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Weltschildkrötentag: 250.000 Meeresschildkröten sterben jährlich einen grausamen Tod
WWF zum Weltschildkrötentag am 23. Mai
Wien, 22. Mai 2012 – Meeresschildkröten stammen aus einer Zeit von vor 225 Millionen Jahren und haben sogar die Dinosaurier überlebt. Heute sind sie massiv bedroht. Jedes Jahr sterben eine Viertelmillion Schildkröten qualvoll als Beifang in den Netzen der Fangflotten und an den Haken der Langleinen-Fischerei. Mit speziellen G-förmigen Rundhaken, die der WWF entwickeln ließ, und mit Naturschutzprogrammen sollen die Tiere zukünftig gerettet werden. „Wenn die neue Technik weltweit umgesetzt wird, kann der Schildkrötenbeifang zu fast Hundert Prozent vermieden werden”, so WWF-Meeresexperte Axel Hein. Meeresschildkröten sind zudem durch die Verbauung der Strände, die Jagd auf die Tiere und die Meeresverschmutzung, vor allem durch Plastikmüll, bedroht.
Alle Meeresschildkröten sind in ihren Beständen gefährdet und durch nationale Gesetze und internationale Verträge geschützt. Durch die moderne Zivilisation sind die früher umfangreichen Bestände an Meeresschildkröten stark dezimiert worden. Bei der Eiablage an den Stränden sind sie und ihre Gelege besonders gefährdet. Die Bejagung der weiblichen Tiere, das Einsammeln der Eier, die kommerzielle Nutzung der Schildkrötenpanzer sowie die rücksichtslose Erschließung von Stränden sind dafür verantwortlich, dass die Meeresschildkröten heute vom Aussterben bedroht sind. Auch die Verschmutzung der Meere und der Plastikmüll bedrohen die Schildkröten. Von Tausend kleinen Schildkrötenbabys wird nur eines erwachsen und kann sich fortpflanzen.
Schlaue Haken und Netze
Der WWF konzentriert sich in seiner Naturschutzarbeit auf die Reduktion des Meeresschildkrötenbeifangs durch die Einführung von schildkrötenfreundlichen Rundhaken im Korallendreieck, der artenreichsten Meeresregion der Erde. Sechs der sieben weltweit vorkommenden Meeresschildkrötenarten leben hier. Aber auch jeder dritte weltweit gefangene Thunfisch stammt aus diesem Gebiet zwischen den Philippinen, Indonesien und Papua Neuguinea. Viele Tausende Meeresschildkröten schlucken die für die Thunfische gedachten Haken und sterben qualvoll an inneren Verletzungen. Dabei müssen nur die klassischen, J-förmigen Haken durch G-förmigen Rundhaken ersetzt werden. So kann der Beifang von Meeresschildkröten um bis zu 90 Prozent gesenkt werden. Bleibt doch eine Schildkröte am Haken hängen, können die Fischer 95 Prozent der Tiere retten. Darüber hinaus können Fangnetze mit artspezifischen Fluchtfenstern ausgerüstet werden, durch diese die Tiere entkommen können. Ein Großteil des Beifangs kann durch solche selektiven Fanggeräte vermieden werden.

Bild: Vergleich von J-Haken (links) und Rund- oder G-Haken (rechts)
Der WWF schreibt seit einigen Jahren regelmäßig den weltweiten Wettbewerb „Smart Gear“ („Schlaue Netze“) aus, bei dem Innovationen prämiert werden, die den Beifang verringern. Inzwischen gibt es bereits eine Vielzahl praktischer Lösungen zur Beifangverminderung: Von akustischen Signalgebern in Stellnetzen, die Wale und Delfine auf Abstand halten bis hin zu Scheuchvorrichtungen für Seevögel an Langleinen.
Schutz mittels Satellitentechnik
Neben der Entwicklung schonender Fischereimethoden hat der WWF im Südpazifik ein Monitoring-Netzwerk für Meeresschildkröten aufgebaut um die Populationen zu überwachen und die Niststrände zu schützen. Dazu werden Schildkröten mit GPS-Sendern markiert um mehr Aufschluss über Ihre Wanderrouten zu erhalten. Ziel ist es, sie auf ihren Wanderungen besser vor den Gefahren durch die Hochseefischerei zu schützen. Auch die lokale Bevölkerung wird dabei in die Meeresschildkrötenschutzprojekte eingebunden.
Meeresschildkröten weltweit
Meeresschildkröten leben weltweit in tropischen und subtropischen Meeren auf hoher See und auch in Küstennähe. Weltweit gibt es sieben Arten – die Lederschildkröte, die Echte und die Unechte Karettschildkröte, die Kemp’s Bastardschildkröte, die Pazifische Bastardschildkröte und zwei Arten von Suppenschildkröten. Meeresschildkröten legen ihre Eier an Stränden ab, wo sie durch die Wärme der Sonne ausgebrütet werden. Ein Gelege umfasst in der Regel über 100 Eier. Die frisch geschlüpften Schildkrötenjungen wiegen etwa 20 Gramm. Auf ihren Wanderwegen zwischen den Erdteilen legen die Meeresschildkröten riesige Entfernungen zurück, kommen aber zur Eiablage immer wieder zu dem Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind. Von welchen Einflüssen sie dabei geleitet werden, ist bislang nicht geklärt.
Rückfragehinweis: Mag. (FH) Lisa Simon, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel.: +43-1-48817-215, Mobil: +43-676-83488215, E-Mail: lisas.simon@wwf.at
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