EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF-Report: Grasländer, Moore und Savannen essentiell im Kampf gegen die Klimakrise

Wien, Brüssel, am 18. Jänner 2022. Nicht nur Regenwälder, sondern auch Savannen, Grasländer und Feuchtgebiete werden weltweit aufgrund wachsender Agrarproduktion zerstört. Diese Ökosysteme sind jedoch allesamt besonders schützenswert und sollten daher laut einem neuen Report der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) unbedingt im geplanten EU-Lieferkettengesetz berücksichtigt werden. “Grasländer und Savannen können zweimal mehr Kohlenstoff speichern als tropische Wälder. Die Zerstörung von Mooren ist für fünf Prozent der gesamten globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich – doppelt so viel wie die weltweiten Emissionen des Flugverkehrs. Wenn wir die Klimakrise bekämpfen wollen, können wir auf diese natürlichen Kohlenstoff-Speicher nicht verzichten”, sagt Hannah-Heidi Schindler, WWF-Expertin für nachhaltige Ernährung.
Die artenreichste Savanne der Erde, der brasilianische Cerrado ist aufgrund von Weidehaltung und Soja-Anbau für europäisches Rindfleisch besonders betroffen. Hauptschuld dafür trägt unser großer Hunger auf Fleisch, der für einen Großteil dieser Lebensraumzerstörung, den Artenverlust und die Beschleunigung der Klimakrise verantwortlich ist. Dabei können Konsument*innen oft nicht einmal nachvollziehen, woher ihre Lebensmittel stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. „Europa muss Verantwortung für die Folgen seines Konsums übernehmen und mit dem EU-Lieferkettengesetz verhindern, dass Naturzerstörung auf unseren Tellern landet”, sagt Schindler.
Der WWF fordert, dass neben Regenwäldern auch weitere wertvolle Ökosysteme, wie Savannen, Gras- und Moorlandschaften, von Beginn an in den gesetzlichen Rahmen einbezogen werden. Ebenfalls zentral sei eine verbindliche und transparente Sorgfaltspflicht für alle relevanten Unternehmen – unabhängig von deren Größe: „Nur so können die verwendeten Rohstoffe entlang der Lieferkette konsequent rückverfolgt werden“, mahnt Hannah-Heidi Schindler. Darüber hinaus müsse die geplante Verordnung alle Produkte, die mit der Entwaldung in Verbindung stehen, berücksichtigen: „Derzeit wird zum Beispiel die Einfuhr von Mais nicht reguliert – obwohl er jenes Agrargut ist, das die EU nach Soja und Palmöl am meisten aus tropischen Ländern importiert“, kritisiert WWF-Expertin Schindler eine Lücke im Entwurf der EU-Kommission.

Die Europäische Union ist nach China der zweitgrößte Importeur von weltweiter Regenwaldabholzung. Beispielsweise stammt ein Fünftel der Rindfleisch-Importe in die EU aus dem Cerrado-Gebiet, dem Zuhause von fünf Prozent aller Arten weltweit. Auch das argentinische Chaco-Gebiet leidet massiv unter dem Soja-Anbau für den Export in Europas Futtertröge. Darüber hinaus sind laut dem Report bereits 94 Prozent der Moore in Sumatra der Ackerlandgewinnung für Palmölplantagen, der Gummi- oder Zellstoffproduktion zum Opfer gefallen.
Der neue WWF-Bericht zeigt, dass die von der EU zu verantwortenden Liefer- und Handelsketten eine direkte Rolle bei der Degradierung und Umwandlung von Ökosystemen weltweit spielen – und das weit über die Wälder hinaus. “Wenn die EU natürliche Ökosysteme jenseits der Wälder im Geltungsbereich der Verordnung außen vor lässt, verpasst sie die Chance, ihren eigenen Fußabdruck zu verringern und untergräbt ihre Klima- und Biodiversitäts-Ziele”, warnt Hannah-Heidi Schindler.
Kurzfassung des Reports auf Deutsch: https://bit.ly/3rLX0dJ
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Tigerinnen in Thailand ziehen erfolgreich Nachwuchs groß
Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF-Flüssereport: Drei Viertel der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt
77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn










