WWF Artikel mit bestimmten Darstellungsformen: Manuell (Sonderformate)

 

© Rubens Matsushita/ICMBio

COP15, GBF und CBD? Wir erklären dir das Wichtigste zur Weltnaturkonferenz 2022

Von 7. bis 19. Dezember findet die 15. Weltnaturkonferenz (CBD COP15) statt. Dafür treffen sich die Mitgliedstaaten des UN-Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD) im kanadischen Montréal. Schon seit den 1990er Jahren gibt es dieses Abkommen. Heuer soll nun ein neues Biodiversitätsabkommen, das Global Biodiversity Framework (GBF), beschlossen werden. Wir haben für dich zusammengefasst, was hinter diesen Schlagworten steckt und was du über die heurige Weltnaturkonferenz wissen musst.

Was ist das UN-Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD)?

Im Jahr 1992 kam es auf der UN-Weltkonferenz in Rio de Janeiro zu einem historischen Moment: Die Mitgliedstaaten verabschiedeten das Übereinkommen über die biologische Vielfalt. Bis heute ist es das wichtigste Abkommen für die Biodiversität und das erste internationale Regelwerk, das alles Lebendige in unserer Umwelt schützt und dies mit der nachhaltigen Nutzung biologischer Ressourcen verbindet. Dazu gehören also Tiere, Pflanzen, aber auch Ökosysteme.

 

Die CBD berücksichtigt die biologische Vielfalt in allen Lebens-, Wirtschafts- und Nutzungsbereichen des Menschen. Sie verfolgt drei große Hauptziele:

1. Den Erhalt der Biodiversität: Die Vielfalt von Tierarten, Pflanzenarten, Lebensräumen und aller Gene muss unbedingt geschützt werden.

2. Die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen in unserer Umwelt: So müssen etwa Wälder, Flüsse und Pflanzen so genutzt werden, dass sie auch für zukünftige Generationen bestehen bleiben.

3. Die gerechte Aufteilung von Gewinnen: Wenn die Ressourcen des Planeten genutzt werden, sollen nicht nur einige wenige von den Vorteilen profitieren.

Das Abkommen ist vökerrechtlich verbindlich, die Mitgliedstaaten sind zur Umsetzung verpflichtet, können aber nicht gezwungen werden.

 

  © WWF-Madagascar/Rakotondrazafy A. M. Ny Aina

 

Was ist die UN-Weltnaturkonferenz (COP15)?

Die erste UN-Weltnaturkonferenz, also die COP1, fand 1994 auf den Bahamas statt. Die Mitgliedstaaten treffen sich alle zwei Jahre, um den Schutz der Biodiversität auf unserem Planeten zu besprechen. Eigentlich war die 15. Ausgabe für 2020 geplant, sie musste aber wegen Covid-19 verschoben werden und wird außerdem in zwei Teilen abgehandelt.

Der erste Teil fand bereits im Oktober 2021 im chinesischen Kunming statt. Dort haben die Mitgliedstaaten die „Erklärung von Kunming“ verabschiedet, die nun die Weichen für die weiteren Verhandlungen stellen soll. Diese Erklärung schlägt grundsätzlich den richtigen Ton an und hält fest, dass eine breite Palette von Maßnahmen nötig ist, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Die Erklärung ist aber noch vage formuliert.

Von 7. bis 16. Dezember 2022 findet der zweite Teil der Konferenz im kanadischen Montréal statt. Dort soll nun ein neues UN-Abkommen zum Erhalt der biologischen Vielfalt in der Welt verabschiedet werden: Das Global Biodiversity Framework (GBF).

 

Was ist das Globale Biodiversitätsabkommen (GBF)?

Die 15. Ausgabe der COP, die heuer stattfindet, ist also besonders wichtig. Denn dort soll nun das post-2020 globale Biodiversitätsabkommen verabschiedet werden: Ein globales Abkommen, das messbare Ziele bis 2030 festsetzt, um die Ursachen des Artensterbens und des Verlusts der biologischen Vielfalt zu bekämpfen. Schon seit 2018 laufen die Verhandlungen, die wegen Covid-19 im Verzug sind.

Das neue Abkommen ist die Chance, einen globalen Naturschutz-Pakt nach dem Vorbild des Pariser Klimaabkommens mit konkreten und messbaren Zielen zu vereinbaren, um das dramatische Artensterben zu stoppen. Es könnte sowohl die direkten als auch die indirekten Ursachen des Naturverlustes bekämpfen. Um das notwendige Ambitionsniveau zu erreichen, ist aber Engagement auf höchster politischer Ebene unerlässlich.

Fisch vor einem Korallenriff in Malaysia. (c) WWF-Malaysia/Eric Madeja

Was fordert der WWF?

Wir fordern, dass ambitionierte und messbare Ziele vereinbart werden, die die verschiedenen Ursachen des Artensterbens adressieren. Alle Länder müssen dafür sorgen, dass die artenreichen Ökosysteme der Welt bewahrt werden. Einige Ansätze sind für das Globale Biodiversitätsabkommen besonders wichtig:

Mehr Schutzgebiete: Es geht nicht nur darum, das Artensterben zu stoppen, sondern wir brauchen bis 2030 mehr Natur als jetzt: Wir müssen „nature positive“ werden. Auf unserem Planeten sind derzeit 15% der Landflächen und 7,5% der Meeresgebiete Schutzgebiete. Das ist zu wenig: Wir fordern, dass 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz gestellt werden und Lebensräume restauriert werden. Dieser Schutz muss im Einklang mit den Rechten der indigenen und lokalen Bevölkerung stehen.

Ökologischen Fußabdruck halbieren: Zusätzlich müssen mutige Ziele hin zu einer ressourcenschonenden Produktion der Wirtschaftssektoren und einem nachhaltigen Konsum beschlossen werden, um unseren ökologischen Fußabdruck zu halbieren.

Naturbasierte Lösungen: Im Abkommen muss der große Wert und Nutzen von naturbasierten Lösungen festgeschrieben werden. So schützen zum Beispiel gesunde Korallenriffe vor Überflutungen und Grünflächen können Städte in Zeiten der Klimakrise maßgeblich abkühlen.

Finanzen: Natürlich sind auch Finanzströme ein wichtiger Punkt: Wirksame Anreize und eine Regulierung für den Finanzsektor sind gefragt, damit private und öffentliche Investitionen nicht dazu beitragen, dass unsere Natur zerstört wird.

Verbindlichkeit einfordern: Eine wichtige Frage, die geklärt werden muss, ist: Wie werden diese Ziele erreicht? Ein klarer Umsetzungsmechanismus mit konkreten Indikatoren und transparenter Berichtspflicht, mit dem Fortschritte in den Nationalstaaten überprüft werden können und die Verantwortung der Staaten zu den vereinbarten Zielen nachfolgend eingefordert werden kann, wäre ein wichtiger Schritt.

 

 

Was bedeutet Nature Positive? (c) WWF

Update: Fazit zur COP15

Es waren lange und schwierige Verhandlungen, das Ergebnis freut uns nun aber sehr: Die Weltnaturkonferenz (COP15) hat sich auf ein neues globales Abkommen für die biologische Vielfalt geeinigt. In den wesentlichen Punkten haben die Mitgliedstaaten gute Vereinbarungen getroffen. Trotzdem ist das Abkommen noch lückenhaft und hat ein paar Schwächen. Hier kannst du mehr dazu lesen.

Zahlen & Fakten

  • Von 7. bis 16. Dezember 2022 findet der zweite Teil der Weltnaturkonferenz (COP15) in Montréal statt.
  • Der erste Teil wurde bereits im Oktober 2021 im chinesischen Kunming abgehalten und stellte die Weichen.
  • Heuer ist die Konferenz besonders wichtig, weil ein globales Abkommen zum Erhalt der Natur weltweit vereinbart wird.
icon Philanthropie_black

Downloads

Detaillierte Erwartungen an die COP15:

Lies hier mehr

Europawahl 2024: Die Parteien im WWF-Check
Im Vorfeld der Europawahl hat der WWF 15 Fragen an die im EU-Parlament vertretenen österreichischen Parteien gestellt.
Basteltipp: Ostereier mit Naturfarben und coolem Pflanzen-Muster
Fundraiser:in beim WWF gesucht
Wirtschaftsfaktor Biodiversität, die WWF-Konferenz