© Leopold Kanzler

Der Biber
Ein wichtiger Baumeister

Beinahe ausgerottet

Der eurasische Biber, auch europäischer Biber genannt, ist das größte Nagetier Europas. Einst eine weit verbreitete Art in ganz Europa und Asien, wurde der Biber bis zum frühen 20. Jahrhundert beinahe komplett ausgerottet. Grund dafür war zum einen die hohe Nachfrage nach Biberkörperteilen wie dem „Bibergeil“ zu Heilzwecken. Zum anderen wurden die Tiere bzw. ihr Fleisch als Fastenspeise eingestuft und wegen ihres dichten Fells massiv bejagt. Gut 100 Jahre lang galten die Tiere in Europa als verschwunden. Dank intensiver Schutzbemühungen konnten sich die Bestände in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts erholen. Auch hier in Österreich sind Biber wieder heimisch. Doch der Lebensraumverlust, der Straßenverkehr und auch illegale Verfolgung bedrohen die wichtigen Baumeister weiterhin.

Biber sorgen für artenreiche Lebensräume

Nachdem Biber bis auf wenige Populationen in Europa beinahe komplett ausgerottet wurden, findet man die Nagetiere heute wieder in über 25 Ländern. Sie stehen zwar unter Schutz, doch aufgrund menschlicher Aktivitäten bleibt den tierischen Baumeistern nicht mehr viel Raum zum Leben. Ihr Hang zur Landschaftsgestaltung steht heute in Konkurrenz zu menschlichen Nutzungsinteressen wie z.B.: der Landwirtschaft und führt zu Konflikten, die für die geschützten Tiere mitunter tödlich enden. Der WWF Österreich setzt sich dafür ein, dass wir Menschen wieder lernen, unseren Lebensraum mit dem Biber zu teilen und Konflikte, im Interesse von Mensch und Tier, zu lösen.

Mit dem Biber leben lernen

Nachdem Biber bis auf wenige Populationen in Europa beinahe komplett ausgerottet wurden, findet man die Nagetiere heute wieder in über 25 Ländern. Sie stehen zwar unter Schutz, doch aufgrund menschlicher Aktivitäten bleibt den tierischen Baumeistern nicht mehr viel Raum zum Leben. Ihr Hang zur Landschaftsgestaltung steht heute in Konkurrenz zu menschlichen Nutzungsinteressen wie z.B.: der Landwirtschaft und führt zu Konflikten, die für die geschützten Tiere mitunter tödlich enden. Der WWF Österreich setzt sich dafür ein, dass wir Menschen wieder lernen, unseren Lebensraum mit dem Biber zu teilen und Konflikte anders als mit der Flinte zu lösen.

 

Wissenschaftlicher Name

Castor fiber

Icon Unterarten

Unterarten

Keine

s

Gefährdungsstatus

FFH-Einstufung:

  • Alpine biogeografische Region: U1 – ungünstig-unzureichend
  • Kontinentale biogeografische Region – günstig

Lebensraum

  • Europa und Asien
  • Entlang eines Fließgewässers oder an Stillgewässern
Icon Population

Bestandszahl

7.100-7.800 (Art. 17 Bericht, 2013-2018)

Artenlexikon

Bedrohungen

Das bedroht den Biber

Bedrohung 1: Fehlender Lebensraum & Konflikte mit Menschen

Ist der Biber am Werk, so passiert das oft in einer Kulturlandschaft, in der den tierischen Landschaftsgestaltern kaum Raum bleibt. Denn jeder Quadratmeter Natur ist heute in menschlichem Besitz. Flüsse und Ufer – der natürliche Lebensraum von Bibern – wurden (und werden auch heute) vom Menschen immer stärker verändert oder verbaut. Die Folge: Auwälder verschwinden und Felder sowie Siedlungen rücken immer näher an Flüsse heran. Naturgemäß können sich Wildtiere wie Biber aber nicht an menschlichen Grundstücksgrenzen orientieren und gestalten ihren Lebensraum weiterhin nach eigenem Ermessen. Die Tiere nehmen dabei Flächen in Anspruch, die von Menschen für andere Bedürfnisse, wie z.B. der Landwirtschaft genutzt werden. Dabei entstehen Konflikte, die für Biber mitunter tödlich enden, obwohl die Tiere geschützt sind.

Bedrohung 2: Illegale Verfolgung & Verkehr

Nach jahrelanger, massiver Bejagung lebten um 1900 nur noch maximal 2.000 Biber in ganz Europa. Der letzte österreichische Biber wurde 1869 getötet. Zirka 100 Jahre später – in den 1970er und 1980er Jahren – setzte man an der Donau 32 europäische und 15 kanadische Biber zur Wiederansiedlung aus. Die europäischen Tiere überlebten. Die Nagetiere sind heute zwar streng geschützt, doch nicht jeder hält sich daran. Biber werden weiterhin illegal verfolgt, oftmals auch der Biberdamm oder die Burg zerstört. Konsequenzen gibt es für die Täter meist keine, da sie aufgrund der schwierigen Beweislage oft unentdeckt bleiben und nicht belangt werden können. Zu einer der größten Bedrohungen für den Biber zählt heute außerdem der Straßenverkehr – viele Biber, meist Jungtiere auf der Suche nach einem eigenen Revier, werden auf Straßen überfahren.

BIBER WAREN DER AUSGANGSPUNKT FÜR EINE ERFOLGREICHE WIEDERANSIEDLUNG IN ÖSTERREICH

Bedrohung 3: Aufweichung des strengen Schutzes

Biber sind nach der Berner Konvention und durch die FFH-Richtlinie nach EU-Recht geschützt. Darum steht der tierische Baumeister auch hierzulande unter strengem Schutz. In Österreich wird der Umgang mit dem Biber über das Naturschutzgesetz oder Jagdgesetz geregelt – das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Nach der FFH-Richtlinie ist es streng verboten, Bibern nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Wohnung zu beschädigen bzw. zu zerstören. Doch seit der erfolgreichen Wiederansiedlung der Nagetiere werden die Rufe nach Biber-Abschüssen lauter. Zuständige Behörden erlauben bereits in manchen österreichischen Bundesländern, Biber in großer Zahl zu töten eine Maßnahme, die in den Augen des WWF nicht rechtskonform ist. So kommt es zu einer Aufweichung des strengen Schutzes von Bibern.

TIERE LEBEN DURCHSCHNITTLICH IN EINEM BIBERREVIER

Lösungen

So können wir den Biber schützen

Lösung 1: Biber-Management verbessern

Jetzt geht es darum, dass wir wieder lernen, unseren Lebensraum mit den tierischen Baumeistern zu teilen und das Miteinander von Biber und Mensch möglichst konfliktfrei zu gestalten. Hierfür braucht es ein kluges Biber-Management, das in erster Linie auf Prävention setzt. Oft reichen einfache Mittel, wie die Errichtung von Zäunen oder der Schutz von Bäumen, um Biber-Schäden vorzubeugen. Wo erwünscht, bringt sich der WWF darum bei der Entwicklung von Managementplänen ein, macht mit dem „Bundesländerbarometer“ auf Mängel aufmerksam und pflegt den Dialog mit Stakeholder*innen.

Lösung 2: Aufklären & Akzeptanz steigern

Ausschlaggebend für die positive Entwicklung der österreichischen Biberbestände ist die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung – also der Menschen, die in Österreich leben. Es braucht ein grundlegendes Verständnis für die Lebensweise des Bibers, der sich von Natur aus nicht an unsere Besitzgrenzen halten kann. Die Rückkehr und Baulust des tierischen Landschaftsgestalters stoßen nicht überall auf Freude. Dabei erfüllt seine „Arbeit“ wichtige ökologische Funktionen und sorgt für artenreiche Lebensräume. Sein Verschwinden würde eine empfindliche Lücke hinterlassen. Ein Teil der Arbeit des WWF besteht darin, aufzuklären, die positiven Eigenschaften dieser Tiere ins Rampenlicht zu stellen und zu zeigen, wie ein konfliktfreies Miteinander möglich ist.

Lösung 3: Illegale Verfolgung bekämpfen

Der Biber ist streng geschützt, dennoch kommt es immer wieder zu Fällen illegaler Verfolgung. Die Wildtierkriminalität in Österreich muss konsequent bekämpft werden. Wilderei und illegale Entnahmen sind kein Kavaliersdelikt, sondern ein Gesetzesverstoß. Aus Sicht des WWF ist es wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Exekutive, Justiz, Expert*innen auszubauen. Verstärkte Kontrollen, die vermehrte Ahndung von Delikten sowie die Klärung offener Fragen im Rechtssystem sind weitere wichtige Schritte im Kampf gegen die illegale Verfolgung von Wildtieren.

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JAHRE GALT DER BIBER IN EUROPA ALS AUSGEROTTET

Der Biber ist wieder in Österreich heimisch. Wo er am Werk ist, findet man ein Mosaik von artenreichen Lebensräumen. Jetzt geht es darum das Miteinander zwischen Biber und Mensch möglichst konfliktfrei zu gestalten und Wege der Koexistenz aufzuzeigen.

Christina Wolf-Petre

Expertin für Artenschutz, WWF Österreich

Projekte

So schützt der WWF den Biber – eine Auswahl an Projekten

Engagement für Flüsse und Auen & Schutz der wertvollsten Gewässer

Über Jahrhunderte hat der Mensch die Flüsse und ihre Umgebung massiv verändert. Die Flüsse wurden verbaut, gestaut und in enge Betten eingezwängt. Heute sind nur noch 15 % aller Fließgewässer in Österreich ökologisch intakt. Der WWF setzt sich darum für den Schutz und wo erforderlich die Wiederherstellung intakter Fließgewässer in Österreich ein. Alles über unseren Einsatz für Österreichs Flüsse kannst du hier nachlesen.

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Artenschutzkonzepte für die „WWF Big 5“ in Österreich

Ziel des WWF Österreich ist es, den Biber, wie auch die anderen Arten der österreichischen Big 5 des WWF (Luchs, Seeadler, Wolf, Fischotter) in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet bestmöglich zu erhalten. Das ist wichtig, damit diese Arten ihre Funktionen im Ökosystem in einer umfassenden Form wahrnehmen können. Das trägt auch zur nachhaltigen Sicherung unserer Lebensgrundlagen bei. Natürlich bringt die Rückkehr dieser Arten auch Konflikte mit sich. Diese gilt es durch ein kluges Management zu minimieren. Um ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen, arbeitet der WWF an Schutzkonzepten für die österreichischen „WWF Big 5“-Arten.

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Kampf gegen Wildtierkriminalität

Der WWF setzt sich national und international auf verschiedenen Ebenen dafür ein, dass Wildtierkriminalität und die damit verbundenen Straftaten nicht mehr geschehen. Wildtierkriminalität soll aufgeklärt und rechtlich geahndet werden. In enger Zusammenarbeit mit der Polizei und der lokalen Bevölkerung gehen wir Meldungen nach, um die Aufklärungsrate zu erhöhen und Präzedenzfälle zu schaffen. Wir arbeiten national und auch EU-weit an Projekten zur Verbesserung der Situation und fördern aktiv die Zusammenarbeit zwischen Exekutive, Justiz, Expert*innen.

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Gemeinsam können wir Österreichs artenreichste Lebensräume und ihre Bewohner schützen. Ihre Patenschaft macht den Unterschied.

Häufig gestellte Fragen zum Biber

Ist der Biber in Österreich noch immer vom Aussterben bedroht?

Nein, doch obwohl der Biber mittlerweile ganz Österreich besiedelt hat und er in manchen Bundesländern zahlreich anzutreffen ist, ist er vor allem in der alpinen Region immer noch nicht in einem günstigen Erhaltungszustand. Diese sollte aus Naturschutzsicht aber besiedelt werden, denn die vielen Leistungen des Bibers, insbesondere sein positiver Einfluss auf den Lebensraum und die Artenvielfalt – von Fischen und Amphibien bis zu Vögeln und Insekten – können nur dann greifen, wenn wir den Tieren entsprechend Platz gewähren. Die Ökosystemleistungen des Bibers sind nämlich meist um ein Vielfaches höher als möglicherweise entstehende Kosten.

Wo in Österreich leben Biber?

Biber sind mittlerweile in alle österreichischen Bundesländern zurückgekehrt. Mitte der 70er-Jahre wurden vom Institut für vergleichende Verhaltensforschung und der Stadt Wien Biber in den Auen östlich von Wien ausgesetzt. In den ersten zwei Jahrzehnten nach der Aussetzung haben sich die Biber nur an den großen Flüssen – Donau, March, Thaya und Inn aufgehalten und an diesen Gewässern nach und nach alle geeigneten Plätze besiedelt. Nach diesem Zeitraum waren die großen Flüsse fast durchgehend besiedelt. Da wegen der ausgeprägten Territorialität an jedem Flussabschnitt nur eine begrenzte Anzahl von Biberfamilien leben kann, breiteten sich die Tiere anschließend in die Nebenflüsse und Bäche der Donau aus. In der kontinentalen Region wird der Bestand insgesamt als günstig eingeschätzt – in der alpinen Region jedoch noch immer als ungünstig.

Vermehren sich Biber wirklich explosionsartig?

Nein. Biber regulieren ihren Bestand selbst. Biber brauchen wegen ihrer Größe und ihrer scharfen Zähne kaum natürliche Feinde fürchten. Trotzdem wächst eine Biberpopulation nicht unendlich, denn das Angebot an geeignetem Lebensraum begrenzt die Anzahl der Tiere. Sind nur wenige Reviere besetzt haben abwandernde Jungbiber eine Chance, freie Gewässer zu finden, an denen sie zusammen mit einem Partner ein eigenes Revier gründen und sich vermehren können. In solchen, vom Biber bisher nahezu unbesiedelten Gegenden, kann eine Biberpopulation jährlich maximal 15 bis 20 % wachsen. Mit zunehmender Biberdichte wird es aber für Jungtiere immer schwieriger ein freies Gebiet zu finden. Die vorhandenen Reviere werden von ihren Inhabern nicht nur markiert, sondern auch aggressiv verteidigt. Die dabei zugefügten Bisswunden entzünden sich leicht und können bis zum Tod führen. Wenn alle Reviere besetzt sind, dann hat ein Jungbiber praktisch keine Möglichkeit mehr ein eigenes Revier zu gründen, auch nimmt die Reproduktionsrate ab.

Weshalb ist der Biber so wertvoll für andere Arten?

Biber besitzen eine enorme Gestaltungskraft. Sofern wir dies wollen und wenn wir dies zulassen, schaffen Biber Biotope für zahlreiche andere Lebewesen. Mit ihrer Fähigkeit zur Lebensraumgestaltung wirken sie bereichernd auf Wasserlebensräume und die dort anzutreffenden Arten. Von Amphibien über Insekten wie Libellen, bis hin zu Fischen und Vögeln – sie alle profitieren von den Lebensräumen, die der Biber für sie schafft. Er arbeitet besser und kostengünstiger, als jede menschliche Naturschutzmaßnahme dies zustande bringen würde.

Wie groß ist ein Biberlebensraum und wie ist er gestaltet?

Die Größe des Biberlebensraumes ist abhängig vom Nahrungsangebot. Das Revier zieht sich an einem Bach oder Fluss entlang oder es liegt an einem Teich oder Alterwasser. Ein Biberrevier kann 1 – 7 km lang sein. Da sich der Biber meist nicht weiter als 20 Meter vom Wasser entfernt, ist es normalerweise sehr schmal. Damit ein Gewässer als Biberrevier in Frage kommt, muss es ein paar Voraussetzungen erfüllen: es muss das ganze Jahr über Wasser führen, grabbare Ufer haben und ausreichende Pflanzennahrung vorhanden sein. In der Wahl ihrer Lebensräume sind Biber jedoch recht flexibel und können größere Flüsse genauso besiedeln wie kleinere Bäche oder stehende Gewässer. Auch die Nähe von Menschen stört Biber nicht. Im Biber-Revier werden meist mehrere Wohnbauten angelegt, vom einfachen Erdbau bis zur vollständig von Wasser umgebenen Biberburg, die allerdings die Ausnahme sind. Die Bauten werden entsprechend der Steilheit des Ufers angelegt. Unabhängig davon, welche Bauform er wählt, müssen die (mit Nagespänen ausgepolsterten) Wohnkessel immer oberhalb der Wasseroberfläche liegen, die Eingänge in die Biberburg jedoch unter Wasser. Neben den Bauen gräbt der Biber im Revier verteilt einfache, mehr oder weniger lange Röhren, die bei Gefahr als Fluchtröhren dienen oder zwei nebeneinanderliegende Gewässer unterirdisch miteinander verbinden. Da Biber nicht gerne über Land laufen, graben sie oberirdische Kanäle, die die Gewässer miteinander verbinden oder die die Biber näher an ihren Futterplatz bringen.

 

Weshalb baut der Biber manchmal Dämme und manchmal nicht?

Biberdämme dienen den in Europa beheimateten Bibern nur zur Regulierung schwankender Wasserstände und zur Erschließung von Nahrungsquellen nicht aber als Wohnraum. Ziel ist, den Wasserstand annähernd bei mindestens 60-80 cm Tiefe konstant zu halten. Dann baut er Dämme aus Ästen, Erdmaterial und Steinen. Dies ist notwendig, damit der Eingang in den Bau unter Wasser liegen kann. Außerdem frieren die tiefliegenden Eingänge im Winter nicht zu.

Halten Biber Winterschlaf?

Nein – im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Murmeltieren, halten Biber keinen Winterschlaf. Nach Wintereinbruch müssen Biber auf „Sparflamme“ leben, d.h. ihre Energie- und Wärmeverluste geringhalten. Dies wird zur Überlebensfrage, denn in Ermangelung anderer Pflanzen gibt es im Winter nur Rinde und Äste von Weichhölzern zu fressen, die nur sehr wenige Nährstoffe enthalten. Mehr Infos zur Lebensweise der Biber findest du im WWF Artenlexikon.

Weshalb brauchen wir den Biber überhaupt?

Mit dem Verschwinden des Bibers ging uns auch das Wissen über seine Biologie und sein Verhalten verloren und dies führt heute oft zu Missverständnissen. Wie jede Tierart ist auch der Biber Teil des Gesamtgefüges und erfüllt in seinem Lebensraum ganz spezielle Aufgaben. Sein Verschwinden würde eine empfindliche Lücke hinterlassen und mit ihm würde ein Mosaik von Lebensräumen und damit viele andere Arten verschwinden. Auch uns Menschen kommen die Aktivitäten des Bibers zugute. Selbst in der genutzten Kulturlandschaft entstehen nicht nur Probleme. Biberteiche bauen Nährstoffe ab, halten Sedimente zurück und reinigen so das Wasser. In den von Bibern gestalteten Lebensräumen läuft bei Starkregen das Wasser langsamer ab, ein Beitrag zur Minderung der Hochwasserspitzen. In Trockenzeiten kommt das Wasser, das durch die Biberdämme zurückgehalten wird über den erhöhten Grundwasserspiegel auch den angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen zugute. Außerdem entsteht durch den Rückstau neue Wasserflächen, die in Zeiten des Klimawandels von zunehmender Bedeutung sind.

Wie können Menschen und Biber zusammenleben?

Nicht immer sind die Nutzungsansprüche von Menschen mit den Lebensraumansprüchen des Bibers sehr einfach zu vereinbaren. Aus Sicht des WWF muss das Ziel des Bibermanagements sein, dass wir wieder lernen, unseren Lebensraum mit dem Biber zu teilen. Dafür müssen eine Reihe von Maßnahmen getroffen werden, die betroffene Landnutzer unterstützen und Konflikte vermeiden helfen. Außerdem müssen Flächen für den Biber zur Verfügung gestellt werden und teilweise wird das nicht ohne den Einsatz von kompensatorischen Förderungen und Entgeltzahlungen zu erreichen sein. Nur in Ausnahmefällen, wenn z.B. Gefahr für Menschen besteht, sollte nach Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen im Einzelfall eingegriffen werden können. Dies zu klären, muss jedoch Aufgabe unabhängiger Sachverständiger sein.

Wie können Biberschäden vorgebeugt werden?

Zur Vorbeugung von Schadensfällen gibt es ein breites Spektrum an Lösungen (Einzelbaumschutz, Elektrozäune, Dammdrainagen, Ufersicherung, Ausweisung von Pufferstreifen oder extensive Nutzung entlang eines Gewässers). Das Wichtigste ist jedoch ein grundlegendes Verständnis für die Lebensweise des Bibers, der sich von Natur aus nicht an unsere menschlichen Besitzgrenzen halten kann. Deshalb setzt ein kluges Wildtier-Management in erster Linie auf Vorsorge, um Schäden vorzubeugen. Wir müssen wieder lernen, unseren Lebensraum mit dem Biber zu teilen.

Dürfen Biber abgesiedelt oder getötet werden, wenn sie Schäden verursachen?

Der Biber ist nach der Berner Konvention und durch die FFH-Richtlinie auch nach EU-Recht geschützt. Daraus ergibt sich auch sein Schutzstatus nach nationalem Recht. In Österreich sind das die Landesnaturschutzgesetze bzw. die Landesjagdgesetze – dies ist in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Nach der FFH-Richtlinie ist es verboten, Bibern nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Fortpflanzungsstätte zu beschädigen oder zu zerstören. In Einzelfällen gelten jedoch Ausnahmen die es ermöglichen, in die Population einzugreifen. Nur durch das EU-Naturschutzgesetz haben Biber bei uns eine reale Überlebenschance. Eine Umsiedlung des Bibers ist aufgrund der Lebensweise in Revieren nicht zielführend. Wird ein Tier umgesiedelt und kommt in ein bereits besetztes Revier ist dies möglicherweise sein Todesurteil. Ist der Ort der Umsiedlung in der Umgebung machen sich viele Tiere auf den Weg und kehren ins ursprüngliche Revier zurück.

Weshalb bringt es nichts bzw. ist es sogar kontraproduktiv, einzelne Biber zu schießen?

Der Biber lebt monogam im Familienverband, dem meist zwei Generationen Jungtiere angehören (die Elterntiere und die beiden letzten Jungengenerationen). Nach der Reviergründung sind Biber ortstreu und territorial, Reviere werden über Generationen benützt. Biber markieren ihre Reviere mit dem so genannten Bibergeil. Wenn im Frühjahr die neuen Jungen geboren werden, werden die ältesten, jetzt zwei bis drei Jahre alten Jungtiere geschlechtsreif. Sie müssen das elterliche Revier verlassen und sich auf die Suche nach einem eigenen Revier in der Nachbarschaft machen. Werden Biber aus einem – aus Bibersicht geeigneten –Lebensraum weggeschossen und das Revier somit freigemacht, wird es bald darauf von den Jungtieren aus umliegenden Familien neu besiedelt.

Man liest immer wieder, dass Biber unseren Hochwasserschutz gefährden. Ist dies korrekt?

Nein, ganz im Gegenteil. Biber können sich sogar am Hochwasserschutz beteiligen: Sie puffern durch das Anlegen von Teichen bei Starkregenfällen ein Hochwasser ab, weil sie letztlich Retentionsraum schaffen, sodass das Wasser verzögert abfließen kann. Umgekehrt tragen die Biberteiche dazu bei, dass sich bei Trockenheit Wasser länger im Boden hält. Die Versickerung trägt zur Grundwasserneubildung bei.

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