Artenlexikon
Der Weißstorch – Meister Adebar auf Reisen

Artenlexikon:

wissenschaftlicher Name
Ciconia ciconia
Icon Unterarten
Familie
Ciconiidae
Aktueller Bestand
Österreich
700 - 800 (BirdLife 2018)
Weltweit
700000 (Wetlands International 2015)
Gefährdungsstatus
Österreich
Potentiell gefährdet
Weltweit
Nicht gefährdet (IUCN, 2016)

Verbreitung

Afrika
Asien
Europa
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Weißstorch

Störche bringen keine Kinder. Aber sie spielen als Insektenbekämpfer eine wichtige Rolle – und als Zugvögel gleich in mehreren Ökosystemen. Doch auf dem langen Weg zwischen Sommer- und Winterquartier lauern Gefahren – die meisten davon von Menschen gemacht.

Körperliche Merkmale

Charakteristisch für den Weißstorch ist sein schwarz-weißes Gefieder und seine langen roten Beine und Schnabel. Die Flügelspannweite der imposanten Tiere beträgt rund zwei Meter, im Flug strecken sie den Hals elegant nach vorne. Weißstörche haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von acht bis zehn Jahren. Der älteste gefundene Weißstorch war 35 Jahre alt.
Charakteristisch für den Weißstorch ist das Klappern, mit dem die Störche sich sowohl gegenseitig begrüßen als auch Feinde vom Nest fernhalten. Beim Klappern biegt der Storch Hals und Kopf nach hinten, bis der Scheitel den Rücken berührt. Häufig wird das Klappern von einer Art Fauchen begleitet.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die Nester, auch Horste, der Weißstörche sind beeindruckend – sie können einen Durchmesser von bis zu zwei Metern und ein Gewicht von bis zu einer Tonne erreichen. Das liegt daran, dass die Tiere immer wieder zu ihren Nestern zurückkehren und diese ausbauen. Der Weißstorch brütet auf Hausdächern, Türmen, Strommasten oder Bäumen. Gern nimmt er auch künstliche Nestunterlagen wie Wagenräder an. In der Brutzeit, die von April bis Anfang August dauert, legt das Weibchen drei bis fünf Eier, die von beiden Partnern abwechselnd bebrütet werden. Erste Flugversuche des Nachwuchses erfolgen bereits nach sechs Wochen, nach ungefähr zwei Monaten verlassen die Jungvögel das Nest.
Der Weißstorch bevorzugt offene Landschaften, Feuchtgrünland, Flussniederungen und Auen mit regelmäßigen Überschwemmungen, sowie extensiv genutzte Wiesen und Weiden. In Südeuropa und Nordafrika kommt er auch in Trockengebieten vor.

Mitte bis Ende August starten die Tiere ihre Reise nach Afrika, wo sie südlich der Sahara überwintern. Je nach Startpunkt folgen sie dabei unterschiedlichen Routen. Dabei legen sie eine Entfernung von etwa 10.000 km zurück. Für diese Strecke benötigen sie ein bis anderthalb Monate. Der Rückflug beginnt in Afrika Mitte Februar, die Rückkehr erfolgt meist Anfang März bis Anfang April. DIe Störche aus Österreich fliegen großteils über den östlichen Mittelmeerraum in den Osten und Südosten von Afrika. Nur die Vorarlberger Störche sind ‘Westzieher’ und fliegen über Gibraltar in den Westen Afrikas.

Ernährung

Weißstörche sind Fleischfresser, sie erbeuten Kleinsäuger, Froschlurche, Eidechsen, Schlangen, Fische, große Insekten und ihre Larven, sowie Regenwürmer und in seltenen Fällen Eier und Vogeljunge von Bodenbrütern. Gelegentlich fressen sie auch Aas. Bei der Jagd schreiten die langbeinigen Vögel mit ihrem charakteristischen Staksen durch Wiesen und Feuchtbereiche und stoßen blitzartig mit dem Schnabel nach der Beute. Der Weißstorch ist außerdem Kulturfolger – haben sich also nicht nur an den Menschen angepasst, sondern nutzen seine Gegenwart: Nicht selten folgt er landwirtschaftlichen Maschinen, um aufgescheuchte Tiere zu fressen. Größere Tiere werden zunächst mit dem Schnabel getötet und dann mit dem Kopf voran gefressen.
Immer mehr Störche fliegen nicht mehr bis in die weit entfernten Winterquartiere sondern verbringen die kalte Jahreszeit auf Mülldeponien der Iberischen Halbinsel oder Nordafrikas, wo sie Futter finden. Mitunter werden sogar echte Überwintere beobachtet, die völlig auf die Wanderung verzichten. Problematisch ist das zum einen für die Ökosysteme der Zielgebiete, in denen Störche ihre Rolle als Insektenbekämpfer nicht mehr erfüllen, zum anderen lauern auf den Deponien Gefahren, wie Vergiftung oder Verletzung.

Lebensraum
Savannen
Ernährungsart
Fleischfresser
Tierstimme
Besonderheiten
Störche sind treu - aber nicht ihren Partnern, sondern ihren Nestern.
Tags
Arten
Artenschutz
Storch
Thematisch
Vogel

Weißstorch und Mensch

Viele Feuchtgebiete, in denen der Weißstorch lebt und jagt, werden zunehmend entwässert und landwirtschaftlich genutzt. Das entzieht seiner Beute den Lebensraum und dem Storch folglich die Nahrung. Die Beutetiere, die noch vorhanden sind, sind oft durch Pestizide belastet, was natürlich auch den Räubern schadet und ihre Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Auch finden die Vögel auf ihren Zugrouten immer weniger Rastplätze.
Was den Vögeln auf ihren Wanderungen außerdem oft gefährlich wird, sind Stromleitungen. Die Tiere sterben entweder an Stromstößen oder verletzen sich an Leitungen und Masten.

Der Weißstorch in der Kulturgeschichte

Am berühmtesten ist der Storch im europäischen Volksglauben wohl dafür, dass er Babys bringt. Der Sage nach finden die Vögel Kinder in Höhlen und Sümpfen und bringen sie dann zu kinderlosen Paaren. Immer wieder wurden in Gebieten mit vielen Storchenpaaren erhöhte Geburtenraten berechnet – obwohl kein Zusammenhang besteht. Tatsächlich gilt dieses Beispiel als Lehrbuchbeispiel für eine Scheinkorrelation.

Projekte und Engagement des WWF

In den Unteren Marchauen brüten ca. 40 Storchenpaare, die jährlich im Schnitt 80 bis 90 Jungvögel großziehen. Damit der Bestand dauerhaft geschützt ist, braucht es Raum – Lebensraum. Es ist also essentiell die Lebensräume der Störche zu schützen und zu erweitern. Deshalb engagieren wir uns global für die Bewahrung von Süßwasser-Feuchtgebieten: Naturzerstörende Eingriffe werden verhindert, geschädigte Biotope wiederhergestellt, Schutzgebiete ausgewiesen und eine naturverträgliche Land- und Forstwirtschaft gefördert.
Im geschützten Auenreservat Marchegg erlebt Meister Adebar sehr günstige Lebensbedingungen. In den Auwiesen und Tümpeln finden die Störche reichlich Nahrung. Dazu zählen vor allem Regenwürme, Heuschrecken, Käfer, Mäuse und Frösche. Seit 2015 weiden hinter dem Marchegger Schloss wieder Rinder und Konik-Pferde. Diese halten die Vegetation niedrig und machen dem Storch die Jagd auf seine Beute leicht.

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