Zum Start des Ministersegments stocken Verhandlungen über Naturschutz-Finanzierung – WWF fordert verbindliche Finanzierungszusagen und Abbau umweltschädlicher Subventionen
Gemeinsam für den Erhalt des Schilfgürtels des Neusiedler Sees
Eisenstadt, am 1. Oktober 2018 – Der Klimawandel stellt die bisherigen Methoden der Schilf-Ernte am Neusiedler See vor Probleme. Die immer öfter fehlende Eisdecke zwingt die Schilfschneider dazu, mit ihren schweren Erntemaschinen im Wasser zu fahren. Dies kann zu einer immer weiter fortschreitenden Schädigung des sensiblen Schilfgürtels und seiner reichen Vogelwelt führen. Heute stellt die Burgenländische Naturschutzlandesrätin Astrid Eisenkopf ein neues EU-Projekt vor, das hierfür – unter aktiver Mitwirkung aller Betroffenen – Abhilfe schaffen soll. Mit dem Vorhaben „Entwicklung nachhaltiger Schilferntemethoden und Monitoring – Schilfgürtel Neusiedler See“ soll sowohl die Zukunft der Schilfwirtschaft als auch die Qualität dieses europaweit einzigartigen Naturjuwels gesichert werden. Eisenkopf erklärt: „Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees beherbergt eine unvergleichliche Vogelwelt, die Besucher aus ganz Europa anzieht. Gleichzeitig ist der Schilfgürtel auch für die Regionalwirtschaft und den traditionellen Erwerbszweig der Schilfernte von großer Bedeutung. Wir haben deshalb im Rahmen des Programms Ländliche Entwicklung ein Projekt im Umfang von 300.000 Euro gestartet um nachhaltige Lösungen im Interesse aller Beteiligten sicherzustellen. Damit werden wir auch unseren Verpflichtungen zum Erhalt des europäischen Naturerbes gerecht.“
Das Westufer des Neusiedler Sees beherbergt die bedeutendsten Schilfbestände außerhalb des Nationalpark-Gebiets. Schilf wird hier traditionell im Winter geerntet, was für die Natur bislang unproblematisch war. Im letzten Jahrzehnt hat der Klimawandel aber dazu geführt, dass eine tragfähige Eisdecke auf dem See immer öfter ausbleibt. Die schweren Erntemaschinen müssen nun im Wasser operieren. Das kann zu Schäden an den Schilfwurzeln, zur Ausdünnung und letztendlich auch zum Absterben großer Schilfbestände führen. „Weil sich das Schilf nicht mehr erholt, gehen wertvolle Lebensräume für Schilfvögel und Amphibien unwiederbringlich verloren“, erklärt Bernhard Kohler vom WWF Österreich, der das Projekt koordiniert. „Es braucht schonendere Erntemethoden, die in enger Zusammenarbeit mit den Schilfschneidern gefunden werden müssen“, bekräftigt Kohler. Am 3. Oktober findet dazu in Oggau der erste von insgesamt drei Workshops mit Schilfschneidern und Grundbesitzern statt.
Auch bei BirdLife macht man sich Sorgen um die Zukunft der international herausragenden Schilfvogel-Vorkommen des Neusiedler Sees. „Im Schilfgürtel brüten beispielsweise bis zu 60.000 Brutpaare des Teichrohrsängers. Es handelt sich dabei um eines der wichtigsten Einzelvorkommen dieser Vogelart in Europa. Ist das Schilf geschädigt, dann wird die Halmdichte für diese Art zu gering, und sie findet keine geeigneten Nistplätze mehr“, erläutert der Ornithologe Erwin Nemeth. Für die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich entwickelt er im Rahmen des Projekts ein Programm zur Erhebung der Schilfvogel-Bestände und zur Dokumentation des Schilfzustandes.
Von Grundbesitzerseite herrscht ebenfalls großes Interesse an einer zukunftsfähigen Neugestaltung der Schilfwirtschaft. Direktor Matthias Grün von den Esterhazy-Betrieben erklärt: „Unsere Pächter leisten hervorragende Arbeit, die laufend evaluiert und jetzt noch weiter verbessert werden soll. Im Projekt soll gemeinsam herausgefunden werden, wie unter den veränderten Umständen Schilf möglichst schonend geerntet werden kann. Als Grundbesitzer und Kooperationspartner ist es uns ein großes Anliegen, auf die Nachhaltigkeit unserer Landbewirtschaftung zu achten. Die Esterhazy-Betriebe verfügen über einen Flächenanteil von 7.500 Hektar am gesamten Schilfgürtel des Neusiedler Sees und sehen sich dementsprechend in der Verantwortung für die Zukunft des Gebiets.“
Gespannt blickt Schilfschneider Markus Brunner der Veranstaltung am 3. Oktober entgegen. „Die Schilfbauern haben sich schon bisher viele Gedanken über schonende und nachhaltige Ernteverfahren gemacht. Jeder hat seine eigenen Maschinen entwickelt und ist der Überzeugung, eine umweltverträgliche Methode gefunden zu haben. Ich hoffe auf eine offene und konstruktive Diskussion.“
Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist mit seinen insgesamt etwa 18.000 Hektar (in Österreich und Ungarn) einer der größten in Europa. Er ist Teil des Natura 2000 Gebiets Neusiedler See –Seewinkel/Nordöstliches Leithagebirge. Deshalb gilt für ihn eine europarechtlich strenge Erhaltungsverpflichtung.
Das Projekt „Entwicklung nachhaltiger Schilferntemethoden und Monitoring – Schilfgürtel Neusiedler See“ wird vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, vom Land Burgenland und der Europäischen Union im Rahmen der „Ländlichen Entwicklung 2014-2020“ gefördert.
Fotos des Teichrohrsängers und des Schilfgürtels, finden Sie unter diesem Link: https://we.tl/t-8USTDSEg9L
Das Bildmaterial steht Ihrem Medium im Zusammenhang mit der heutigen Presseinformation und bei Nennung des Credits © BirdLife/Michael Dvorak zur einmaligen kostenlosen Verwendung zur Verfügung.
Rückfragehinweise:
Land Burgenland, Angela Gludovatz, Büro Landesrätin Astrid Eisenkopf, Tel. 057/600 2472, E-Mail: angela.gludovatz@bgld.gv.at
WWF Österreich Pressestelle, Claudia Mohl, Tel. 0676/83 488 203, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
BirdLife Österreich Pressestelle, Susanne Schreiner, Tel. 0699/181 555 65, E-Mail: susanne.schreiner@birdlife.at
Esterhazy-Betriebe Öffentlichkeitsarbeit, Barbara Wagner-Gmeiner, Tel. 0664/ 96 57 909,
E-Mail: b.wagner-gmeiner@esterhazy.at
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