Artenlexikon
Der Dornhai – das Ende der Schillerlocke?

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Squalus acanthias
Icon Unterarten
Familie
Dornhaie
Gefährdungsstatus
Gefährdet (IUCN, 2019)

Verbreitung

Afrika
Atlantischer Ozean
Australien
Europa
Mittelmeer
Pazifischer Ozean
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Dornhai

Der große Fressfeind des Dornhais ist der Mensch – Schillerlocke, Seeaal oder Seestör sind nur einige Namen, unter denen die Tiere auf unserem Teller landen. Wie viele Haiarten sind Dornhaie nicht nur wichtig für das Ökosystem Meer, sondern auch sehr anfällig für Überfischung.

Körperliche Merkmale

Die Familie der Dornhaie zählt zahlreiche Arten – die häufigste ist der gemeine Dornhai, der in diesem Artikel behandelt wird. Dornhaie im Allgemeinen sind durch ihren langen, schlanken Körper und die kurze, spitze Schnauze erkennbar. Was ihnen allen gemeinsam ist, ist das Fehlen einer Afterflosse, ihren Namen erhalten sie von dem Stachel, der vor jeder der beiden Rückenflossen sitzt. Wie alle Haie sind auch Dornhaie Knorpelfische und haben keine Gräten. Die Raubfische besitzen zwei große Nasenlöcher, die nahe an den ovalen Augen sitzen. Die Atmung erfolgt über je fünf Kiemenspalten, die vor den beiden breiten Brustflossen liegen. Der Gemeine Dornhai ist blau bis blaugrau gefärbt, der Bauch ist heller. Auf dem Rücken und an den Flanken der Jungtiere befinden sich unregelmäßig verteilte, weiße Flecken, die später verschwinden. Die Zähne sind in beiden Kiefern gleichartig gestaltet, mit sehr schräg nach außen gestellter Spitze und glattem Rand. Die Schwanzflosse des Gemeinen Dornhais zeichnet sich durch einen großen Oberlappen aus, der keine Einkerbungen an der Unterseite aufweist. Die Lebensdauer von Dornhaien beträgt mindestens 35 bis 40 Jahre. Manchen Schätzungen zufolge können Dornhaie sogar bis zu 100 Jahre alt werden.

Lebensweise und Fortpflanzung

Gemeine Dornhaie leben oft in Schwärmen – sogenannten Schulen. Diese sind nach Geschlecht und Größe getrennt. Die “Männchenschwärme” und “Weibchenschwärme” kommen nur zur Paarung zusammen. Manche Populationen sind eher sesshaft, während andere lange Wanderungen unternehmen, auf denen die Fische auch in Küstennähe kommen. Über die Biologie der Raubfische ist noch wenig bekannt, die besonders in der Tiefsee schwer zu erforschen sind. Bekannt ist, dass Dornhaie recht spät geschlechtsreif werden, wobei das genaue Alter nach Bestand variiert – Weibchen erreichen nach 12 bis 13 Jahren die Geschlechtsreife, Männchen mit sechs bis 14 Jahren. Der Gemeine Dornhai ist, wie viele andere Haie lebendgebärend. Bei der Paarung werden die Eier im Körper befruchtet, nach einer langen Tragezeit von 18 bis 24 Monaten kommen zwei bis elf Junge zur Welt.

Ernährung

Dornhaie ernähren sich vor allem von anderen Fischen wie Heringen, Dorschen oder Hornhechten – je nach Lebensraum. Auch Wirbellose wie Tintenfische, Krebse, sogar Seegurken und Quallen gehören zum Beutespektrum.

Lebensraum
Meere
Ernährungsart
Fleischfresser
Besonderheiten
Schätzungen zufolge können Dornhaie bis zu 100 Jahre alt werden.
Tags
Arten
Artenschutz
Hai
Thematisch
Wal

Dornhai und Mensch

Der Mensch nutzt den Dornhai vor allem als Speisefisch – in unseren Breiten sind sie meist als Schillerlocken oder Seeaal im Handel zu finden. Andere Namen sind Kalbsfisch, Speckfisch, Karbonadenfisch, Königsaal, Seestör oder Steinlachs. Früher fanden Dornhaiprodukte auch als Vitamin-A-Quelle, in Form von Lebertran, gemahlen als Fischmehl und als Düngemittel Verwendung. In Asien sind die Flossen des Dornhais heute noch begehrte Grundlage für Haifischflossensuppe.
Diese Vielfalt an Produkten und der weitgehend unregulierte Handel haben dazu geführt, dass Überfischung die größte Bedrohung für den Dornhai geworden ist. Die Tiere erreichen die Geschlechtsreife spät, haben eine lange Tragezeit und bringen relativ wenige Junge zur Welt. Bestände erholen sich dementsprechend langsam. Ein zusätzliches Problem ist der Beifang – immer kleinere Maschen der Schleppnetze sorgen dafür dass auch Jungtiere gefangen werden.
Wer aber Haiprodukte meidet, tut nicht nur den Fischen einen Gefallen. Denn das Fleisch der Tiere enthält oft erhebliche Mengen von Methylquecksilber, das sich im Körper anreichert und belasten Nervensystem, Leber, Nieren und Herzmuskulatur. Die Anreicherung von Quecksilber betrifft vor allem Raubfische wie Haie, Schwertfische und große Thunfische.

Der Dornhai in der Kulturgeschichte

Wie schon beschrieben, definiert sich das Verhältnis des Menschen zum Dornhai hauptsächlich über den Speiseplan. Die berühmte Schillerlocke hat ihren Namen übrigens tatsächlich von dem berühmten Dichter. Beim Räuchern ziehen sich die Bauchlappen des Fisches, die dafür verwendet werden, zusammen und „kringeln“ sich, am Ende entsteht außerdem eine Krümmung. Das soll an die langen Nackenlocken Schillers erinnern und gibt der Speise ihren Namen.

Projekte und Engagement des WWF

Unser oberstes Ziel als WWF ist es, die bestehenden Populationen des Dornhais zu erhalten und dafür zu sorgen, dass sie sich in Ruhe erholen können. Ein wesentlicher Faktor dafür ist es, beim Verbraucher ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was der eigene Speiseplan ausmacht – und wie jeder einzelne einen Beitrag leisten kann. Eine wichtige Maßnahme ist natürlich unser Fischratgeber.

Leider gibt es international noch kein ausreichendes Management und nicht ausreichend Meeresschutzgebiete für den Dornhai, was einen verantwortungsvollen Verzehr praktisch unmöglich macht. Lediglich einzelne Länder haben bislang Managementpläne entwickelt. Doch selbst in diesen gelten bestimmte Fangquoten nur für kleine Bereiche der großen Verbreitungsgebiete der Dornhaie. Daher setzt sich der WWF dafür ein, durch Monitoring-Programme die Dornhaibestände besser zu erfassen sowie einen Überblick über den internationalen Handel zu bekommen. Außerdem sollen nachhaltige Fischereimethoden und Schutzkonzepte für den Dornhai entwickelt werden.

Der WWF engagiert außerdem sich weltweit dafür, weitere Meeresnationalparks und Schutzgebiete einzurichten, welche auch Dornhaien zugute kommen würden. Ziel ist es, weltweit 30 Prozent der Meeresfläche bis 2030 unter Schutz zu stellen. Auch müssen nach Ansicht der Umweltstiftung Nationalparks und andere Schutzgebiete rechtlich gestärkt und angemessen umgesetzt werden.

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