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WWF und BirdLife fordern „Aktion scharf gegen Giftköder“
Nach dem grausamen Vergiftungsfall von zahlreichen Gänsegeiern im Lesachtal fordern der WWF und BirdLife Österreich eine bundesweite „Aktion scharf gegen Giftköder“. Dazu gehören verstärkte Kontrollen in Problemgebieten, mehr Ressourcen für Ermittlungen und eine konsequente Strafverfolgung. Denn das verbotene Nervengift Carbofuran ist seit 2017 für 90 Prozent aller nachgewiesenen Wildtier-Vergiftungen verantwortlich. Das Gift gefährdet nicht nur geschützte Wildtiere, sondern auch Hunde, Katzen und Menschen. „Der aktuelle Geier-Fall muss ein Weckruf sein und konkrete Konsequenzen haben. Wenn ein seit fast zwei Jahrzehnten verbotenes Nervengift bis heute derart verbreitet eingesetzt wird, braucht es eine Aktion scharf gegen Giftköder“, sagt WWF-Expertin Christina Wolf-Petre.
Für den Artenschutz besonders problematisch sind Giftköder, weil sie fleisch- und aasfressende Tiere wahllos betreffen. Das Nervengift Carbofuran wirkt bereits in kleinsten Mengen fatal. „Greifvögel und andere Aasfresser nehmen die Gifte meist über präparierte Kadaver, Eier oder Fleischstücke auf“, warnt Greifvogelexperte Johannes Hohenegger von BirdLife Österreich. Regelmäßig kommt es zudem zu Sekundärvergiftungen, wenn weitere Tiere die verendeten Opfer fressen. Deshalb ist es entscheidend, Giftköder und Tierkadaver möglichst rasch zu entdecken und aus der Natur zu entfernen.
Vergiftungen zählen zu den gravierendsten Formen der Wildtierkriminalität, weil sie oft viele Tiere gleichzeitig töten. Laut dem jüngsten Wildtierkriminalitätsbericht wurden von 2017 bis 2025 österreichweit 66 Vergiftungsfälle dokumentiert. Das entspricht mehr als jedem fünften bestätigten Fall von Wildtierkriminalität. Bei den besonders betroffenen Greifvögeln wurde sogar bei 98 Prozent der nachgewiesenen Vergiftungen das verbotene Nervengift Carbofuran eingesetzt, obwohl dessen Besitz in Österreich strafbar ist. „81 geschützte Greifvögel wurden im Berichtszeitraum nachweislich Opfer von Vergiftungen, davon 79 durch Carbofuran. Die tatsächliche Zahl dürfte viel höher liegen, da die meisten Fälle nie entdeckt oder gemeldet werden“, warnen WWF und BirdLife.
Giftköder und vergiftete Kadaver müssen rasch entdeckt und entfernt werden, um weitere Tiere, Haustiere und Menschen zu schützen. Vorbild dafür sind gezielte Schwerpunktaktionen von Polizei und Naturschutzorganisationen in bekannten Problemgebieten, die bereits erste Erfolge zeigen.
Hintergrund: Carbofuran
· Carbofuran ist ein hochpotentes Nervengift.
· Der Wirkstoff ist in der Europäischen Union seit 2008 verboten.
· In Österreich ist bereits der Besitz von Carbofuran strafbar.
· Carbofuran war von 2017 bis 2025 für 98 Prozent aller nachgewiesenen Greifvogel-Vergiftungen verantwortlich
· Besonders gefährdet sind Greifvögel und andere Aasfresser.
· Sekundärvergiftungen treten regelmäßig auf, wenn Tiere an vergifteten Kadavern fressen.
· Auch Hunde, Katzen und Menschen können durch das Gift gefährdet werden.
Der WWF und BirdLife appellieren an die Bevölkerung, verdächtige Beobachtungen im Zusammenhang mit möglichen Giftködern umgehend den zuständigen Behörden zu melden.
Weitere Meldemöglichkeiten
Für eine lückenlose Aufklärung sind Hinweise aus der Bevölkerung essenziell. Wer verdächtige Beobachtungen im Zusammenhang mit Wildtierkriminalität macht oder Hinweise auf illegale Tötung geschützter Arten hat, wird gebeten, sich bei einer der folgenden Kontaktmöglichkeiten zu melden.
WWF-Hotline: +43 676 444 66 12
BirdCrime-Hotline: +43 660 869 2327
E-Mail: meldung@wildlifecrime.at
Anonyme Meldeplattform: https://c07.aygonet.org/anonymemeldeplattform-fuer-wildtierkriminalitaet/
Bildmaterial finden Sie hier zum Download.
Hintergrund-Informationen: Grenzüberschreitendes EU-LIFE-Projekt „wildLIFEcrime“
Im Rahmen des EU-geförderten wildLIFEcrime-Projekts (LIFE22-GIE-DE-wildLIFEcrime) arbeiten 13 Organisationen aus Österreich und Deutschland an der Reduktion der Wildtierkriminalität. Eine Koalition aus Naturschutzverbänden, Polizei, Universitäten, Behörden und Veterinärmedizinern setzt sich für den besseren Schutz gefährdeter Arten ein, wodurch dieses Projekt bis 2028 dazu beitragen soll, die Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich zu reduzieren.
Weiterführende Links:
https://wildlifecrime.info/projekt
https://www.birdlife.at/birdcrime
https://www.wwf.at/das-schuetzen-wir/bedrohte-arten/wildtierkriminalitaet/
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