Wildtierkriminalität:
Illegale Verfolgung geschützter Arten in Österreich
Viele bedrohte Arten stehen unter strengem Schutz. Werden sie dennoch ohne Erlaubnis getötet, spricht man von illegaler Verfolgung und Wildtierkriminalität.
Wildtierkriminalität: Auch in Europa ein Problem
Denkt man an illegale Verfolgung geschützter Arten und den illegalen Handel mit Wildtieren, entstehen meist Bilder von gewilderten Elefanten in Afrika, getöteten Tigern oder asiatischen Märkten mit Schuppentier-Schuppen oder Haifischflossen. Doch leider ist illegale Verfolgung auch in Europa und bei uns in Österreich ein ernst zu nehmendes Problem.
Mittlerweile haben sich zur Bekämpfung der Problematik eine Reihe von grenzübergreifenden Zusammenschlüsse von Richter*innen, Staatsanwälten und Staatsanwältinnen oder der Exekutive gebildet. Sie versuchen durch Aufbau von Wissen und die einheitliche Anwendung der geltenden EU-Gesetzgebung die Bekämpfung von Strafdelikten zu verbessern. Darüber hinaus bekämpfen zahlreiche Projekte die illegalen Tötungen.
Hunderte Fälle in Österreich
Abschuss, Fang in Fallen und Vergiftung bedrohter Arten kommt auch in Österreich nicht selten vor. Im Zeitraum 2017 bis 2025 wurden in Österreich insgesamt 310 Fälle von Wildtierkriminalität mit 487 Opfern dokumentiert. Diese traurige Bilanz zieht der Wildtierkriminalitäts-Bericht der Naturschutzorganisationen WWF Österreich und BirdLife Österreich. Man geht aber davon aus, dass es sich bei den bekannten Fällen nur um die „Spitze des Eisberges“ handelt – also nur ein geringer Anteil der Fälle tatsächlich auch aufgedeckt wird.
Hindernis für die Heimkehr
Neben Greifvögeln sind auch andere streng geschützte Arten wie Bär, Wolf, Luchs, Biber und Fischotter wiederholt Ziel illegaler Verfolgung in unserem Land. All diese Arten waren fast oder ganz aus Österreich verschwunden und fassen langsam wieder Fuß. Illegale Verfolgung hat hier besonders drastische Auswirkungen auf deren Rückkehr, da in vielen Fällen bereits der Verlust eines Individuums einen großen Rückschlag bedeuten kann.
Verdachtsfälle melden
Bitte melden Sie verdächtige Funde oder andere Hinweise auf Wildtierkriminalität sofort. Nutzen Sie dazu einfach unser Meldeformular oder die WWF-Hotline +43 676 444 66 12 bzw. die BirdCrime-Hotline +43 660 869 23 27.
Zahlen & Fakten
- Der WWF und BirdLife Österreich haben in einem neuen Bericht den Wissensstand zu Wildtierkriminalität in Österreich zusammengefasst: Im Berichtszeitraum 2017 bis 2025 wurden insgesamt 310 Fälle von Wildtierkriminalität mit 487 Opfern dokumentiert. Außerdem muss man von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen.
- Greifvögel sind zahlenmäßig die am stärksten betroffenen Tiergruppe.
- Gezählt wurden außerdem 22 Biber, 15 Fischotter, 6 Wölfe und ein Luchs, die Opfer von Wildtierkriminalität wurden.
- Abschüsse, Vergiftung und der Fang mit Fallen sind die häufigsten Methoden.
- Bei Luchs und Wolf sind die absoluten Fallzahlen zwar geringer, wegen der kleinen Bestände jedoch ökologisch besonders problematisch.
Tierwelt
Besonders betroffen sind:
Bedrohungen
So bedroht illegale Verfolgung Österreichs geschützte Arten
Bedrohung 1: Illegale Verfolgung aufgrund fehlender Akzeptanz
Ein Grund für die illegale Verfolgung geschützter Arten liegt in der fehlenden Akzeptanz. Räuber wie Luchse, Wölfe, Fischotter oder Greifvögel werden oft als Konkurrenz um Ressourcen wahrgenommen oder als Bedrohung für Nutztiere gesehen. Meist war dies auch der Grund für ihre einstige Dezimierung oder Ausrottung. Beim Biber geht es vor allem darum, dass er der durch seine Lebensweise mit anderen Nutzungsinteressen wie der Landwirtschaft in Konflikt gerät. Durch die lange Abwesenheit dieser Arten ist vielerorts in Vergessenheit geraten, wie ein friedliches Zusammenleben funktionieren kann. Darüber hinaus wurde ihr Lebensraum stark beschnitten, wodurch Konflikte stärker in den Vordergrund rücken. Die zahlreichen positiven Aspekte, die diese Arten mit sich bringen, werden meist in den Hintergrund gestellt und ein konfliktarmes Miteinander von vornherein abgelehnt. Dies mündet nicht selten in offenen Abschuss-Drohungen oder strafrechtlich relevanten Gesetzesübertretungen.
Bedrohung 2: Indirekte illegale Verfolgung
Oft ist eine Art nicht unmittelbar das Ziel der Verfolgung, kommt aber trotzdem zu Schaden. Dann sprechen wir von indirekter illegaler Verfolgung. Fälle, in denen geschützte Arten in Fallen gefangen werden oder in Folge von Vergiftungen verenden, fallen in diese Kategorie. Wird ein Tier vergiftet, können durch sekundäre Vergiftung zahlreiche weitere Tiere gefährdet werden. Auch das darf natürlich nicht passieren. Denn egal welche Absicht dahinter steht: Das Töten geschützter Arten ist kein Kavaliersdelikt.
Fälle von Wildtierkriminalität mit 487 Opfern wurden zwischen 2017 und 2025 dokumentiert.
Bedrohung 3: Illegale Jagd auf Trophäen
Nicht immer ist ein Nutzungskonflikt die Motivation für den Abschuss einer geschützten Art. Auch der Wunsch, die Jagd auf eine dieser geschützten Arten zu erleben und in den Besitz einer Trophäe zu kommen, treibt die Täter:innen an. Oft wird das geschützte Tier mithilfe eines Präparators bearbeitet, damit die Trophäe ausgestellt werden kann. So zum Beispiel auch geschehen im Fall eines gewilderten Bären der mittlerweile wieder erloschenen Ötscher-Bären-Population. Auch der Präparator bzw. die Präparatorin macht sich dadurch strafbar.
Lösungen
So können wir Wildtierkriminalität bekämpfen
Lösung 1: Steigerung der Akzeptanz
Akzeptanz und Verständnis der Bevölkerung, Behörden und Politik sind ausschlaggebend für die positive Entwicklung der österreichischen Bestände geschützter Arten. Viele “Mythen” ranken sich nach wie vor um Arten wie Wolf, Luchs, Fischotter, Biber und viele der Greifvögel. Der WWF ist hier bemüht, im Dialog mit Stakeholdern und in der Öffentlichkeitsarbeit die vielen positiven Aspekte dieser Arten bekannt zu machen und gemeinsam Lösungen für ein konfliktarmes Miteinander zu erarbeiten.
Lösung 2: Ausbau der Zusammenarbeit
Ein wichtiger Schritt zur verbesserten Bekämpfung von Wildtierkriminalität ist aus Sicht des WWF vor allem der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Experten und Expertinnen, Exekutive und Justiz. Bereits jetzt wird bei Meldung von Verdachtsfällen im engen Austausch mit speziell geschulten Polizeibeamten, sogenannten „Umweltkundigen Organen“, zusammengearbeitet. Auf Anfrage kommen auch Hunde zu Einsatz, die Kadaver oder auch gezielt Gift aufspüren können. Sind Ermittlungen erfolgreich, muss es zu einer verstärkten Ahndung von Delikten kommen, um eine abschreckende Wirkung zu erreichen.
Wer eine streng geschützte Art illegal verfolgt, begeht eine Straftat und kein Kavaliersdelikt. Es droht hier eine mehrjährige Haftstrafe.
Projekte
So kämpft der WWF gegen die illegale Verfolgung geschützter Arten in Österreich
wildLIFEcrime
Aufdecken, aufklären und eingreifen – das ist der Leitspruch hinter dem Projekt „wildLIFEcrime“. Das Ziel des EU-LIFE-Projektes: Bis 2028 die Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich zu reduzieren. Dafür hat sich der WWF Österreich mit anderen NGOs wie etwa BirdLife sowie Behörden, Veterinärmedizin, Polizei und der Wissenschaft zusammengeschlossen. Durch eine verbesserte Zusammenarbeit sollen die Effizienz bei der Strafverfolgung erhöht und Wildtierkriminalität bei ausgewählten streng geschützten Arten in Deutschland und Österreich reduziert werden. Neben der Umsetzung von präventiven Maßnahmen fokussiert das Projekt darauf, dass Fälle entdeckt, effektiv bearbeitet, aufgeklärt und Täter:innen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden. Deswegen arbeiten die Projektpartner unter anderem an der Verbesserung forensischer Untersuchungen und bieten Fortbildungen für Polizei und Staatsanwaltschaften an.
Naturschutzhunde im Einsatz
Naturschutzhunde finden ein breites Feld an Einsatzmöglichkeiten und gewinnen weltweit in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Neben der Suche nach Wolf, Fledermaus, Borkenkäfern und Co., kommen Hunde auch bei der Suche nach Kadavern zum Einsatz, um illegal getötete Tiere aufzufinden und damit Fälle illegaler Verfolgung sichtbar zu machen. Hündin Lea wurde als erster WWF-Naturschutzhund ausgebildet und unterstützt seit 2023 die Polizei bei der Aufklärung von Wildtierkriminalität. Der WWF kooperiert mit dem Verein Naturschutzhunde. Ziel ist es, langfristig ein Netzwerk an geschulten und nach einheitlichen Standards ausgebildeten Mensch-Hund-Teams zur Verfügung zu stellen, das zu einheitlichen Rahmenbedingungen für die Bekämpfung der Illegalen Verfolgung von Wildtieren in Österreich im Einsatz ist. Mehr zur Ausbildung der Hunde gibt es hier.
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Aktuelles zu bedrohten Arten
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Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
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