Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt

Die Arktis erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt – mit direkten Folgen für seltene Tiere. Weniger Meereis, wärmere Ozeanoberflächen und verschobene Nahrungsketten treffen besonders jene Arten, die an das Leben im Eis angepasst sind – darunter Eisbären, Walrosse, Ringelrobben und spezialisierte Seevögel wie die Elfenbeinmöwe. Hinzu kommt die Lebensraumzerstörung durch die rasant voranschreitende Öl-Industrie in vormals unzugänglichen Gebieten Grönlands und Kanadas. Der Schiffsverkehr beeinträchtigt Meeressäuger wie Grönlandwale bei der Kommunikation und auf ihren Wanderungen: „Als hätten es die Tiere in der Arktis nicht schon hart genug, mit den Folgen der Erderhitzung zurecht zu kommen. Politische Interessen und Ressourcengier machen es ihnen noch schwerer, ihre Jungen großzuziehen und genügend Nahrung zu finden”, sagt WWF-Artenschutz-Experte Georg Scattolin.
Neben dem Ausstieg aus fossiler Energie und effizienten Klimaschutzmaßnahmen fordert der WWF daher ausgewiesene Schutzgebiete, in die sich die Tiere zurückziehen können. „Vor allem während der Aufzucht ihrer Jungen brauchen die Tiere ungestörte Ruhe vor menschlichen Aktivitäten. Langfristig braucht es aber die Ausweisung von unantastbaren Gebieten, in denen Bohrungen, Schifffahrt oder sonstigen Eingriffe in die Natur verboten sind – ansonsten werden wir die seltenen arktischen Arten für immer verlieren”, sagt Georg Scattolin.
Fehlendes Packeis mit verheerenden Folgen für die Tierwelt
Die Folgen des fehlenden Packeises für die Tierwelt sind vielfältig: Eisbären sind auf Meereis als Jagdgebiet angewiesen. Wenn das Meer später zufriert und früher schmilzt, sinken ihre Jagdchancen – das ist besonders kritisch für Weibchen mit Nachwuchs. Walrösser nutzen das Packeis als Ruheplatz zwischen ihren Tauchgängen. „Bei fehlendem Eis weichen sie zunehmend auf sogenannte Massen-„Haulouts“ – also überfüllte Ruheplätze – an den Küsten aus. Das erhöht den Stress, den Energieaufwand und das Risiko von den eigenen Artgenossen zertrampelt zu werden – vor allem für Jungtiere”, sagt Scattolin vom WWF Österreich.
Auch Ringelrobben sind auf stabile Eisflächen und ausreichend Schnee für ihre Wurfhöhlen angewiesen. Was passiert, wenn sie fehlen, zeigt das jüngste Update der roten Liste für gefährdete Tierarten: Gleich drei arktische Robbenarten wurden 2025 auf der Roten Liste hochgestuft. Die Klappmütze (Cystophora cristata) gilt nun als „stark gefährdet“, nachdem ihr Bestand stark gesunken ist. Auch die Bartrobbe (Erignathus barbatus) und die Sattelrobbe (Pagophilus groenlandicus) wurden neu als „gering gefährdet“ eingestuft, vorher galten sie als „nicht gefährdet“. Der Status der Walrosse (Odobenus rosmarus) als „gefährdet“ wurde 2025 erneut bestätigt. „Wir sehen schon deutlich, welche dramatischen Folgen die menschlichen Einflüsse auf diese sensible Tierwelt haben. Wenn wir nicht schnell umlenken und die verbleibenden Gebiete schützen, riskieren wir die Tiere der Arktis für immer zu verlieren”, sagt Scattolin.
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