Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
March erstmals über 30 Grad: WWF warnt vor Hitzestress für Fische
Die March hat bei Hohenau einen neuen Temperaturrekord erreicht, wie eine WWF-Auswertung hydrographischer Daten des Landes Niederösterreich zeigt: Am Montag wurde demnach ein Höchstwert von 30,3 Grad Celsius gemessen. Damit wurde der bisherige Höchstwert von 29,3 Grad vom 3. August 2018 deutlich überschritten. Auch das Tagesmittel lag zuletzt bei außergewöhnlich hohen 28,7 Grad. „Für Fische ist die Wassertemperatur ein entscheidender Stressfaktor. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff, gleichzeitig steigt der Sauerstoffbedarf der Tiere. Wenn dann auch noch tiefere Bereiche, lebendige Seitenarme und kühlere Rückzugsräume fehlen, kann Hitze rasch zur Überlebensfrage werden“, sagt WWF-Expertin Marie Pfeiffer.
Der WWF fordert daher ein gezieltes Sanierungsprogramm für besonders hitzegefährdete Flüsse und Bäche. Dazu zählen die Wiederanbindung von Seitenarmen und Mäandern, mehr Raum für Auen, standortgerechte Gehölzsäume entlang unbeschatteter Ufer sowie klare Regeln für Wasserentnahmen. „Renaturierung ist ein hervorragender Hitzeschutz. Je vielfältiger ein Gewässer ist, desto eher finden Fische bei Extremtemperaturen kühlere Bereiche“, sagt Pfeiffer. Ein zentrales Instrument dafür sei eine ambitionierte und ausreichend finanzierte Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung.
Die March zeigt das Risiko für regulierte Tieflandflüsse exemplarisch: Begradigte Ufer, abgetrennte Mäander und geschwächte Verbindungen zur Au haben viele natürliche Kühl- und Rückzugsräume verkleinert. Dadurch können hohe Temperaturen besonders stark auf Fische und andere Wasserlebewesen wirken. Die laufenden Renaturierungsprojekte an der March sind daher laut WWF ein sehr wichtiger Impuls. Entscheidend für den langfristigen Erfolg seien aber größere zusammenhängende Verbesserungen statt punktueller Maßnahmen.
Hintergrund: Warum Hitze Fische belastet
Fische sind wechselwarme Tiere, ihre Körpertemperatur und ihr Stoffwechsel hängen direkt von der Wassertemperatur ab. Schon geringe Temperaturanstiege erhöhen den Sauerstoffbedarf, während warmes Wasser weniger Sauerstoff binden kann. Dauerhaft hohe Werte führen daher zu Stress, fördern Krankheiten und können Lebensräume für viele heimische Fischarten verschlechtern oder sogar ungeeignet machen.
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