Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
WWF: Totschnig muss Klima-Risikoanalyse für Gepatsch-Speicher anordnen
Wien/Innsbruck, 21. September 2026 – Der WWF fordert Umweltminister Norbert Totschnig auf, bei der im September stattfindenden Sicherheitsüberprüfung des Gepatsch-Speichers eine unabhängige Klima-Risikoanalyse anzuordnen. Detaillierte Anfragen des WWF bei Tiwag, Land Tirol und Ministerium zeigen, dass umfassende Untersuchungen zu den veränderten Gefahren durch tauenden Permafrost und mögliche Fels- und Bergstürze bisher fehlen. „Die Klimakrise verschärft die Naturgefahren im Hochgebirge. Minister Totschnig muss daher jetzt einen unabhängigen Klima-Sicherheitscheck für den Gepatschspeicher anordnen. Alle Risiken müssen geklärt werden, bevor daraus eine Katastrophe wird“, sagt Maximilian Frey vom Tiroler WWF-Büro. Die geplanten Monitoring-Programme seien im Kaunertal zu wenig. Stabilitätsverluste von Felsflanken, tiefgreifende Massenbewegungen sowie wahrscheinliche Bildung von Gletscherseen sind bereits bekannt. Nötig seien umgehend belastbare Gefahrenszenarien und daraus abgeleitete Sicherheitsmaßnahmen.
Auch der renommierte Glaziologe und Geomorphologe Wilfried Haeberli von der Universität Zürich fordert eine fundierte Prüfung: „Im vergangenen Jahrhundert wurden Fels- und Bergstürze als unvorhersehbare Naturereignisse klassifiziert. Das hat sich mit dem heutigen Wissensstand grundlegend geändert. Kraftwerksbetreiber sind für die Sicherheit der unterliegenden Gemeinden verantwortlich und müssen diese Verantwortung wahrnehmen.“ Für den Gepatschspeicher weist Haeberlis fachliche Abschätzung einen Prüfbereich von etwa fünf Kilometern aus, in dem die Möglichkeit eines Sturzereignisses in den See vertieft untersucht werden muss. Dies dient der räumlichen Vorauswahl und stellt keinen Nachweis einer akuten Gefährdung dar.
Der Gepatschspeicher liegt im Nahbereich von Permafrost-Gebieten. Tauender Permafrost kann Felsflanken destabilisieren. Stürzen große Gesteinsmassen in einen Speicher, können gefährliche Flutwellen entstehen. Welche Dimension solche Ereignisse erreichen können, zeigen die Bergstürze von Blatten in der Schweiz 2025 und am Fluchthorn in Tirol 2023 sowie die jüngste Flut- und Gerölllawine nach einem Fels- und Gletschersturz an der Grenze zwischen Tibet und Nepal.
Anders als die Tiwag setzen sich mehrere österreichische Betreiber von Kraftwerken in hochalpinen Lagen bereits mit dem durch die Klimakrise veränderten Risiko auseinander und haben Forschungsprojekte beauftragt, wie Rückfragen des WWF in der Branche ergeben haben.
WWF fordert Stopp des Kaunertal-Verfahrens
Bis zur vollständigen Untersuchung der Gefahren für den bestehenden Gepatschspeicher fordert der WWF, das UVP-Verfahren für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal auszusetzen. Geplant ist unter anderem ein weiterer Speicher im Platzertal mit 42 Millionen Kubikmetern Volumen. „Bevor ein neuer Großspeicher genehmigt wird, müssen die Risiken für den bestehenden Speicher lückenlos geklärt sein. Sicherheit muss Vorrang vor Ausbauinteressen haben“, sagt Frey.
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