Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
WWF warnt vor Artenverlust in der Unteren Lobau
Wien, 8. September 2026 – Der generelle Wassermangel in der Unteren Lobau bedroht laut einem aktuellen WWF-Check zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten und wird durch die extreme Dürre weiter verschärft. Besonders betroffen sind demnach zum Beispiel der Bitterling, der Donau-Kammmolch, die Europäische Sumpfschildkröte und mehrere Flussmuschelarten. Der WWF warnt bei weiteren extremen Trockensommern vor dem Verlust lokaler Vorkommen. „Besonders hart trifft es Arten, die dauerhaft auf intakte Augewässer angewiesen sind. Laichgewässer trocknen aus, Restgewässer werden zu warm und sauerstoffarm“, sagt WWF-Experte Michael Stelzhammer. Der WWF fordert daher die Stadt Wien zu einer raschen Wasserzufuhr sowie zu einem systematischen Artenmonitoring auf.
Die Untere Lobau ist für viele seltene Arten ein wichtiger Rückzugsraum. Doch niedrige Wasserstände führen dazu, dass sich die Gewässer bei hohen Temperaturen rascher erwärmen und ihr Sauerstoffgehalt sinkt. Für Fischarten wie Bitterling und Schied kann das rasch lebensbedrohlich werden. Amphibien wie Rotbauchunke oder Donau-Kammmolch verlieren wiederum kleine, fischfreie Gewässer, die sie für ihre Fortpflanzung benötigen.
Auch wassergebundene Reptilien verlieren immer mehr Lebensraum. Die Europäische Sumpfschildkröte verbringt einen Großteil ihres Lebens im Wasser und benötigt intakte Augewässer zur Paarung und Fortpflanzung. Die extrem seltene Würfelnatter ist als ausgezeichnete Schwimmerin und Taucherin an ein Leben am und im Wasser gebunden.
Besonders hart trifft die Trockenheit Flussmuscheln. Einige Arten können viele Jahrzehnte alt werden und haben viele schwierige Phasen überstanden. Trocknen ihre Gewässer wiederholt aus, stoßen jedoch auch diese langlebigen Arten an ihre Grenzen. Dabei haben sie durch ihre enorme Wasserfilterleistung einen wichtigen Anteil an der Reinigung von Gewässern.
Bei den Pflanzen geraten vor allem Wasser- und Sumpfpflanzen unter Druck. Dazu zählen Krebsschere, Froschbiss und Sumpf-Stendelwurz. Sie sind auf dauerhaft wasserführende Gewässer oder feuchte, wasserdurchzogene Böden angewiesen.
WWF fordert Wasserzufuhr und Artenmonitoring
Als Sofortmaßnahme fordert der WWF von der Stadt Wien, gezielt Wasser aus der Oberen in die Untere Lobau zu leiten. Zusätzlich benötigt es ein systematisches Monitoring, das den Zustand der besonders betroffenen Arten und ihrer Lebensräume regelmäßig erfasst. Damit sollen Verschlechterungen früh erkannt und die Wirkung von Schutzmaßnahmen überprüft werden. „Die Untere Lobau ist Teil des Nationalparks Donau-Auen und des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Angesichts des geltenden Verschlechterungsverbots muss die Stadt Wien darlegen, wie sie weitere Verschlechterungen der geschützten Lebensräume verhindert“, sagt Stelzhammer.
Langfristig fordert der WWF eine strukturelle Verbesserung und eine grundlegende Anbindung an die Donau im oberen Bereich des Augebiets. Dadurch ließen sich die Wasserversorgung verbessern und eine naturnahe Fließdynamik wiederherstellen.
______________________________________________________________________
Ausgewählte betroffene Arten im Überblick
Der WWF-Check umfasst ausgewählte geschützte Tierarten aus der Natura-2000-Liste für die Untere Lobau sowie österreichweit geschützte Pflanzenarten und basiert auf der fachlichen Einschätzung des WWF.
Fische: Sinkende Wasserstände, steigende Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel können für Schied, Wels und Bitterling lebensbedrohlich werden. Der seltene und EU-weit geschützte Schlammpeitzger – auch als „Furzgrundel“ bekannt und Fisch des Jahres 2026 – kommt mit Sauerstoffmangel vergleichsweise gut zurecht, ist aber ebenfalls auf erhaltene Auengewässer angewiesen.
Amphibien: Donau-Kammmolch, Rotbauchunke und Moorfrosch brauchen fischfreie Kleingewässer zur Fortpflanzung. Trocknen diese infolge von Dürre und sinkenden Grundwasserständen aus, fehlen geeignete Laichgewässer.
Reptilien: Die Europäische Sumpfschildkröte und die wassergebundene Würfelnatter sind auf intakte Auengewässer angewiesen.
Vögel: Flussuferläufer, Flussseeschwalbe, Flussregenpfeifer und Eisvogel verlieren mit schrumpfenden Gewässern und Schotterbänken wichtige Lebensräume. Seeadler und Reiher sind indirekt betroffen, wenn ihr Nahrungsangebot zurückgeht.
Kleintiere: Hoch spezialisierte Arten wie die Grüne Flussjungfer, Breitflügel-Tauchkäfer, Flussmuscheln und seltene Wasserschnecken leiden unter dem Verlust von Gewässern.
Pflanzen: Sumpf-Stendelwurz, Sibirische Schwertlilie, Krebsschere und Froschbiss verlieren Lebensraum, wenn Gewässer austrocknen oder verlanden.
Bilder zum WWF-Artencheck sind HIER abrufbar.
News
Aktuelle Beiträge
Wassermangel im Herbst: Sehr niedrige Wasserführung an über 80 Prozent der Flusspegel
September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
„Reh umgefahren. Halb so Wild“: WWF legt Beschwerde beim Werberat ein
Naturschutzorganisation kritisiert Verharmlosung von Tierleid und fordert Rücknahme des Smile-Sujets – Werberat sollte sich als klares Signal für Werbestopp oder Sujetwechsel aussprechen
WWF kritisiert späten und lückenhaften Start des Wasser-Registers
Umweltschutzorganisation fordert raschere Umsetzung und umfangreichere Erfassung der Wassernutzung – WWF warnt vor „blinden Flecken“ im Wasserentnahme-Register
Welttierschutztag: WWF fordert Ende der Verfolgung geschützter Wildtiere
Wolfsabschüsse auf Rekordniveau, Tötungskontingente für über 1.000 Biber – WWF: Bund und Länder müssen Prävention und Artenschutz stärken
WWF zu Wolfsabschuss in Arzl: DNA-Befund weist Goldschakal nach
Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
Good News: Kakapos kehren nach Neuseeland zurück
Die vom Aussterben bedrohte Vogelart erholt sich: 2026 ist der Bestand in Neuseeland so hoch, wie seit bereits 75 Jahren nicht mehr.
WWF: Tiwag will Gefahrenanalysen weiter geheim halten
Energiekonzern bekämpft gerichtlich angeordnete Herausgabe vor Verfassungsgerichtshof – WWF kritisiert Geheimhaltung sicherheitsrelevanter Informationen – Unterlagen auch für Kaunertal-Ausbau relevant
WWF kritisiert zynische Werbung mit Tierleid: Versicherungsanbieter muss Kampagne stoppen
„Reh umgefahren – halb so wild“: Versicherung verharmlost Wildunfälle – WWF fordert Rücknahme des Sujets und verantwortungsvolle Werbung








