EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF: Bund-Länder-Konflikt hinter Leerstellen im Renaturierungsplan

Wien, am 2. September – Ein Konflikt zwischen Bund und Ländern steht laut WWF-Informationen hinter zwei zentralen Leerstellen im österreichischen Renaturierungsplan. Eine vertiefte WWF-Analyse des Entwurfs zeigt, dass sowohl für die Wiederherstellung EU-geschützter Natur als auch für Österreichs Städte konkrete Flächenangaben und Maßnahmen fehlen. Zudem nennt der Entwurf weder das Gesamtausmaß der bis 2030 zu renaturierenden Flächen noch eine gesicherte Finanzierung nach 2028. Auch die von der EU-Verordnung verlangten Angaben zu umweltschädlichen Subventionen fehlen. „Österreich hat die Abgabefrist formell eingehalten, inhaltlich verdient der Plan ein glattes Nicht genügend. Die Bundesregierung muss ihren Entwurf rasch nachbessern, damit die laufende öffentliche Konsultation nicht zur Farce wird“, sagt WWF-Experte Joschka Brangs.
Beim zentralen Kapitel zur Wiederherstellung EU-geschützter Natur (Art. 4) scheiterte die Aufnahme bereits erarbeiteter Inhalte an einer fehlenden Einigung zwischen Bund und Ländern. Eine Facharbeitsgruppe hatte Ziele, Maßnahmen und Kosten vorgelegt, doch die Ergebnisse wurden nicht in den Entwurf übernommen. „Damit fehlen ausgerechnet bei einem Herzstück der Renaturierungsverordnung konkrete Vorgaben, obwohl der Handlungsbedarf besonders groß ist“, kritisiert Brangs. Laut dem jüngsten FFH-Bericht Österreichs an die Kommission sind 77 Prozent der geschützten Lebensraumtypen in keinem günstigen Zustand.
Auch für die Städte (Art. 8) gibt es längst Maßnahmen und Kostenschätzungen einer Facharbeitsgruppe. Allerdings scheiterte ihre Aufnahme in den Plan bis zuletzt ebenfalls an der fehlenden Einigung zwischen Bund und Ländern. Ausschlaggebend war insbesondere der Widerstand Niederösterreichs. „Nach der extremen Hitze und Dürre dieses Sommers sind diese Leerstellen völlig unverständlich. Bäume, Parks und unversiegelte Böden sind unverzichtbar, um Städte zu kühlen und Wasser zu speichern“, kritisiert Joschka Brangs. Laut der EU-Verordnung muss Österreich sicherstellen, dass städtische Grünflächen und Baumüberschirmung bis 2030 nicht schrumpfen und danach zunehmen.
Der Entwurf beziffert den Finanzierungsbedarf für den Zeitraum bis Juni 2032 mit rund 3,75 Milliarden Euro. Nationale Mittel sind jedoch nur bis 2028 und Mittel der EU nur bis 2027 gesichert, spätere Beträge beruhen auf Annahmen. Zugleich fehlen konkrete Daten zu umweltschädlichen Subventionen, die erst nachgereicht werden sollen. „Umweltminister Totschnig fordert mehr Geld aus Brüssel, legt selbst aber nur einen äußerst lückenhaften Entwurf vor. Es fehlen sowohl eine langfristig gesicherte Finanzierung als auch eine Bilanz jener öffentlichen Gelder, die Naturzerstörung fördern“, sagt Brangs.
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Tigerinnen in Thailand ziehen erfolgreich Nachwuchs groß
Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF-Flüssereport: Drei Viertel der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt
77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn










