Living Planet Report 2020

WWF Living Planet Report 2020

Akutes Artensterben: Untersuchte Wildtier-Bestände schrumpfen massiv

Wir erleben aktuell ein Artensterben, das nicht auf einzelne Brennpunkte beschränkt ist, sondern auf der ganzen Welt stattfindet. Unsere Natur wird rücksichtslos ausgebeutet und zerstört, obwohl sie unsere Lebensgrundlage ist. Wie fatal die Folgen sind, zeigt der WWF Living Planet Report 2020. Aktuell verzeichnen wir einen neuen Tief- bzw. Höchststand in Sachen Arten- und Biodiversitätsverlust.

Wäre der Living-Planet-Index an der Börse, würde nun die größte Panik aller Zeiten ausbrechen. Sofort-Hilfe-Pakete der Politik, wären die Folge. Genau das brauchen wir auch zum Schutz der biologischen Vielfalt. Eine Trendwende ist noch möglich. Mit Betonung auf noch. Der WWF fordert dringend einen grundlegenden Systemwechsel – weltweit und in Österreich.

 

Alarmierende Bilanz

Der Living-Planet-Index beruht aktuell auf Daten von 20.811 Wirbeltier-Populationen. Berücksichtigt werden zudem fast 400 neue Arten und 4.870 neue Populationen. Der WWF Living Planet Report zieht in seiner 13. Auflage eine alarmierende Bilanz: Ob wildlebende Vögel, Säugetiere, Fische, Reptilien oder Amphibien – die beobachteten Bestände schrumpfen seit nunmehr 46 Jahren auf der ganzen Welt rapide.

In Zahlen ausgedrückt: Seit 1970 ist die beobachtete Wildtier-Population weltweit im Schnitt um 68 % zurückgegangen. Damit hat sich der Bestandsrückgang seit dem ersten Living Planet Report mehr als verdoppelt – im Zeitraum von 1970 bis 1995 lag er noch bei durchschnittlich 30 %.

Grafik: Artenvielfalt geht zurück

Wer oder was treibt den Artenverlust an?

Schuld am Verlust der Artenvielfalt und Biodiversität sind, wie der Living Planet Report zeigt, vorallem die Zerstörung und Übernutzung von Lebensräumen, die Entwaldung, der illegale Wildtierhandel und die Wilderei. Hinzu kommen die negativen Folgen der Erderwärmung. Vor allem der Amazonas wird massiv abgeholzt, um neue Flächen für die Agrarindustrie und die Produktion von Futtermitteln zu gewinnen, die wiederum für die Tierhaltung nach Europa exportiert werden. Auch deswegen sind die untersuchten Wildtier-Bestände in Süd- und Zentralamerika noch stärker geschrumpft als anderswo.

Mit unserem Lebensstil schaden wir allerdings nicht nur unzähligen Tieren, sondern auch unserer eigenen Lebensgrundlage. „Denn die Ernährungssicherheit und Gesundheit von Milliarden Menschen hängt direkt von intakten Ökosystemen ab. Werden sie weiter vernichtet, steigt auch die Wahrscheinlichkeit künftiger Pandemien“, warnt Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich.

 

Tierarten, die besonders gefährdet sind

Der Östliche Flachlandgorilla gehört zu den besoders gefährdeten Tierarten. Seine Bestände sind im Kongo seit 1994 um 87 % zurückgegangen. Aufgrund der Elfenbein-Wilderei sind auch die Bestände des Afrikanischen Elefanten im Selous-Mikoumi-Gebiet in Tansania um 86 % eingebrochen. Wildtierhandel und Lebensraumzerstörung haben auch den Afrikanischen Graupapagei in den letzten Jahren fast ausgerottet. Wir verzeichnen ein Minus von 99 % seit 1992.

Überraschend: Gewässer und Feuchtgebiete sind, wie der Report zeigt,  noch stärker vom Verlust der Artenvielfalt betroffen als Wälder oder Ozeane. Ein Großteil der Meere gilt heute als überfischt und mehr als 85 % der Feuchtgebiete sind bereits verschwunden. In den am stärksten betroffenen Süßwasser-Lebensräumen sind die untersuchten Wildtier-Bestände durchschnittlich um ganze 84 % zurückgegangen.

 

Auch Österreich schon lange kein Umweltmusterland mehr

Die Wildtier-Bestände gehen aber nicht nur in Regenwäldern oder Meeren zurück, sondern auch hier in Österreich, wo es im Langzeit-Vergleich massive Einbrüche gibt. Ganz besonders schlecht ist es um unsere Flüsse bestellt, die durch den extremen Ausbau der Wasserkraft immer mehr verbaut werden. Nur noch 15 % der Flüsse sind ökologisch intakt. Laut einer BOKU-Studie gelten rund 60 % der heimischen Fischarten als gefährdet, stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht.

Österreich ist schon lange kein Umweltmusterland mehr. Neben der Übernutzung durch intensive Landwirtschaft ist vor allem der rasante Bodenverbrauch ein wachsendes Problem. Der Flächenfraß zerschneidet und zerstört wertvolle Lebensräume für Wildtiere. Täglich gehen in Österreich im Schnitt 13 Hektar Boden verloren.

 

Was ist der Living Planet Report?

Der Living Planet Report zeigt den ökologischen Gesundheitszustand der Erde und Wege aus der Biodiversitätskrise. Die Studie wird seit 1998 vom WWF (World Wide Fund for Nature) veröffentlicht, seit 2000 erscheint sie alle zwei Jahre. Die aktuelle 13. Ausgabe hat der WWF gemeinsam mit der Zoological Society of London erstellt. Generell gilt: Die prozentuale Veränderung spiegelt die durchschnittliche proportionale Veränderung der Größe der Bestände über einen längeren Zeitraum wider – nicht die Anzahl der verlorenen Einzeltiere. Der Living Planet Index 2020 zeigt einen durchschnittlichen Rückgang der Bestände um 68 % im Zeitraum von 1970 bis 2016.

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