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Illegale Verfolgung geschützter Arten in Österreich

Viele bedrohte Arten stehen unter strengem Schutz. Werden sie dennoch ohne Erlaubnis getötet, spricht man von illegaler Verfolgung und Wildtierkriminalität.

Wildtierkriminalität: Auch in Europa ein Problem

Denkt man an illegale Verfolgung geschützter Arten und den illegalen Handel mit Wildtieren, entstehen meist Bilder von gewilderten Elefanten in Afrika, getöteten Tigern oder asiatischen Märkten mit Schuppentier-Schuppen oder Haifischflossen. Doch leider ist illegale Verfolgung auch in Europa und bei uns in Österreich ein ernst zu nehmendes Problem.

Mittlerweile haben sich zur Bekämpfung der Problematik eine Reihe von grenzübergreifenden Zusammenschlüsse von Richter*innen, Staatsanwälten und Staatsanwältinnen oder der Exekutive gebildet. Sie versuchen durch Aufbau von Wissen und die einheitliche Anwendung der geltenden EU-Gesetzgebung die Bekämpfung von Strafdelikten zu verbessern. Darüber hinaus bekämpfen zahlreiche Projekte die illegalen Tötungen.

Hunderte Fälle in Österreich

Abschuss, Fang in Fallen und Vergiftung bedrohter Arten kommt auch in Österreich nicht selten vor. Seit 2000 wurden mehr als 480 Fälle illegaler Verfolgung von Greifvögeln aufgedeckt, die etwa 400 Greifvögeln und vielen anderen Tierarten das Leben kosteten. Zumindest 16 Greifvogelarten waren betroffen. Bei See- und Kaiseradlern ist die illegale Verfolgung sogar eine der wichtigsten Todesursachen. Man geht aber davon aus, dass es sich bei den bekannten Fällen nur um die „Spitze des Eisberges“ handelt – also nur ein geringer Anteil der Fälle tatsächlich auch aufgedeckt wird.

Hindernis für die Heimkehr

Neben Greifvögeln sind auch andere streng geschützte Arten wie Bär, Wolf, Luchs, Biber und Fischotter wiederholt Ziel illegaler Verfolgung in unserem Land. All diese Arten waren fast oder ganz aus Österreich verschwunden und fassen langsam wieder Fuß. Illegale Verfolgung hat hier besonders drastische Auswirkungen auf deren Rückkehr, da in vielen Fällen bereits der Verlust eines Individuums einen großen Rückschlag bedeuten kann.

Z

Zahlen & Fakten

  • Über 480 Fälle von illegal verfolgten Greifvögeln seit dem Jahr 2000
  • Mehrere Luchse wurden in den vergangenen Jahren Opfer illegaler Verfolgung
  • Sommer 2019 wurde ein enthaupteter Wolf im Tiroler Sellrain gefunden
  • Erst 2 Fälle gelangten zur Anklage: Der eines 2009 illegal abgeschossenen Seeadlers und der eines 2016 getöteten Luchses. Im letzteren Fall wurde die Jägerin sogar verurteilt

Tierwelt

Besonders betroffen sind:

Bedrohungen

So bedroht illegale Verfolgung Österreichs geschützte Arten

 

Bedrohung 1: Illegale Verfolgung aufgrund fehlender Akzeptanz

Ein Grund für die illegale Verfolgung geschützter Arten liegt in der fehlenden Akzeptanz. Räuber wie Luchse, Wölfe, Fischotter oder Greifvögel werden oft als Konkurrenz um Ressourcen wahrgenommen oder als Bedrohung für Nutztiere gesehen. Meist war dies auch der Grund für ihre einstige Dezimierung oder Ausrottung. Durch die lange Abwesenheit von Luchs, Wolf oder Fischotter ist vielerorts in Vergessenheit geraten, wie ein friedliches Zusammenleben funktionieren kann. Darüber hinaus wurde der Lebensraum der Arten stark beschnitten, wodurch Konflikte stärker in den Vordergrund rücken. Die zahlreichen positiven Aspekte, die diese Arten mit sich bringen, werden meist in den Hintergrund gestellt und ein konfliktarmes Miteinander von vornherein abgelehnt. Dies mündet nicht selten in offenen Abschuss-Drohungen oder dem Schritt zur Selbsthilfe Einzelner.

Karte: Gemeldete Fälle illegaler Verfolgung in Österreich.jpg

 

Bedrohung 2: Indirekte illegale Verfolgung

Oft ist eine Art nicht unmittelbar das Ziel der Verfolgung, kommt aber trotzdem zu Schaden. Dann sprechen wir von indirekter illegaler Verfolgung. Fälle, in denen geschützte Arten in Fallen gefangen oder verkannt und in Folge abgeschossen werden, fallen in diese Kategorie. Auch das darf natürlich nicht passieren. Denn egal welche Absicht dahinter steht: Das Töten geschützter Arten ist kein Kavaliersdelikt.

FÄLLE ILLEGAL GESCHOSSENER, VERGIFTETER ODER DURCH FALLEN GETÖTETER GREIFVÖGEL WURDEN SEIT 2000 IN ÖSTERREICH DOKUMENTIERT

Bedrohung 3: Illegale Jagd auf Trophäen

Nicht immer ist ein Nutzungskonflikt die Motivation für den Abschuss einer geschützten Art. Auch der Wunsch, in den Besitz einer Trophäe zu kommen, treibt die Täter*innen an. Oft wird das geschützte Tier mithilfe eines Präparators bearbeitet, damit die Trophäe ausgestellt werden kann. So zum Beispiel auch geschehen im Fall eines gewilderten Bären der mittlerweile wieder erloschenen Ötscher-Bären-Population.

Luchs Trophäe

Lösungen

So können wir die illegale Verfolgung geschützter Arten bekämpfen

Lösung 1: Steigerung der Akzeptanz

Akzeptanz und Verständnis der lokalen Bevölkerung sind ausschlaggebend für die positive Entwicklung der österreichischen Bestände geschützter Arten. Viele “Mythen” ranken sich nach wie vor um Arten wie Wolf, Luchs, Fischotter, Biber und viele der Greifvögel. Der WWF ist hier bemüht, im Dialog mit Stakeholdern und in der Öffentlichkeitsarbeit die vielen positiven Aspekte dieser Arten bekannt zu machen und gemeinsam Lösungen für ein konfliktarmes Miteinander zu erarbeiten.

Ein Wolf mitten im Wald

Lösung 2: Ausbau der Zusammenarbeit 

Ein wichtiger Schritt zur verbesserten Bekämpfung von Wildtierkriminalität ist aus Sicht des WWF vor allem der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Experten und Expertinnen, Exekutive und Justiz. Bereits jetzt wird bei Meldung von Verdachtsfällen im engen Austausch mit speziell geschulten Polizeibeamten, sogenannten „Umweltkundigen Organen“, zusammengearbeitet. Auf Anfrage kommen auch Hunde zu Einsatz, die Kadaver oder auch gezielt Gift aufspüren können. Sind Ermittlungen erfolgreich, muss es zu einer verstärkten Ahndung von Delikten kommen, um eine abschreckende Wirkung zu erreichen.

Close-up einer Waage der Justiz

Wer eine streng geschützte Art illegal verfolgt, begeht eine Straftat und kein Kavaliersdelikt. Es droht hier eine mehrjährige Haftstrafe.

Christina Wolf-Petre

Expertin für Artenschutz, WWF Österreich

Projekte

So kämpft der WWF gegen die illegale Verfolgung geschützter Arten in Österreich

PannonEagle

Im Rahmen des LIFE-Projektes „PannonEagle“ haben sich der WWF Österreich und BirdLife Österreich gemeinsam mit einer Reihe weiterer Partner zum Ziel gesetzt, die illegale Verfolgung der Greifvogelarten zu reduzieren. Da unsere Brutvögel auf ihren Streifzügen weit über die Landesgrenzen hinwegfliegen, ist es nötig, auf internationaler Ebene im Kampf gegen die illegale Verfolgung zusammenzuarbeiten. In enger Kooperation mit der Exekutive und der Justiz wollen wir im Rahmen dieses Projektes die Aufklärungsraten erhöhen und Präzedenzfälle schaffen, um Täter abzuschrecken. Ziel des Schutzprojektes ist es, die illegale Verfolgung zu reduzieren und die Population des Kaiseradlers bis 2022 um zehn Prozent zu erhöhen. Seit dem Jahr 2016 werden im Rahmen des Projektes im Raum Ostösterreich –  in enger Zusammenarbeit mit Bundes- und Landeskriminalamt – Fälle bearbeitet. In diesem Rahmen wurde in Abstimmung mit Jagd Österreich, dem BMI und weiteren Institutionen ein Leitfaden für Ermittlungen bei der illegalen Verfolgung von Greifvögeln entwickelt.

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Kooperation mit dem Verein Naturschutzhunde 

Naturschutzhunde finden ein breites Feld an Einsatzmöglichkeiten und gewinnen weltweit in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Neben der Suche nach Wolf, Fledermaus, Borkenkäfern und Co., kommen Hunde auch bei der Suche nach Kadavern zum Einsatz, um gewilderte oder vergiftete Tiere aufzufinden und damit Fälle illegaler Verfolgung sichtbar zu machen. In letzter Zeit wurden vor allem in Ostösterreich vermehrt Naturschutzhunde erfolgreich eingesetzt, um Tierkadaver aufzuspüren, die andernfalls vom Menschen nicht oder nur sehr schwer gefunden werden können. Ziel ist es, langfristig ein Netzwerk an geschulten und nach einheitlichen Standards ausgebildeten Mensch-Hund-Teams zur Verfügung zu stellen, das zu einheitlichen Rahmenbedingungen für die Bekämpfung der Illegalen Verfolgung von Wildtieren in Österreich im Einsatz ist.

Einsatz gegen Wildtierkriminalität

Der WWF arbeitet daran, dass das Problem von Wildtierkriminalität sichtbar gemacht und gemeinsam mit strategischen Partnern bekämpft wird. So haben wir in den letzten Jahren mit der Auslobung von Prämien versucht, die Aufklärungsarbeit der Polizei zu unterstützen. Denn Erfahrungswerte zeigen, dass dieser Anreiz zusätzliche Hinweise und neue Ermittlungsstränge für die Polizei liefern kann. Im Jahr 2015 etwa führte die ausgesetzte Prämie nach einem Luchs-Fund zur Ergreifung eines Ehepaars. Beide wurden zu einer Geldstrafe und Schadensersatzzahlung verurteilt, der Jagdschein wurde ihnen für mehrere Jahre entzogen. Auf einen ähnlichen Fahndungserfolg hofften wir im Zuge der Ermittlungen zu einem gewilderten Wolf in Tirol. Der WWF hat außerdem gemeinsam mit dem Tiroler Jägerverband und Naturschutzbund eine Allianz gegen Wildtierkriminalität in Tirol gegründet. Gemeinsame Aktivitäten innerhalb der Allianz sollen dazu beitragen Fälle von Wildtierkriminalität zur Anzeige zu bringen, Täter strafrechtlich zu verfolgen und ein Bewusstsein für das Problem der illegalen Verfolgung schaffen. Mit anderen Landesjagdverbänden arbeitet der WWF ebenfalls am Thema Wildtierkriminalität. Weiters arbeiten wir am Aufbau und der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Ermittlungsbehörden und der Justiz. Denn das erhöht die Chancen für Verurteilungen von Wilderern.

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Wien, am 12. August 2021 – Urlaubssouvenirs erinnern an die schönste Zeit des Jahres, können bei der Rückreise aber zu bösen Überraschungen und empfindlichen Strafen führen. Unzählige Mitbringsel werden jährlich an den Landesgrenzen beschlagnahmt – insbesondere geschützte Tiere, Pflanzen oder Produkte aus ihnen.

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