferdeweide © M. Schickhofer/WWF

Koniks stammen vom Wildpferd ab, sind klein wie Ponys und leben ganzjährig draußen. Unsere Herde hält die Wiesen kurz und macht so Schwarz- und Weißstorch die Jagd auf Beute leicht. Falls ihr Koniks, die sich überall innerhalb des Weidezauns aufhalten, trefft: bitte Abstand halten, nicht streicheln und nicht füttern – danke! Die Konikpferde leben das ganze Jahr über im Freien.

Urzeitkrebse: die Dinos der Au

Urzeitkrebse aus der Langen Luss, © by Matthias Svojtka
Urzeitkrebse aus der Langen Luss © Matthias Svojtka

Die Urzeitkrebs-Art Triops gilt als die älteste noch lebende Tierart der Welt! Das Krebschen lebt in seichten Wiesentümpeln, die nach Überschwemmungen entstehen. ZB. gleich links und rechts am Beginn des „Storchenweges“. Im Storchenhaus gibt es ein Modell zum Anschauen!

Unkenrufe und Froschkonzerte

Eine rufende Rotbauchunke, © by Ute Nüsken
Eine rufende Rotbauchunke © by Ute Nüsken

Frösche, Kröten und Unkenarten sind überall stark gefährdet. Hier gibt es diese Amphibien noch zahlreich! Geht den „Unkenweg“ etwa 1 Std. entlang bis zur großen Beobachtungsplattform. Hört ihr ein dumpfes, glockenartiges Rufen? Vermutlich Rotbauchunken! Wasserfrösche quacken heller und kürzer.

Europäische Sumpfschildkröte

Europäische Sumpfschildkröte, © by A. Kresse/4nature
Europäische Sumpfschildkröte © A. Kresse/4nature

Am selben Auweiher wie die Amphibien, lebt auch diese seltene Schildkröte. Sie nimmt gerne ein Sonnenbad auf Totholz, das im Wasser treibt. Sie kann super tauchen und schwimmen. Mit etwas Geduld gelingt es dir vielleicht, sie mit dem Fernglas zu entdecken.

Enten erforschen

Was für ein Schnabel! Männliche Löffelente, © by pixabay
Was für ein Schnabel! Männliche Löffelente, © pixabay

An einem Altarm am langen Biberweg (dzt. wegen Sanierung der Brücken tw. gesperrt) gibt es einen Beobachtungsstand. Hier habt ihr einen schönen Ausblick auf Stock-, Knäk-, Reiher-, und Löffelenten. Die Wasserlinsen, die wie ein grüner Teppich auf den Gewässern liegen, schmecken ihren Küken hervorragend!

Der Biber: er hilft anderen Tieren!

Ein Biber lässt es sich schmecken, © by Leopold Kanzler/www.fotopirsch.at
Ein Biber lässt es sich schmecken, © Leopold Kanzler/www.fotopirsch.at

Ihn selbst bekommst du kaum zu sehen. Aber seine Spuren wie abgenagte Äste und gefällte Bäume findest du am „Biberweg“ an vielen Stellen! Fische nutzen sie als Unterstand, Frösche, Libellen und Schildkröten als Sonnenterrasse und Käfer zum Brüten. Burgen legt der Biber an der March nicht an: hier ist das Wasser tief genug.

Fledermäuse: Jäger der Nacht

Großes Mausohr: Unsere größte Fledermaus, © by WWF
Großes Mausohr: Unsere größte Fledermaus © WWF

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können! Etwa 20 Arten leben im WWF-Reservat – von der winzigen Mückenfledermaus bis zum großen Abendsegler. Fragt im Storchenhaus nach der nächtlichen Spezialexkursion, um euch mit Fledermausdetektor auf ihre Spuren zu begeben!

Ein Käfer mit Hörnern wie ein Stier

Illyrischer Stierkopf-Dungkäfer , © by Siga/wikimedia commons
Illyrischer Stierkopf-Dungkäfer © Siga/wikimedia commons

Käfer sind erstaunliche Insekten! Hirschkäfer und Großer Eichenbock zB. sorgen dafür, dass es im „Totholz“ vor Leben nur so wuselt. Andere brauchen eine ganz spezielle Umgebung, nämlich Dung. Sicher hast du die vielen Pferde“äpfel“ überall am Boden bemerkt. 30 Dungkäfer-Arten leben in und vom Kot der Koniks! Ihre Larven sind ein Leckerbissen für Störche.

Gelsen: Ja- du hast richtig gelesen!

Ein Insektenschwarm, © by schauhi/pixabay
Ein Insektenschwarm © schauhi/pixabay

Auch wenn die kleinen Quälgeister lästig sein können, sind sie sehr wichtig für die Au. Die Gelsenlarven filtern das Wasser sauber und dienen Fledermäusen, Fischen und Schwalben als Futter. Von den ca. 35 Gelsenarten der Marchauen stechen nur wenige, und von diesen nur die Weibchen. Der Rest ernährt sich von Nektar!

Zu den meisten der hier vorgestellten Tiere findest du auf unserer Webseite spannende Infos für Kinder. Gib am besten den Tiernamen ins Suchfeld ein! Wenn du den Artikel nicht findest oder eine Frage hast, schreib uns gerne an teampanda@wwf.at

Viel Spaß bei deiner Entdeckungsreise im Auendschungel!

 

Bis bald! Deine Pia, © by WWF
Bis bald! Deine Pia © WWF

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