© AdobeStock / Bits and Splits

Der Weg in die Kreislaufwirtschaft

Entwicklungen, Chancen und Strategien für Österreichs Unternehmen

Die Menschheit lebt auf zu großem Fuß. Wir müssen aufhören, die Natur für unseren verschwenderischen Lebensstil zu zerstören. Laut WWF Living Planet Report bräuchte die Menschheit 1,6 Erden, um ihren Bedarf an Energie, Nahrung, Land oder Wasser zu decken. Wenn alle Menschen so verschwenderisch leben würden, wie wir in Österreich, wären sogar mehr als 3 Planeten nötig.
Wir brauchen daher neue Lösungen um unsere Wirtschaft und unseren Lebensstil vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Die Kreislaufwirtschaft kann ein solches Alternativkonzept sein, um unseren Energie- und Ressourcenverbrauch zu reduzieren und den Umstieg auf erneuerbare Ressourcen zu schaffen. Ziel der Kreislaufwirtschaft ist, dass aufgrund der kontinuierlichen Wiedernutzung von Ressourcen in einem geschlossenen Kreislaufsystem kaum Abfälle und Emissionen entstehen. Durch die effiziente Nutzung von Ressourcen kommt es zu einer starken Reduktion des Ressourceneinsatzes.

Verschiedene Untersuchungen, u.a. von der Ellen MacArthur Foundation, belegen, dass Kreislaufwirtschaft viel zu dieser Agenda des SDG#12 beitragen kann: Die Umsetzung des Kreislauf-Modells in Europa könnte bis 2030 einen jährlichen Nettonutzen von 1,8 Billionen EUR erzielen. Des Weiteren hätte die Kreislaufwirtschaft in den Bereichen Mobilität, Infrastruktur und Ernährung das Potential die CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zum heutigen Niveau zu halbieren. Vor allem in der Landwirtschaft könnten durch die Optimierung von Nährstoffkreisläufen weitere Ziele der SDGs unterstützt werden wie der Erhalt der Artenvielfalt, die Einschränkung des Wasserverbrauchs und der Nährstoffversorgung. So könnten landwirtschaftliche Abfall- und Nebenprodukte genutzt werden, um Energie zu produzieren und den Verbrauch an chemischen Düngemitteln zu senken.

Derzeitige Situation und Herausforderungen in Österreich

Laut Circularity Gap Report ist Österreich nur zu 9,1% zirkulär. Damit ist die österreichische Kreislaufwirtschaft etwas stärker ausgeprägt als im globalen Durchschnitt (8,6 %). Um die UN Sustainable Development Goals zu erreichen und ein Wirtschaften im Rahmen planetarer Grenzen zu ermöglichen ist es dringend nötig die Kreislaufwirtschaft global und national weiter auszubauen.
Die Studienautoren definierten vier Szenarien um die Zirkularität in Österreichs Wirtschaft zu steigern:

  • Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Ressourcen (Steigerung der Zirkularität auf 9,9%);
  • Recyceln recycelbarer Abfälle (18,8%);
  • Erhaltung des aktuellen Materialbestandes von Gebäuden und Infrastruktur, sodass der Bedarf an Baumaterialien aus existierendem Abrissmaterial gedeckt werden kann und
  • Steigerung des Anteils von Sekundärrohstoffen in Importgütern (20,1%).

Nachhaltige Kreislaufwirtschaft – was wir darunter verstehen

Der WWF definiert eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft als ein regeneratives, von erneuerbaren Energien angetriebenes System, das das derzeitige lineare „take-make-waste“-Industriemodell ersetzt. Stattdessen werden Materialien in der Wirtschaft erhalten und Ressourcen geteilt, während Abfall und negative Umweltauswirkungen eliminiert werden. Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft schafft positive ökologische und gesellschaftliche Vorteile, funktioniert innerhalb der planetarischen Grenzen und wird durch alternative Wachstums- und Konsumnarrative unterstützt.
Wirtschaftliche Aktivität wird vom Verbrauch begrenzter Ressourcen innerhalb der planetarischen Grenzen entkoppelt. In einer Kreislaufwirtschaft werden, wo immer möglich, erneuerbare Materialien verwendet, Energie aus erneuerbaren Quellen geliefert, natürliche Systeme erhalten und verbessert und Abfall und negative Auswirkungen ausgeklammert. Materialien, Produkte und Komponenten werden in Kreisläufen gehalten und auf ihrem höchstmöglichen Wert gehalten, solange dies noch als nachhaltig gilt.

Das Modell basiert auf mehreren Prinzipien:

  • Abfall und Umweltverschmutzung werden vermieden und Dekarbonisierung wird priorisiert.
  • Produkte und Materialien bleiben so lange in Gebrauch, wie sie ihre Qualität behalten, und Materialien werden wiederverwendet und aufgewertet.
  • Es werden qualitativ hochwertige Produkte entwickelt, die nachgerüstet und repariert werden können.
  • Die natürlichen Systeme und Artenvielfalt werden erhalten und regeneriert.
  • Diese Systemtransformationen werden mit alternativen Wachstums- und Konsumnarrativen unterstützt, welche erhöhte Suffizienz und Veränderungen des Lebensstils fördern.

Es wird oft darauf hingewiesen, dass Materialien aufgrund der Gesetze der Thermodynamik nicht unbegrenzt im Kreislauf geführt werden können, wenn sie ihre Qualität beibehalten sollen; eine vollständige Zirkularität ist daher weder möglich noch wünschenswert.

Was tut der WWF?

Als WWF arbeiten wir daran die zirkuläre Transformation im Rahmen der planetaren Grenzen mitzugestalten und voran zu treiben. Dabei ist die Circular Economy viel mehr als Recycling und nur durch integrierte Ansätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Materialien, Produkten und Dienstleistungen nachhaltig erfolgreich. Der Wert von Materialien, Produkte und Komponenten wird durch Kreislaufführung erhalten oder kaskadisch genutzt.

Oberste Priorität haben dabei die Reduktion des Ressourcenverbrauchs und die Vermeidung von Abfall. Österreich muss sich hier absolute setzen und einen gesellschaftlichen Wertewandel vorantreiben im Sinne von „Qualität vor Quantität“.

  1. Design für Zirkularität ist der zentrale Hebel, um Produkte und Materialien so lange wie möglich im Einsatz zu halten und toxische Wirkungen in Nutzung und Folgenutzung zu eliminieren.
  2. Systemische Transformation bedarf einer Beteiligung & Zusammenarbeit der Politik, von Konsumenten und von wirtschaftlichen Akteuren entlang ganzer Wertschöpfungsketten.
  3. Erneuerbare Energie und bioökonomische Ansätze sollten – wo sinnvollmöglich – als Grundlage der Circular Economy priorisiert und gefördert werden.
  4. Eine sozial-ökologische Steuerreform, die Arbeit entlastet und Material und Energie belastet könnte die Kreislaufwirtschaft weiter begünstigen, indem sie stärkere Anreize für die Reparierbarkeit und Wiederverwendung von Produkten im Gegensatz zur Neuproduktion schafft.

Was Unternehmen tun können?

Unternehmen sollten ihre gesamte Wertschöpfungskette sowie den Lebenszyklus ihrer Produkte näher betrachten. So sollten umweltfreundlichere Material- und Produktionsalternativen sowie der Entsorgungsweg bereits im Produkt-Design bedacht werden.

Maßnahmen, die zur Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsmodelles beitragen:

  • Umstellung der Geschäftsmodelle in Richtung Leasing: Langlebige Gerätedauer durch Einsatz von austauschbaren Modulen;
  • Neue Verkaufsmodelle: durch Pfand auf einzelne Produktteile kann der Ressourceneinsatz reduziert werden;
  • Umstellung von Produktionsprozessen: für den Wiedereinsatz von Ressourcen durch Zirkulieren entlang der Produktionskette;
  • Green Produkt-Design: Minimierung der Materialnutzung schon in der Konzipierung bedenken;
  • Förderung von Pilot- bzw. Leuchtturmprojekten
  • Finanzierungsmöglichkeiten: von Innovationsträgern und Start-ups für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für Unternehmen.

Kontakt

Dominik Heizmann
Assistenz Global Solutions
Mobil: +43 676 83 488 227
E-Mail: dominik.heizmann@wwf.at