September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
WWF Living Planet Report: Wildtierbestände weltweit massiv eingebrochen

Wien, am 8. Oktober 2026 – Die weltweit erfassten Wildtierpopulationen sind seit 1970 im Durchschnitt um 73 Prozent geschrumpft. Das zeigt der neue Living Planet Report des WWF. Der Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen sind die am häufigsten festgestellten Bedrohungen für die untersuchten Tierbestände. Dahinter stehen laut dem Bericht grundlegende Fehlentwicklungen in der Lebensmittelproduktion, der Energieversorgung und im Finanzsystem. „Die Natur geht schneller verloren, als wir sie schützen. Die Politik muss die Zerstörung von Lebensräumen stoppen und den Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft und Gesellschaft verankern“, fordert Artenschutz-Experte Georg Scattolin vom WWF Österreich.
Die größten Rückgänge verzeichnet der Living-Planet-Index in Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen: Die erfassten Tierbestände gingen dort seit 1970 im Durchschnitt um 85 Prozent zurück. An Land betrug das Minus 69 Prozent, in den Meeren 59 Prozent. Grundlage des WWF-Reports ist der von der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) erstellte Living Planet Index, der 35.803 Bestandsentwicklungen von 5.790 Wirbeltierarten auswertet.
Der größte Treiber des weltweiten Biodiversitätsverlusts ist laut dem Report die Art, wie Lebensmittel produziert und konsumiert werden. Das Ernährungssystem fördert demnach insbesondere den Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen sowie die Übernutzung natürlicher Ressourcen. Zugleich verursacht es erhebliche Treibhausgasemissionen. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas heizt wiederum die Klimakrise an und verschärft damit den Druck auf Ökosysteme weltweit. Weitere Bedrohungen sind Umweltverschmutzung, invasive Arten und Krankheiten.
Finanziell wird diese Entwicklung weiter befeuert: Laut einer im WWF-Bericht angeführten Auswertung fließt weltweit rund 33-mal so viel Geld in naturschädigende Aktivitäten wie in den Schutz und die Wiederherstellung der Natur. „Wir finanzieren die Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlagen. Politik, Banken und Investoren müssen diese Geldflüsse umlenken und den Schutz der Natur zur Bedingung für Finanzierungen machen“, fordert Scattolin.
Hälfte der erfassten Populationen stabil oder wachsend
Der weltweite Abwärtstrend betrifft nicht alle erfassten Tierbestände: Rund die Hälfte der im Living Planet Index erfassten Populationen ist stabil oder wächst. Erfolge bei Grünen Meeresschildkröten, Blauflossen-Thunfischen, Tigern und einzelnen Elefantenbeständen im südlichen Afrika zeigen im WWF-Bericht, dass gezielte Schutzmaßnahmen eine Erholung ermöglichen können.
Tigerbestand wächst durch neue Schutzgebiete: Die Zahl der wildlebenden Tiger ist seit 2010 weltweit von 3.200 auf rund 5.700 gestiegen – ein Zuwachs von mehr als 70 Prozent. Dazu beigetragen haben ausgeweitete Schutzgebiete, besser ausgestattete Ranger-Einheiten und der grenzüberschreitende Kampf gegen illegalen Handel. Entscheidend war die langfristige Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und der Bevölkerung vor Ort.
Fangbeschränkungen ermöglichen Erholung von Thunfischen: Niedrigere Fangquoten und verstärkte Kontrollen haben beim Atlantischen und Pazifischen Blauflossen-Thunfisch beigetragen, den starken Negativtrend umzukehren. „Verbindliche Regeln wirken, wenn sie konsequent durchgesetzt werden“, sagt Scattolin.
Grüne Meeresschildkröte weltweit nicht mehr als gefährdet eingestuft: Die Grüne Meeresschildkröte wurde auf der weltweiten Roten Liste von „stark gefährdet“ auf „nicht gefährdet“ herabgestuft. Dahinter stehen rund 50 Jahre koordinierter Schutzarbeit in etwa 80 Ländern mit Nistvorkommen. Mitentscheidend für den Erfolg waren Maßnahmen an Niststränden, der Schutz von Eiern und die Verringerung des Beifangs in der Fischerei.
Regionale Erfolge bei bedrohten Elefanten: Regionale Erfolge bei bedrohten Elefanten: Im südlichen Afrika wachsen einzelne Bestände des Afrikanischen Savannenelefanten – auch dank Schutzprogrammen, die lokale Gemeinschaften einbinden und ihnen Vorteile bringen. In weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets gehen die Bestände jedoch zurück. Die Art bleibt stark gefährdet.
Globale Trendwende erfordert mehr als einzelne Schutzprojekte
Schutzprojekte allein können den weltweiten Abwärtstrend laut dem WWF-Report nicht umkehren. Dafür müssten auch Lebensmittelproduktion, Energieversorgung und Finanzströme naturverträglich gestaltet werden. Der Bericht zeigt, wie sich Veränderungen in diesen Bereichen selbst verstärken können: Sind bestimmte Schwellen überschritten, kann der Wandel schneller und günstiger werden. Gezielte politische und wirtschaftliche Maßnahmen können solche „positiven Kipppunkte“ näherbringen. „Die Politik muss mehr Lebensräume schützen, Renaturierung verlässlich finanzieren und naturzerstörende Praktiken beenden. Dann stellen sich auch konkrete Erfolge ein“, sagt Scattolin.
Hintergrund: Was der Living Planet Index misst
Der von der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) erstellte Living Planet Index ist eine zentrale Datengrundlage des Berichts. Er beschreibt, wie sich die Größe erfasster Wirbeltierbestände weltweit seit 1970 verändert. Die Auswertung umfasst 35.803 Populationstrends von 5.790 Arten, darunter Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien und Amphibien. Eine Population ist ein Bestand einer Art in einem bestimmten Gebiet. Für eine Art können mehrere solcher Bestände erfasst sein.
Der Index fasst die relativen Veränderungen der Bestandsgrößen zu einem globalen Trend zusammen. Ein Rückgang um 73 Prozent bedeutet weder, dass 73 Prozent aller Wildtiere verschwunden sind, noch, dass 73 Prozent der Arten ausgestorben sind. Er beschreibt die durchschnittliche proportionale Abnahme der erfassten Bestände seit 1970. In die Berechnung fließen schrumpfende, stabile und wachsende Populationen ein.
Die Indexwerte verschiedener Berichtsausgaben sind nicht unmittelbar miteinander vergleichbar: Mit jeder Aktualisierung kommen zusätzliche Daten hinzu, und der Untersuchungszeitraum verlängert sich. Der Living Planet Report 2026 betrachtet die Entwicklung von 1970 bis 2022.
Der Report (englisch) und Bilder hier.
Videomaterial B-Roll hier.
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