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Was bringt der neue SBTi Net Zero-Standard 2.0?

Die wichtigsten Änderungen für Sie im Überblick

Der Corporate Net Zero Standard 2.0 der Science Based Targets Initiative (SBTi) wurde im Juni 2026 veröffentlicht. Er bringt weitreichenden Änderungen für österreichische Unternehmen, die bereits wissenschaftsbasierte Klimaziele verfolgen oder sich solche in Zukunft setzen wollen.

Die Änderungen betreffen quasi alle Bereiche der Zielsetzung und Validierung: Von den Anforderungen an die Governance über die Zielsetzung bei Scopes 1, 2 und 3 bis zum neuen Programm zur Übernahme von Verantwortung für weiterhin anfallende Emissionen. Darüber hinaus wurden auch die Kategorisierung von Unternehmen und der Validierungszyklus überarbeitet.

 

Verpflichtender Transitionsplan, zyklische Validierung und aktualisierte Zielpfade: zentrale Änderungen im Überblick

1. Unternehmens-Kategorisierung

Die bisherige Einteilung in realwirtschaftliche Unternehmen, Finanzinstitute und SMEs (= kleine und mittlere Unternehmen) wird durch eine neue Kategorisierung in zwei Gruppen abgelöst.

Neben der Größe der Unternehmen findet nun auch deren geografische Lage Beachtung. Unter Kategorie A fallen große Unternehmen auf der ganzen Welt sowie mittelgroße Unternehmen mit Sitz in Ländern mit höherem Einkommen. In Kategorie B sind hingegen mittelgroße Unternehmen in Ländern mit geringerem Einkommen und kleine und sehr kleine Unternehmen in allen Ländern angesiedelt.

Für Unternehmen der Kategorie B gelten gewisse Erleichterungen. So sind beispielsweise die Offenlegung eines Transitionsplans und das Setzen von Scope 3-Zielen optional für Kategorie B-Unternehmen.

2. Net Zero-Governance & Transitionsplanung

Der neue Standard verlangt nun das Buy-in der Vorstandsebene eines Unternehmens für die Zielsetzung und Implementierung von wissenschaftsbasierten Klimazielen. Das bedeutet unter anderem, dass die höchste Führungsebene die SBTi-Ziele absegnen muss.

Darüber hinaus müssen Unternehmen künftig einen Transitionsplan entwickeln, wie sie Net Zero bis spätestens 2050 erreichen wollen. Kategorie A-Unternehmen müssen ihren Transitionsplan auch veröffentlichen, für Kategorie B ist die Publikation freiwillig.

3. Scope 1

Eine der größten Änderungen im Corporate Net Zero-Standard 2.0 ist, dass nun getrennte Ziele für Scope 1 und 2 zu setzen sind. Bisher war die Einreichung eines gemeinsamen Ziels für beide Scopes erlaubt, wodurch ein Ausgleich mangelnder Reduktion in einem Scope durch den anderen möglich war. Künftig werden Unternehmen stets bei beiden Scopes Reduktionen nachweisen müssen, um ihre Ziele zu erreichen.

Außerdem sind nun verschiedene Optionen an Scope 1-Zielen vorhanden: Neben der absoluten Emissionsreduktion können sich die Ziele auch auf die Emissionsintensität oder die Transition von Anlagen beziehen.

Darüber hinaus werden die Dekarbonisierungspfade auf den neuesten wissenschaftlichen Stand angepasst. Die Berechnung der jährlich notwendigen Reduktionen basiert nun hauptsächlich auf dem neuesten Net Zero Emissions-Szenario der Weltenergieagentur aus dem Sechsten Klimasachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC AR6).

4. Scope 2

Im Rahmen der Trennung von Zielen für Scope 1 und 2, sind auch neue Optionen für die Scope 2-Zielsetzung entstanden. Neben den bekannten Emissionsreduktionszielen können nun auch Ziele zur Erhöhung des Anteils an Niedrigemissionsstrom oder eine Kombination aus beiden Zielen gesetzt werden.

Stündliche Zuordnung („hourly matching“) von Stromlieferverträgen und Stromkonsum wird empfohlen, aber nicht verlangt. Ab bestimmten Matching-Raten können Unternehmen eine Anerkennung als Vorreiter auf diesem Gebiet von SBTi erhalten.

5. Scope 3

Die Vorgaben zu Scope 3 sind im neuen Standard grundlegend überarbeitet und sollen Unternehmen die Möglichkeit geben, sich auf ihre wesentlichen Emissionsquellen und Einflussgebiete in der Wertschöpfungskette zu fokussieren. So gelten auch keine pauschalen Untergrenze für die Abdeckung von Scope 3-Emissionen mehr, sondern es sind alle relevanten Emissionskategorien mit einem Anteil von mindestens 5% an den gesamten Scope 3-Emissionen einzubeziehen.

Auch verschiedene Arten von Zielen sind möglich:

  • Übergreifende Emissionsreduktionsziele
  • Übergreifende Alignment-Ziele von Lieferant:innen oder Kund:innen
  • Ziele für spezifische Emissionskategorien oder Aktivitäten

Scope 3-Ziele sind bei der kurzfristigen Zielsetzung von Unternehmen der Kategorie A verpflichtend und in allen anderen Fällen optional.  

6. Umsetzung von Zielen

Ganz neu ist im Corporate Net Zero-Standard 2.0 die Einführung einer Hierarchie, die eine glaubwürdige Umsetzung von Zielen definiert:

  1. Direkte Interventionen, die Emissionen an der Quelle des Unternehmens bzw. in der Wertschöpfungskette reduzieren, sind stets zu bevorzugen.
  2. Interventionen in geteilten Systemen wie dem Strom- und Gasnetz sind anschließend empfohlen.
  3. Interventionen auf Branchenebene sind zulässig, sofern diese mit der gleichen Art von Aktivitäten und geografisch in Zusammenhang stehen.

Auch für die Verwendung von Marktinstrumenten stellt der neue Standard Qualitätskriterien auf.

7. Verantwortung für weiterhin anfallende Emissionen

Zusätzlich zur Emissionsreduktion, die unverändert im Zentrum steht, betont SBTi mit dem neuen Standard den Bedarf an beschleunigtem Handeln bezüglich Emissionsreduktionen und CO2-Entnahme außerhalb der Wertschöpfungskette. Dabei ergänzen Aktivitäten außerhalb der Wertschöpfungskette stets die innerhalb des eigenen Unternehmens und der Wertschöpfungskette und können sie nie ersetzen.

Im Rahmen des so genannten „Responsibility for ongoing emissions“ (ROE)-Programms werden Unternehmen ermutigt, Verantwortung für zumindest einen Teil ihrer weiterhin auf dem Weg zu Net Zero anfallenden Emissionen zu übernehmen, indem sie in zusätzliche Emissionsreduktionen und Entnahme investieren. Dabei sind verschiedene Stufen der Anerkennung durch SBTi vorgesehen – je nach Anteil der eigenen Emissionen, für die Verantwortung übernommen wird.

Ab 2035 ist vorgesehen, dass Unternehmen der Kategorie A verpflichtend in die CO2-Entnahme investieren und sich so der Neutralisierung ihrer Restemissionen im Net Zero-Jahr nähern müssen.

 

8. Validierungszyklus

Statt einem linearen gibt es nun einen zyklischen Validierungsprozess. Das bedeutet, dass Unternehmen über ihren Fortschritt bei der Zielerreichung an SBTi berichten und dieser bei der Einreichung neuer Ziele beachtet wird, um den Einklang mit Net Zero sicherzustellen. Liegen die tatsächlichen Emissionen im Zieljahr über der Ambition, sind folgend steilere Reduktionen gefordert. Die genauen Mindestanforderungen für Unternehmen, die sich neue Ziele setzen, werden noch definiert und nach Fertigstellung im SBTi Assurance Manual zu finden sein.

Fazit zum neuen Standard: Mehr Flexibilität für Sie!

Auch wenn der SBTi Corporate Net Zero-Standards 2.0 auf den ersten Blick komplexer erscheint, so zielt er darauf ab, Unternehmen eine breitere Palette an Optionen zu bieten. Das schafft mehr Flexibilität bei der Zielerreichung und bewahrt gleichzeitig ein hohes Ambitionsniveau.

Mit den neuen Zielsetzungsoptionen reagiert SBTi auf das Feedback von Unternehmen bezüglich der herausfordernden Umsetzung des vorhergehenden Net Zero-Standards. Besonders in Scope 3 wurde der Wunsch nach einer Flexibilisierung der Zielsetzung und Nachweisführung der Reduktion aufgenommen und wesentliche Änderungen vorgenommen.

Nutzen Sie diese Chance für Ihren strategischen Klimaschutz.

Aktuelles

Der neue „Corporate Net Zero-Standard 2.0“ zielt darauf ab, die Methodik der Zielsetzung an den aktuellen wissenschaftlichen Stand anzupassen und gleichzeitig häufige Herausforderungen von Unternehmen bei der Zielsetzung zu erleichtern.

Hinweis: Voraussichtlich ab Q1 2027 können Ziele nach dem neuen Standard validiert werden. Unternehmen, die bereits validierte Ziele haben und diese 2026 oder 2027 aktualisieren oder revalidieren, können Flexibilitäten sowohl aus dem alten als auch dem neuen Standard nutzen.

Rückfragen

Lara Breitmoser M.A.
Programm-Managerin Nature & Business, WWF Österreich

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